Achtzig Jahre Party

Vor einigen Tagen hat das Stadtmuseum eine interessante Ausstellung eröffnet. Es geht um die Clubkultur in München. Ausgerechnet nun, wo das partyhungrige Volk schon so lange darbt! Dunkel gehalten der Vorraum vor der Ausstellung, schummeriges Partylicht eben. Dann geht man an liebevoll zusammengesammelten Eintrittskarten hinter Glas entlang. Man kann kaum glauben, was da für Raritäten liegen. Eintrittskarten für die Beatles, Joe Cocker, The Doors aus den 6oer Jahren, als die Karten noch ganz unspektakulär waren, die Bands dafür aber umso mehr. Eintrittskarten und Flyer aller Art säumen den Weg, bis sich eine Tür öffnet. Eine berühmte Tür, die massive Metalltür des Atomic Cafés. Diese wurde gleich nach der Schließung nach der letzten Silvesterparty 2014 abgebaut, zusammen mit der kompletten Inneneinrichtung. Alles ist nun in der Ausstellung: Mobiliar, DJ-Kanzel, die original Bierkästen, laut Christoph Gürich und Ursula Eymold, den Kuratoren der Ausstellung, sogar die angeklebten Kaugummis am Tresen.

Neben diesen Atomic-Café-Devotionalien zeigt das Stadtmuseum Flyer, Eintrittskarten, Leuchtreklame und Konzertplakate, die einem Musik-Fan Sehnsüchte bereiten. Wie gerne wäre ich bei sehr vielen dieser Konzerte gewesen! All das macht mir bewusst, wie wichtig Ausgehen ist, sich treffen, Konzerte live erleben und nicht via Stream. Und da kommt man dann auch tatsächlich in einen Bereich, wo einen die Realität einholt.

Über nostalgischen Leuchtreklameschildern und bunten Konzertplakaten kleben hier plötzlich Schwarz-Weiß-Plakate von Kulturschaffenden: „Ohne uns ist’s still“. In einem riesigen schneewittchensargähnlichen Glasgefäß liegen tausende von Tickets für Konzerte, die pandemiebedingt nicht stattfinden durften.

Bildstrecken von leeren Clubs, die pandemiebedingt schließen mussten, werden gezeigt. Da bin ich etwas beklommen und werde still.

Wann wird es wieder Partynächte geben können, wann das erste richtig große Konzert in einer vollen Olympiahalle? Heute bin ich auf jeden Fall erst mal froh, dass ich im Innenhof des Stadtmuseums einen Cappuccino bekomme. Ich lasse die Ausstellung in meinem Kopf Revue passieren. Schon in den 50er Jahren, so zeigen es die Bilder, wurde in München wild gefeiert, Sammy Davis Jr. mit Trachtenhut ist der Beweis. Dann kam die Disco-Zeit, Donna Summer und Freddie Mercury machten München unsicher. Aber es wird auch die Rolle der Frau im Nachtleben thematisiert, Aspekte wie Kriminalprävention und „Queeres Nachtleben“.

Nur eine Frage bleibt noch offen: Wann und wie geht es in der Clublandschaft weiter?

Nachts. Clubkultur in München
Stadtmuseum
St.-Jakobs-Platz 1
Di – So 10-18 Uhr
24. Juli 2021 bis 1. Mai 2022

https://www.muenchner-stadtmuseum.de/sonderausstellungen/nachts-clubkultur-in-muenchen

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