,

Unterwegs: Münchner Vororte – Dachau

Einstige Künstlerstadt im Wandel

DSCF0161

Nur 30 Minuten von der Bayerischen Landeshauptstadt München entfernt liegt die große Kreisstadt Dachau mit ihren 45.000 Einwohnern. Idyllisch, klein und ruhig zieht es immer mehr Menschen hierher, die sich niederlassen. Ich möchte euch ein wenig die Geschichte dieser Stadt näherbringen. Was viele nicht wissen: Dachau feierte dieses Jahr seine Gründung, 1210 Jahre, und ist somit um einiges älter als München.

Das erste Mal wurde Dahauua (das heutige Dachau) im Jahre 805 in einer Urkunde erwähnt. Die edle Erchana aus dem Grafengeschlecht der Aribonen schenkte ihren gesamten Grundbesitz dem Erzbistum Freising. Da das Erzbistum sehr emsig war, was das Erschließen neuer Handelswege anging, bekam Dachau 1270 den Namenszusatz Markt verliehen. Aufgrund seiner perfekten Lage zwischen München und Augsburg erlangte Dachau Ruhm und Macht, gleichzeitig brachte der Handelsweg aber auch Krieg, Leid und Krankheit. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Stadt von seinen schwedischen Besatzern geplündert.

Im 19. Jahrhundert entdeckten Maler die schönen Moor- und Sumpflandschaften, die die Stadt zuhauf bot und immer noch bietet, für sich und ließen sich nieder. Man sagt, dass im Jahre 1900 jeder zehnte Einwohner der Stadt ein Maler war. Dachau erlangte den Ruf, eine Malerkolonie zu sein. Die bekanntesten unter ihnen dürften Carl Spitzweg, Max Liebermann und Ludwig Dill sein. Viele von ihren Gemälden wurden vom Dachauer Hinterland inspiriert.

Mit dem Beginn des 1. Weltkrieges verarmte die Stadt jedoch und zählte zu den Städten mit der höchsten Arbeitslosigkeit. Im Jahre 1933 wurde durch die Errichtung des Konzentrationslagers das wohl dunkelste Kapitel der Stadt seit Gründung geschrieben, das noch heute wie ein Schatten über Dachau liegt. Die einstige Künstlerstadt wurde von da an mit dem menschenverachtenden Treiben des NS-Regimes assoziiert. Die KZ-Gedenkstätte ist heutzutage Ziel vieler in- und ausländischer Besucher. Die heutige Maxime der Stadt lautet, das damals Geschehene, so traurig es auch war und ist, wach zu halten.

Heute ist Dachau eine ruhige, recht belebte Kleinstadt, die als Ausflugsziel vor allem für Menschen dient, die im Gegensatz zu den pulsierenden Metropolen ein wenig Ruhe suchen. Nette Cafes laden zum Verweilen ein, Wanderrouten laden zum Spazierengehen ein, und vor allem bietet Dachau einige sehenswerte, naturbelassene Plätze.

Meine persönlichen Tipps für Besucher und Interessenten

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Allee im Hofgarten von Schloß Dachau

Die Altstadt ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Viele kleine Gässchen laden zum Erkunden ein. Die gepflasterten Strassen sind genauso ein Zeugnis der Geschichte wie auch das Schloss Dachau, das hoch oben mit seinem prächtigen Hofgarten thront und vor allem abends als Kulisse für Pärchen dient. Direkt am Schloss angebunden findet man den sogenannten Wasserturm, der oftmals als Ausstellungsort für junge Strassenkünstler gilt, die dort ihre Arbeiten ausstellen. Für mich persönlich ist der Turm ein tolles Ziel, wenn es darum geht, ein wenig Kraft zu sammeln oder seine Gedanken zu ordnen. Hinter dem Wasserturm stehen Bänke, und ein Weg führt nach unten direkt in die Stadt. Im Sommer ist es besonders schön, im Schlossareal zu verweilen, da man von dort aus den Sonnenuntergang perfekt verfolgen kann. Das Dachauer Hinterland, das wie beschrieben Maler zu Meisterwerken animierte, bietet wunderschöne Naturlandschaften vor allem im Frühling und im Herbst. Durch die Moor- und Sumpfgebiete ist es recht mystisch und manchmal gespenstisch. Zu guter Letzt lohnt immer ein Besuch der KZ-Gedenkstätte.

Schloss_1a_10

Mir persönlich gefällt die Stadt sehr. Sie ist malerisch, verträumt, urig bayrisch, romantisch an der Amper, die durch Dachau fließt (am Abend besonders schön), und traditionsbehaftet (wer sagt, dass Tradition immer altbacken und langweilig sein muss?). Man stelle sich das gallische Dorf aus Asterix vor. Um das Dorf herum herrscht wildes Treiben und Zank, der Dachauer aber sitzt im Dorf und denkt sich „ja mei, was deans wieda“!

 

(574)