Sonstiges: Ausstellung „M … aus der Sicht der PerspekTIEFE“ im Valentin Karlstadt Musäum

Aus der Sicht eines Turnschuhs – Fotoausstellung von Herbert Becke

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Ich habe euch das witzige Musäum am Isartor schon mal vorgestellt: Valentin Karlstadt Musäum. Heute hat mich diese kleine Ausstellung im 1. Stock zu einem Besuch animiert. Herbert Becke hat sich mit seinen Bildern darüber hinweggesetzt, dass die meisten Fotos aus einer natürlichen Sichtweise (stehend, ca. 1,70 Meter über dem Erdboden) entstehen und zeigt die Sichtweise von Kleinkindern, einer Maus, eines Turnschuhs, von Etwas auf dem Untergrund, sozusagen aus dem „Boden der Realität“.

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Hierbei sieht man plötzlich Dinge, die man aus der Erwachsenenperspektive nicht wahrnehmen würde. Diese Bilder sind interessant, witzig und zum Teil eindrucksvoll, sie regen zum Nachdenken an.

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Unbedingt sollte man noch die zwei kurzen Filme in den an der Wand montierten Videoplayern ansehen. Hier wird Becke näher vorgestellt: Geboren ist er 1950, seine Kindheit hat er am Harthof verbracht, von hier aus fuhr er mit neun Jahren nach Schwabing ins Gymnasium, und der dortige Lehrer meinte sogleich: „Drei Buben aus dem Harthof! Ihr werdet sehen, in geraumer Zeit ist keiner mehr von euch hier!“ Und so war es auch, alle drei sind wieder zurück auf die Grundschule am Harthof.

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Mit 13 Jahren kam er zu einer Laienspielgruppe, und sie haben sich Karl Valentin verschrieben, eine Leidenschaft, die ihn nie wieder loslassen sollte. Er machte dann zwar in der Maximilianstraße eine Ausbildung zum „Bänker“, aber das Schönste daran war, dass er fast jede Mittagspause im Turmstüberl des Valentin Musäums verbringen konnte, wo er eine warme Mahlzeit umsonst bekam. Herbert Becke hat dann ziemlich Karriere gemacht, aber im sympathischen Sinn: Er hat sich sukzessive zu „dem Mann der Volkshochschule im Münchner Norden“ hochgearbeitet und hat die Volkshochschule Landkreis-München-Nord 33 Jahre lang als Leiter begleitet, beginnend mit ein paar Seminaren pro Semester bis hin zu Hunderten von Kursen pro Quartal am Ende seiner Verantwortlichkeit. Er hat sie zu der zweitgrößten Erwachsenenbildungseinrichtung in Oberbayern etabliert. Von 1976 bis 2008 baute Becke die Kleinkunstreihe Kulturdonnerstage im Garchinger Bürgerhaus auf. Wie man aus dem Film sieht, waren diese Donnerstage immer ein Highlight in der Region.
Zwar spät aber dennoch hat er eine große Bestätigung und Befriedigung erfahren, als er die Verdienstmedaille der Universitätsstadt Garching überreicht bekommen hat. Diese Medaille und auch das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland zu erhalten war für ihn ein großer persönlicher Triumph. Für ihn, den Sohn der ledigen, alleinerziehenden Mutter, und noch dazu evangelisch in Bayern, den Jungen aus dem Harthof, der es nicht ins Gymnasium nach Schwabing schaffen sollte, wenn es nach seinem Lehrer gegangen wäre.
Herbert Becke sieht man im Video vor seinem Harthofer Wohnblock aus den 60ern stehen, er ist ergriffen – und ich auch.

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Nun, da er im „Unruhestand“ ist und mehr Zeit hat, kann er sich seinem Fotografieren widmen, und da sind nach ein paar Jahren intensiven Hinschauens und sich Widmens diese witzigen, originellen und warmherzigen Fotos entstanden.
Die Ausstellung läuft noch bis zum 28.4. und ist wirklich sehenswert für Hobbyfotografen wie auch für Fans von außergewöhnlichen München-Ansichten.

Sonderausstellung im Musäum
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(Bei der Qualität der Bilder bitte beachten, dass sie von mir in der Ausstellung abfotografiert wurden – also Qualitätsverlust.)

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