Sonstiges: Lesung Friedrich Ani, 28.09.2013, M und anderes

Viele gut erzählte Geschichten

 

Samstag, 28.09.2013, in der Münchner Traditons-Gaststätte Schlachthof, dessen Saal um 19.30 Uhr gut gefüllt ist. Im Rahmen des herbstlichen Krimifestivals München stellt Friedrich Ani hier sein neues Buch M vor (s. Buchrezension) und lässt noch anderes aus seiner Feder hören. Die Hauptperson des Abends bewegt sich zwischen den Biertisch-Garnituren wie einer unter vielen, unterhält sich, lächelt und begrüßt Gäste.

Um 20 Uhr begrüßt der Droemer-Verleger Hans Peter Übleis die Anwesenden. Er weist darauf hin, dass vor zweieinhalb Jahren der letzte Hardcover-Krimi mit und um Tabor Süden erschienen ist. Laut seiner Aussage findet die Suche nach vermissten Personen in München und Umland mittlerweile auch im hohen Norden großen Anklang. Ani verfasst außerdem Jugendbücher, die mitunter auch schon verfilmt wurden (zum Beispiel „Wie Licht schmeckt“), und versucht durch seine Lesungen in Schulen junge Menschen für das Medium Buch und das Lesen zu interessieren.

Unter Applaus erscheint nach diesen einführenden Worten der Autor zusammen mit den zwei Musikerinnen vonfani-2011_foto-4c_mark-roemisch_klein Zwirbeldirn, Maria Hafner und Edith Keglmaier, auf der Bühne. Mittlerweile hat er seine vorher offen getragenen Haare zurückgekämmt, aber die saloppe Erscheinung ist geblieben. Das Geklapper der Bierkrüge und die Unterhaltungen verstummen, zwei Geigen bilden den musikalischen Anfang der Veranstaltung. Friedrich Ani sitzt an einem kleinen Tisch, setzt sich zurecht und ähnelt jetzt mehr dem Foto mit diesem ernsten Blick.
In seiner Begrüßung zeigt er sich erfreut über das „extrem zahlreich erschienene Publikum“ und beginnt mit der Lesung aus seinem am 01.10. erschienenen Buch mit dem Titel M, in dem der Autor die Suche nach Siegfried Denning beschreibt, der von seiner Freundin vermisst wird. Mia Bischof wendet sich an die Münchner Detektei Liebergesell mit dem erfahrenen ehemaligen Hauptkommissar Tabor Süden. Der neue Auftrag birgt Gefahren und führt die Mitarbeiter unter anderem zu einer rechtsradikalen Vereinigung. „Vor der Polizei, sagte Mia Bischof, habe sie ihn in kein schlechtes Licht rücken wollen. …“ Die Stimme trägt die folgenden Seiten aus dem vierten Kapitel des Buches ruhig vor, er lässt die Eigenarten der Beteiligten zwischen den Zeilen durchscheinen und fährt nach einem kurzen Schweigen mit dem zweiten Abschnitt aus dem Buch fort: „Von Kindheit an waren die Werte, die ihr Vater ihr vermittelte, die Grundlagen ihres Denkens und Handelns. …“.
Die danach einsetzende Musik löst die Stille ab, die Zuhörer entspannen sich, die Gespräche setzen leise wieder ein. Ani sitzt abwartend da und taxiert unauffällig das Publikum. Nach dem Verklingen der Melodie versetzt uns der Vorleser in das Wohnzimmer sowie die Befindlichkeiten von Edith Liebergesell, die dabei ist, einen gedanklichen Schlussstrich unter ihren Schmerz um ihren verlorenen Sohn zu setzen.

 

Das folgende Lied darüber, dass man kein Bier trinken soll, „wo der Mond neigscheint hod“ verkürzt die Wartezeit bis es weitergeht. Ani gewährt einen Blick in ein weiteres Süden-Buch: Korbinian Ostler ist verschwunden, seine Schwester schickt Süden aus, um ihn zu suchen. Er findet ihn … Im Verlauf der vorgelesenen Zeilen lässt Ani die bayerisch-humorigen Seiten seiner Hauptfiguren aufblitzen, das Publikum quittiert dies mit Lachen, die vorhergehende Anspannung wechselt sich mit Heiterkeit ab.

