Film: Imaginaerum

Musiker, bleibt bei der Musik

Quelle: www.imaginaerum.com

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Tom, ein alter, dementer Komponist, wird ins Krankenhaus eingeliefert. Es ist offensichtlich, dass seine Tage gezählt sind, deswegen reist seine Tochter Gem an. Die beiden sind sich nach dem frühen Tod ihrer Mutter allerdings fremd geworden, und es ist vieles vorgefallen, was die junge Frau ihrem Vater einfach nicht verzeihen kann. Noch dazu ist auch Ann anwesend, die Sängerin von Toms ehemaliger Band, der Gem die Schuld am tragischen Unfall ihrer geliebten Mutter gibt. Die versucht, trotz der feindseligen Stimmung, Gem die Welt ihres Vaters näherzubringen. Tom selbst kämpft währenddessen im Koma mit den Erlebnissen seiner Vergangenheit und sucht die Erinnerung an seine Tochter, die die Demenz ihm genommen hat.

Lange mussten die Fans von Nightwish auf den versprochenen Film zum Album warten, und immer wieder gab es Verzögerungen. Nach einem viel zu frühen Hype kühlte die Vorfreude merklich ab, und schließlich kam Imaginaerum im März fast unbemerkt in eine Handvoll deutscher Kinos.
Wir begleiten Tom auf einer gruseligen, fantastischen Reise durch sein eigenes Ich, in dem die Grenzen zwischen Realität und Traum kaum zu erkennen sind. Dieses Setting an sich klingt schon sehr burtonesque, auch optisch werden diese Parallelen sehr deutlich. Einige Szenen sind echte Eyecatcher und wirklich toll gemacht. Leider spürt man bei der visuellen Umsetzung aber an vielen Stellen den Budgetmangel, insbesondere die wüstenartigen Traumlandschaften wirken oft sehr wenig detailliert und beinahe „reinkopiert“.
Auch inhaltlich erkennt man den Einfluss von Tim Burton deutlich, doch ganz so extrem hätte es nun wirklich nicht sein müssen, denn irgendwie erinnert die Geschichte bis auf wenige Details schwer an Big Fish. Außerdem wird leider weniger mit subtiler Dramatik gearbeitet, sondern stets mit der Holzhammermethode. Schicksalsschläge reihen sich wie Perlen auf einer Kette, natürlich geschieht immer alles zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt und überhaupt fragt man sich, ob so viel Drama denn wirklich nötig gewesen ist. Und über die zusammengeschusterten Dialoge soll hier besser kein Wort verloren werden.
Die Musik nimmt natürlich eine zentrale Rolle ein, basiert der ganze Film doch auf dem letzten Studioalbum von Nightwish. Dies ist auch im Film die Band von Tom, und natürlich haben auch die Bandkollegen ihre Auftritte. Zwei Songs bekommt man fast ganz zu hören, viele andere laufen umarrangiert als Soundtrack mit. Leider ist die Musik generell nicht optimal abgemischt, insbesondere wenn nebenbei Dialoge stattfinden. Da empfiehlt es sich, den Film über eine Soundanlage mit Equalizer anzusehen, denn auf einem normalen Fernseher ist die geniale Musik im Hintergrund leider nur ein Geräuschsumpf.
Imaginaerum ist ein polarisierender Film: was gut ist, ist extrem gut. Was mies ist, ist extrem mies – dazwischen gibt es kaum etwas. Man spürt deutlich, dass Regisseur Stobe Harju eigentlich Musikvideos macht und von filmischer Dramaturgie wenig versteht. Der ganze Film wirkt im Grunde wie ein langes Musikvideo, das ist zwar optisch schick, aber Handlung und Dialoge sind einfach zu gestelzt und unorganisch, um ernst genommen zu werden.
Alles in allem kein übler Film, gerade als Fan der Band kann man ihn schon gut anschauen, aber ein Juwel der Kinokunst ist er nun wirklich nicht. Zusammengefasst kann man sagen: Schuster, bleib bei deinen Leisten, bzw. Nightwish, bleibt‘s bei der Musik.

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Imaginaerum
Produktionsland: Finnland, Kanada
Erscheinungsjahr: 2012
Länge: 82 Minuten
Regie: Stobe Harju
Besetzung:
Quinn Lord: Tom Whitman – 10 Jahre
Tuomas Holopainen: Tom Whitman – 47 Jahre
Francis X. McCarthy: Tom Whitman – 70 Jahre
Marianne Farley: Gem Whitman
Anette Olzon: Ann
Joanna Noyes: Ann – 73 Jahre
u.v.m.

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