12.12.15 – Kiss the Anus of a black Cat, Feierwerk Orangehouse, München

Ein Konzert, so dunkel wie der Hintern einer schwarzen Katze

DSC_0696Kiss the Anus of a black Cat – seltsamer Name, großartige Band, so viel sei schon mal vorweggeschickt. Ursprünglich ein Soloprojekt des Belgiers Stef Heeren mit festen Live-Musikern, hat sich die Gruppe mit dem aktuellen Album To live vicariously offiziell zu einer vierköpfigen Band formiert. Auch der Stil – der sich seit den Psychedelic-Neofolk-Anfängen mit den letzten Alben in Richtung düsteren Wave-Indiefolk gewandelt hatte – hat eine Frischzellenkur verpasst bekommen, die neuen Songs klingen sehr viel elektronischer, teilweise auch punkiger; da pluckern und fiepen die Synthies neben harschen Gitarrenausbrüchen, doch zusammengehalten wird alles natürlich von der ein wenig an David Eugene Edwards erinnernden Stimme von Stef Heeren und den wunderbaren Melodien. Nach ihrem großartigen Auftritt auf dem WGT 2014 freue ich mich nun sehr, die Band im Münchner Feierwerk zu sehen.

Da das Konzert im Rahmen der Sacred-Bones-Party von DJ Frankit stattfindet, beginnt es erst um elf Uhr abends – dafür spart man sich das lange Rumstehen bei Vorbands und kann gleich in den Konzertgenuss einsteigen. Musikalisch ist das Ganze auch wie erwartet vom ersten Ton an spannend und richtig fein – „Lying“, „To live vicariously“ und „Semantics“ vom aktuellen Album ziehen einen in den Bann, selbst wenn man mit dem Material noch nicht eingehend vertraut ist, doch trübt im wahrsten Sinn des Wortes das mangelnde Licht die Konzertfreude. Selbst direkt vom Bühnenrand aus sieht man die vier Musiker kaum – und da stehen sie grade mal einen Meter von einem entfernt. Stef Heeren fordert nach den ersten Liedern selbst auch energisch Licht ein, „to see where I put my fingers on the guitar“. Danach wird es minimal besser, man sieht den Sänger und Bandkopf zumindest.
Aber es soll ja auch vorrangig um die Musik gehen. „Ruins“ vom Album Weltuntergangsstimmung führt ein wenig in die Vergangenheit und ist vielen Konzertbesuchern (das Orangehouse ist recht zufriedenstellend gefüllt, zwischen Bühne und DJ-Pult stehen die Leute dicht an dicht) bekannt. Hier erinnert mich die Band sehr an 16 Horsepower/Woven Hand – und die beiden gehören zu meinen Lieblingsgruppen. Ich schwelge also dementsprechend, bis mit „Drone for Conan“ ein schon älterer, aber erst jetzt auf dem aktuellen Album erschienener Song folgt, der schon ein wenig in die neue stilistische Ausrichtung der Band deutet und von seinem mächtigen Refrain lebt. „Evening of Light“ ist ebenfalls neues Material, ruhig, eindringlich, hypnotisch und absolut mitreißend, vielleicht der beste Song von To live vicariously. „Shake off your Dreams“ macht wieder einen Schlenker zu Weltuntergangsstimmung, bevor mit „Be the Death of me“ und „Walls and Ways to hide“ noch einmal Aktuelles zelebriert wird.
DSC_0638Als Zugabe gibt es für alle, die sich auf ein wenig mehr älteres Material gefreut hatten, noch eine phänomenale Version von „Cornflowers for our Brothers“ vom 2007er Album An Interlude to the Outermost. Leider ist dann nach gerade mal einer Stunde Spielzeit schon Schluss – zwei, drei Lieder mehr wären hier wirklich schön gewesen, man hatte sich doch gerade erst richtig eingegroovt.

Nichtsdestotrotz ein sehr, sehr schönes, intensives Konzert einer Band, die einen wirklich eigenen musikalischen Stil hat – das können nicht viele von sich behaupten.
Danach gibt es noch was auf die Ohren und die Füße von DJ Frankit; wer seine Sacred-Bones-Party noch nicht kennt, sollte unbedingt mal vorbeischauen. Geboten wird eine feine Mischung aus Wave, Batcave, Postpunk und allem, was irgendwie dazugehört. Viele musikalische Neuentdeckungen und wundgetanzte Füße sind garantiert.

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Setlist:
1. Lying
2. To live vicariously
3. Semantics
4. Ruins
5. Drone for Conan
6. Evening of Light
7. Shake off your Dreams
8. Be the Death of me
9. Walls and Ways to hide

10. Cornflowers for our Brothers MK II

 

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