 

Fritz kann auch Liedtexte

 

fani-2013_kleinAber Fritz kann nicht nur Krimi, Fritz kann auch Liedtexte. Dies beweisen die Musikantinnen mit dem folgenden Stück. Die Worte sind einfach, sie erzählen den wöchentlichen Konsum eines Biertrinkers im Münchner Dialekt und sind somit auch für Nordlichter zu verstehen. Eine sehr gelungene, andere Schreiber-Facette des Friedrich Ani!
Als nächstes stellt der Schriftsteller einen Stalker in den Mittelpunkt. Gabriel Hofherr verfolgt Monika Gruber. Er fragt sich, „wo ihre Pointen geblieben sind“, hält sie für eine „ferngesteuerte Carolin Reiber“, redet sich immer mehr in Wut, die aber äußerst humorvoll dargebracht wird. Die Lacher sind auf seiner Seite. Ani legt an Tempo zu, dies wirkt sich auch auf seine Bewegungen beim Lesen aus. „Der Irrsinn der Welt“ wird angeklagt, am meisten Schenkelklopfen erzeugt das Thema Rauchverbot. Laut Ani ist es schon schade, dass die Eltern mit Kleinkindern seit dem Rauchverbot jetzt nicht mehr in die Eckkneipe kommen, wobei sie doch früher so oft hier waren! Diese amüsante und kurzweilige Erzählung lockert die Stimmung noch um weitere Grade auf, während der Musik wird teilweise an den Tischen noch darüber diskutiert.

 

Was „Zigeunerschnitzel und Demokratie“ miteinander zu tun haben, wird uns im weiteren Verlauf nahe gebracht. Der Stift ist längst beiseite gelegt, ich amüsiere mich jetzt einfach nur. Die musikalische Darbietung aus Serbien löst den Bann zwischen Zuhörern und Vorleser.
Es folgt wieder ein Ausschnitt aus dem Fall Siegfried Denning (M): Mia Bischof ist auf dem Weg in die Redaktion und sie wird von vielen Gedanken begleitet. Der musikalische Einsatz von Maria Hafner und Edith Keglmaier unterbricht, Ani scheint auf einen Punkt im Saal konzentriert zu sein, blickt immer wieder auf sein Konzept und setzt zu zwei weiteren Kurz-Kriminalfällen an, die im Literarischen Krimi-Kalender erschienen sind.

Das englische Lied über einen Massenmädchenmörder in Düsseldorf folgt und leider kündigt der in Kochel geborene Autor das Ende seiner Darbietungen an. Aber es ist nur „fast Schluss“, denn da gibt es noch diesen betrunkenen Trainer, der vor der Presse das Spiel seiner Mannschaft kommentieren bzw. erklären muss. Ani gestikuliert mit den Händen, bringt die Stimmung eines Interviews nach einem erfolglosen Spiel überzeugend rüber. Beckmann mit seinen blöden Fragen … Der danach einsetzende Applaus setzt die Begeisterung über diese Worte fort, es war eine sehr gelungene komische Darbietung.

Nach fast zwei Stunden überzeugt Friedrich Ani die Zuhörer, entweder das erste Mal oder als Wiederholungs-Zuhörer, weiterhin von seiner Wandlungsfähigkeit. Er gibt uns Einblick in einen Zyklus von ihm geschriebener Liedtexte von einem/seinem (Lieblings-)Lokal. Allerdings will er es nicht vorsingen, sondern lesen: Im Café-Schau-ma-mal finden sich Gleichgesinnte, ohne Plan und Absicht, das Münchner Leben fließt durch die Lokalität. Die Zeilen zeigen einen Menschen, der hinschaut. Die vielen Stunden in guter Gesellschaft und an einem Ort, wo man sich zuhause fühlt, haben sich für uns und auch für ihn ausgezahlt.

Genauso schnell wie der Lebensfluss dahin fließt, ist die Zeit hier im Schlachthofviertel vergangen. Viel zu schnell! Ich hätte diesem unterhaltsamen Vorleser gerne noch weitere zwei Stunden zugehört. Die Süden-Reihe hat mich bereits begeistert, die letzten 120 Minuten führen wohl dazu, mir auch anders geartete Literatur von Friedrich Ani nach Hause zu holen. Die aufgezeigten Möglichkeiten versprechen noch viele kriminalistische, vergnügliche, interessante oder auch besinnliche Lesestunden.

 

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