Unterwegs: Münchner Gschichten: Skurrile Klohäuschen

Wenn Bedürfnisanstalten plötzlich ganz andere Bedürfnisse befriedigen

zur gruam

„W und C – diese beiden Buchstaben sind in Bayern omnipräsent. Ob am Bahnhof, in Lokalen oder an der Tankstelle. Als ich „WC“ zum ersten Mal an einer Tür gelesen habe, dachte ich an das Wort Welcome. Es dauerte aber nicht lange, ehe ich begriff, wofür „WC“ eigentlich steht.“ Diese Zeilen schrieb Olaleye Akintola in einer Kolumne* in der SZ. Bis zu seiner Flucht 2014 schrieb er in Nigeria für eine überregionale Tageszeitung. Akintola kennt also den Unterschied von nigerianischen und deutschen Toiletten. So richtig einladend sind aber auch deutsche öffentliche Toiletten nicht. Es sei denn, diese:

Das KloHäuschen

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Dieses Klohäuschen war ein Männerpissoir. Es hatte sogar den zweifelhaften Ruf einer Schwulenklappe. Es steht in unmittelbarer Nähe zur Großmarkthalle. Ich kann mir leider schaudernd vorstellen, was das Klohäuschen damals mitgemacht hat. Dann stand es leer, zugesperrt, denkmalgeschützt! Eine junge Frau namens Anja Uhlig hat es von einem nahegelegenen Italiener aus oft betrachtet und sich irgendwie in es verliebt. Sie wollte aus den acht Quadratmetern mit den liebenswerten vanillefarbenen Kacheln einen Kunstraum oder ein Atelier machen. Einige Zeit lang musste sie bei den Verantwortlichen des Großmarkts diesbezüglich vorsprechen, bis es ihr Klohäuschen wurde. Seitdem geht es dem Klohäuschen gut. Es wurde geputzt und geschrubbt von Anja Uhlig, es beherbergte schon etliche Kunst und Künstler, und heuer wurden das Klohäuschen und Anja Uhlig sogar mit dem Tassilo geehrt, dem SZ-Preis für Kultur.

http://www.das-klohaeuschen.de/proj/0000/de/ueber.html

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/tassilo-kulturpreis-der-sz-wachgeputzt-1.3880335

 

Das Fräulein Grüneis

 

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Seit 2011 führen Sandra und Henning Dürr das Fräulein Grüneis im Englischen Garten. Seine Nähe zur Eisbachwelle ist reizvoll. Die viele Arbeit, die das junge Paar vor der Eröffnung hatten, hat sich rentiert. Der Kiosk ist ein Kleinod, einer der reizendsten, kleinen, denkmalgeschützten Läden im Grünen und doch mitten in der City.

https://www.tz.de/muenchen/gastronomie/fuenf-jahre-kiosk-fraeulein-grueneis-gruen-weisses-kleinod-englischen-garten-muenchen-6595710.html

Das Café Crönlein

cafe crönlein
Florian Falterer, auch Betreiber des RiffRaff in Obergiesing und sein Freund Timothy Hanghofer haben fünf Jahre harte Arbeit hinter sich, ehe nun aus dem Klohäuschen am Kronepark (unmittelbare Nähe Nockherberg) das Café Crönlein wurde. Der Innenraum ist nicht groß, aber hübsch, und es gibt sogar eine Terrasse. Ganz was anderes mal!

https://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.am-nockherberg-klos-werden-zum-caf-croenlein-fuer-den-kronepark.83162933-6075-47d0-87e3-0bc4441923a7.html

Zur Gruam

Das von außen für mich schönste Toilettenhäuschen ist gar keins! Es hatte mich eines Tages, ich wohnte noch nicht lange in München, an der Nase herumgeführt! Ich hatte mich beim Spazierengehen verfranst und musste dringend auf die Toilette. Ich meine, was gibt es da schöneres, als so ein verstecktes, kleines Ding mitten im Schlachthofviertel, das mich als Bayerin auch noch in schönstem Bairisch als „Gruam“ aufmerksam macht? Sehr enttäuscht musste ich sehen, dass es sich nur um eine düstere Spelunke handelt. Sie hat eine lange Geschichte und mittlerweile Kultstatus.

https://www.facebook.com/Zur-Gruam-252506288115175/

* http://www.sueddeutsche.de/thema/Neue_Heimat

 

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