Film: The Girl with all the Gifts

Horror mit Herz

the girl with all the gifts

Es gibt Filme, die faszinieren einen von der ersten Sekunde an. Dazu gehört The girl with all the gifts. Geräusche schon bei den ersten Einstellungen, bei denen man sich fragt, kommt das aus dem Kino, von draußen, gehört das schon zum Film? Ungewöhnlicher Sound, fesselnd. Süße Kinder, die morgens von bewaffneten Soldaten skrupellos aus dem Bett geholt werden, in einen Rollstuhl verfrachtet, zur Bewegungsunfähigkeit angeschnallt und herzlos in einen Klassenraum geschoben werden. Warum, fragt man sich. Eine eiskalte Atmosphäre, es ist eine Militärbasis. Es stellt sich heraus, die Kinder sind keine gewöhnlichen Kinder, es sind gefährliche Monster, Abkömmlinge von „Hungries“, Menschen, die durch eine Pilzinfektion zu einer Art Zombies wurden.

Draußen herrscht Krieg zwischen den Hungries und den Menschen. Jeder auf der Basis ist gefühllos und brutal zu den Kindern, einzig allein die Lehrerin Miss Helen Justineau hat Sympathie für sie, vor allem für Melanie, die anders ist als die Anderen, intelligent, kreativ, höflich. Doch dann wird sie zur Wissenschaftlerin Dr. Caldwell (Glenn Close perfekt in Szene gesetzt, fast schon maskulin in ihrer Nüchtern- und Besessenheit) ins Labor gebracht, zu ihrem eigentlichen Zweck: Es werden Versuche mit den Kindern gemacht, man verspricht sich ein Heilmittel. Die infizierten Kinder sind nämlich noch nicht komplett zu Hungries geworden, ihr Verstand arbeitet noch, sie können den Fressimpuls noch unterdrücken.

Aber die Basis wird von den Hungries überrannt, es können sich nur die Lehrerin, die Wissenschaftlerin, ein Sergeant mit ein paar Männern und Melanie retten, und das auch nur durch Melanies Mithilfe.

Alleine in diesem ersten Drittel des Films prasseln so viele Eindrücke auf einen ein, die neu sind im Zombie-Genre. Hier wird nicht mehr getaumelt mit glasigen Augen, diese Zombies haben ein Tempo drauf, das habe ich so noch nie gesehen. Andererseits können sie aber auch einfach so dastehen, regungslos, wie auf einem Bahnsteig vergessen. Das sind skurrile Bilder. Hier erwacht kein Zombie nach einiger Zeit und wird dann verwandelt, das geht in Sekundenschnelle. Deshalb wird der Film nach der Flucht aus der überrannten Militärbasis so rasant, spannend, atemlos. Die Geschichte um das Mädchen mit all ihren Fähigkeiten ist faszinierend. Man will sie zunächst festbinden und bewegungsunfähig machen, aber schnell merken die anderen, dass nur sie, dieses kleine Mädchen, sie durch diesen Wahnsinn bringen kann. Dass Melanie vielleicht die verbliebene Menschheit retten könnte, ist die logische Konsequenz.

Dieser Film ist wirklich etwas ganz Besonderes. Sicherlich hat er auch etwas aus den üblichen Zombie-Serien, er hat Anleihen bei Full Metal Jacket, Mad Max, I am Legend und 28 Days later, gerade bei den Szenen im menschenleeren London: Tiere, Bäume und Sträucher haben sich den Lebensraum zurückerobert. Das eigenartigste ist aber die Affinität zu dem kleinen Zombie-Mädchen. Es hat Verstand, Herz und Seele, ohne sie wäre alles nichts. Das stimmige Ende, das man, je nach Interpretation, als aussichtslos oder hoffnungsvoll betrachten kann, hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck.
Von der absoluten Newcomerin Sennia Nanua, die das Mädchen Melanie spielt, dürfte man in Zukunft noch viel hören. Hervorzuheben ist auch die außergewöhnliche Musik von Cristobal Tapia de Veer. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman The girl with all the gifts von Mike Carey.

The girl with all the gifts
Genre: Drama, Thriller, Horrow
Regie: Colm McCarthy
Nationalität: USA, Großbritannien
Start in Deutschland: 9. Februar 2017, 1 h 52 Min.
Cast: Gemma Arterton, Glenn Close, Paddy Considine, Sennia Nanua

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