Christmas Viking Ship

 Nachdem naela uns ja bereits ganz am Anfang dieses Kalenders mit skandinavischen Weihnachtsbräuchen beglückt hat, geht es nun wesentlich blutiger zur Sache:

Weihnachten bei den Wikingern – eine blutige Angelegenheit?

Weihnachten ist in Deutschland ein Fest der Besinnlichkeit, des Friedens und der Geschenke. Das war allerdings nicht immer und überall so.
In Schweden heißt Weihnachten heute noch „Jul“, nach dem Julfest der Wikinger. Dieses Fest fand vermutlich Ende Dezember statt, wobei sich die Wikinger nach einem Mondkalender richteten und das genaue Datum sich somit von Jahr zu Jahr ändern konnte. Die Wikinger selbst haben keine schriftlichen Zeugnisse hinterlassen, aber in verschiedenen anderen Quellen ist das Fest beschrieben. Darüber hinaus wird ein Mittwinter-Opfer beschrieben. Es ist allerdings umstritten, ob das mit dem Julfest identisch war.
Was genau passierte nun an Jul oder zum Mittwinter-Opfer?

Nun, da gibt es reichlich Schilderungen, die von interessant bis hin zum absoluten Horror reichen. Christliche Schreiber ergehen sich in schockierenden Aufzählungen, was die Wikinger da so alles geopfert haben, um die Götter zu besänftigen und einen baldigen Frühling zu erbitten. Met, Speisen, Tiere – und ab und an auch Menschen. Nach dem Opfer wurden die Speisen und der Met sowie die geschlachteten Tiere in einem großen Festmahl verzehrt.
Menschenopfer an Jul – echt jetzt? Die Menschenopfer werden in verschiedenen Quellen beschrieben, besonders eindrucksvoll ist die Schilderung von Adam von Bremen: Bei einem alle neun Jahre stattfindenden Blót, vermutlich zum Julfest, wurden neun männliche Exemplare aller Arten geopfert und eben auch neun Männer. Laut Adam von Bremen wurden sie, als Hommage an Odin, in einem Hain am Tempel von Uppsala aufgehängt. Eine bildliche Darstellung davon findet sich auf Teppichen aus Oseberg. Weitere Chronisten berichten von ebenso blutigen Opfern, wobei immer wieder die Zahl Neun und das Aufhängen wichtige Elemente sind.

Man muss allerdings bedenken, dass diese Schreiber Christen waren und natürlich mit ihren Berichten die heidnische Religion der Wikinger diskreditieren wollten. Es ist also vorstellbar, dass es an Jul nicht ganz so blutig zuging. Andererseits deuten archäologische Funde von den Überresten rituell getöteter Menschen und Darstellungen auf Wandteppichen schon darauf hin, dass Menschenopfer stattfanden – nur eben nicht zwangsweise an Jul.

Bei der Christianisierung gingen die skandinavischen Könige sehr behutsam vor, um keine Empfindlichkeiten ihrer Untertanen zu verletzen: Erst wurden Jul und Weihnachten zusammengelegt, Jahre später wurden dann Opfer an Jul verboten und stattdessen Weihnachtsfeste angeordnet. Der Übergang von blutigen Opferritualen zu etwas mehr Besinnlichkeit verlief für die Nachfahren der Wikinger also fließend.

Vermutlich wird man nie abschließend beweisen oder widerlegen können, wie blutig das Julfest nun wirklich war. Ein gewisser wahrer Kern muss der Legende allerdings zu Grunde liegen. In Schweden hat also „God Jul“ seit der Christianisierung eine wesentlich besinnlichere Bedeutung bekommen.

P.S.: Das wunderschöne Titelbild oben stammt von dem Fotografen Jacob Surland. Wer mehr über ihn und seine Bilder wissen möchte, sollte sich seine Homepage ansehen! 

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