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Lesung: Su Turhan im Wirtshaus im Schlachthof (München), 23.09.2015

Atemlos durch die Nacht mit Super Su!

 

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Der Wiesn-Anstich ist ja schon ein paar Tage her, aber heute ist sozusagen Anstich oder Anlesen des neuesten Romans von Su Turhan mit dem gleichen Namen.

Das Wirtshaus im Schlachthof ist immer eine schöne Location, und heute passt sie ganz besonders, weil man auch auf dem Weg hin und zurück ein bisschen Wiesn-Kolorit mitbekommt: An der U-Bahn-Haltestelle Poccistraße kann man, wenn man in die Stielerstraße hineinsieht, direkt aufs Riesenrad schauen.

Jeder der Gäste, die heute im Schlachthof ihr Bier oder ihr Weinchen trinken, kennt Su Turhan, das merkt man. So wird er auch nicht extra vorgestellt, sondern der Abend beginnt einfach um 20.00 Uhr, als die Musiker von Duetto, Theo Degler am Akkordeon, Bernhard Seidel am Kontrabass und Robert Landy Landinger, als Unterstützung, an der E-Gitarre auf der Bühne eine schräge Version von „Ein Prosit, ein Prosit …“ anspielen und sich Su, mit einer Halben in der Hand, dazugesellt.

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„Geht es dem Münchner gut, besucht er das Oktoberfest. Geht es ihm schlecht, geht er erst recht hin.“ So beginnt das Buch, und so fängt Su auch mit seiner Lesung an. Die Wiesn ist diesmal im Zentrum des Geschehens, nachdem es im ersten Krimi um Döner, im zweiten um Bier und im dritten um Bauchtanz ging.

Kurz zur Handlung: Die Wiesn ist vorbei, und bei den Abbau- und Aufräumarbeiten findet man drei Leichen in einem Müllhaufen, von Schweinen angefressen. Zeki Demirbilek, Chef der Abteilung Migra für Fälle mit Migrationshintergrund, muss das romantisches Wochenende mit seiner Derya abbrechen.
Wie es weitergeht, müsst ihr dann natürlich selbst lesen, zu viel soll hier nicht verraten werden.

Eigentlich ist es nämlich fast egal, was Su vorliest, es ist immer spannend, lustig und unterhaltend. Er steht an seinem Pult und liest mit vollem Körpereinsatz, fast als würde er dirigieren. Man erfährt wie immer allerlei Persönliches, es wird gegrüßt und gelacht, sich bedankt, und es wird gefrotzelt – „Bühnenmobbing“ -, weil Theo Dengler bei einem Paukenschlag (angeblich) etwas schludert. Es wird gelobt: „Wenn du ned so schee gspuit hättst, hätt i aa ned so schee glesn!“ Ohnehin sind die Musiker mit im Mittelpunkt, sie spielen hervorragend. Wenn es tragisch wird, gibt’s die „Schicksalsmelodie“, wenn es zünftig wird „In München steht ein Hofbräuhaus“, oder gar, für die Wiesnzeltstimmung, „Atemlos durch die Nacht“. Ja, diese Version gefällt mir auch! Die Musiker agieren mit, da wird gegrunzt wie eine Sau, es gehört zur Handlung, sie lächeln unentwegt, und man merkt, dass sie sich alle freundschaftlich verbunden sind. Als kurz vor Ende noch eine Panne mit dem Mikro eintritt, meint Su: „Spuits hoid a bisserl auf, des is hoid live!“. Das Publikum ist amüsiert, lacht viel und wird vom Autor gelobt, weil es „seinen subtilen Humor bemerkt“.

Gegen Ende der Veranstaltung richtet Sabine Thomas, die Organisatorin des Krimifestivals München, ein paar persönliche Worte an Su Turhan, und dieser verrät uns noch, dass die ARD den ersten Teil seiner Kommissar-Pascha-Reihe derzeit verfilmt, mit Tim Seyfi als Zeki Demirbilek in der Hauptrolle und ihm selbst in einer Nebenrolle.

Eine hübsche junge Dame im Dirndl vom Verlag hat am Schluss noch eine nette Überraschung für den Autor: Er bekommt ein extra auf der Wiesn für ihn angefertigtes Lebkuchenherz überreicht, mit der Aufschrift „Su Perstar“. Eine schöne Geste. Die Herzen der Leser im Saal hat er ja schon.

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Dieser höchst vergnügliche Buchpremieren-Abend war die Auftaktveranstaltung zum diesjährigen Münchner-Krimiherbst.

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http://www.krimifestival-muenchen.de/
http://www.im-schlachthof.de/
http://www.droemer-knaur.de/buch/7928156/anstich

Fotos: Michael Teuber

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