Buch: Justin Cronin – Die Spiegelstadt

„Erzähl mir die Geschichte, Amy“

Die Spiegelstadt von Justin Cronin

Ein Buch das sicherlich viele Leser 2016 sehnsüchtig erwartet haben ist der finale Teil der Passage Trilogie von Justin Cronin. Seit 31.10.2016 ist das gute Stück bereits im Handel und begeisterte schon zahlreiche Leser.

Die Grundidee für die Trilogie hat der Autor seiner damals noch kleinen Tochter zu verdanken, die ihn bat, doch mal ein Buch zu schreiben, in dem ein Mädchen die Welt rettet. Ganze zehn Jahre später ist die Trilogie um Amy Harper Bellafonte, dem Mädchen von Nirgendwo, nun vollendet. Auch wenn seine Tochter inzwischen kein kleines Mädchen mehr ist, ist sie sicher stolz auf die Werke ihres sympathischen Vaters. Justin Cronin lässt uns in den Büchern der Trilogie an Amys Schicksal teilhaben und nimmt uns mit in eine vielschichtige apokalyptische Welt. Die Leser leiden, bangen und hoffen mit den Protagonisten, wobei jeder einzelne Charakter uns detailliert vertraut erscheint, und das obwohl der Autor diese in seinen Büchern eigentlich nie direkt optisch beschreibt. Es ist seine ganz besondere Art zu schreiben, die es vermag den Leser zu fesseln und faszinieren. Nun aber zum neuen und (leider) finalen Band.

„Und so begab es sich, dass die Zwölf vom Antlitz der Erde getilgt wurden, und alle Menschen waren frei.“

Die Spiegelstadt beginnt mit Auszügen aus den Schriften der Ersten Chronisten, die im Jahre 1003 n.V. auf der dritten Internationalen Tagung zur Nordamerikanischen Quarantäne-Periode vorgelegt wurden. Diese kurzen folgenden Kapitel, die in Art und Ausdruck den Psalmen in der Bibel ein wenig ähneln, beschreiben, was in den Jahren davor geschah, sodass der Leser wieder leichter in die Story findet. Dieser äußerst hilfreiche Rückblick ist sehr gelungen und frischt die Story aus den vorangegangen Büchern wieder etwas auf.

Die Handlung im aktuellen Buch beginnt im Jahr 98 n.V. Wir werden Teil einer erstmals wieder friedlichen Welt und erleben wie es unseren Protagonisten ergangen ist und wie sich alles verändert hat. Seit Jahren wurde kein Viral mehr gesichtet und die überlebenden Menschen finden zu Normalität und Alltag zurück, bald schon werden die ersten die Sicherheit ihrer Siedlung verlassen und in den Weiten des verlassenen Kontinentes nach Land suchen, um sich in Freiheit dort niederzulassen. Nach und nach treffen wir auf bekannte Charaktere, lernen dabei aber auch neue kennen und erfahren im Verlauf der Geschichte vor allem sehr viel über Zero, dem Ersten, Vater der Zwölf, und wie alles begann und welche Schicksalsentscheidungen die Geschichte zu der gemacht haben, die sie am Ende wurde. Der abschließende dritte Band enthüllt dem Leser dadurch den Anfang und Ursprung, aber auch das Ende der tausendjährigen Geschichte von Amy Harper Belafonte, dem Mädchen von Nirgendwo. Der wieder einmal herausragende Schreibstil von Justin Cronin fügt selbst eigentlich monotone Passagen flüssig in die Erzählung ein. Die Kapitel werden abwechselnd aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Es gibt, wie schon im ersten Band Der Untergang, wieder große Zeitsprünge, was dafür sorgt, dass die Spannung aufrechterhalten wird. Die clever eingebauten Cliffhanger am Ende eines jeden Kapitels machen es dem Leser äußerst schwer, das Buch zwischendurch auch mal wegzulegen.

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Quelle: Goldmann Verlag

Der charmante Autor, der sich auf seinen Lesungen auch sehr publikumsnah zeigt, ist bekennender WalkingDead-Fan und hat es sich während seiner Leserreise durch Deutschland nicht nehmen lassen, „sein“ Covermädchen auch einmal persönlich zu treffen.

Von mir gibt es für Die Spiegelstadt eine klare Leseempfehlung. Jedoch sollte der dritte Band nicht als Einzelwerk gelesen werden, die komplexen Handlungsstränge in der Geschichte würden nur zu viele offene Fragen aufwerfen und der Leser wahrscheinlich nicht den Genuss haben, den die gesamte Trilogie ihm offenbaren kann. Wer bislang den Büchern widerstehen konnte, dem empfehle ich mit Band 1 Der Übergang zu beginnen und die gesamte Trilogie zusammenhängend zu lesen. Und lasst euch nicht von der Stärke der Bücher abhalten, denn jede einzelne Seite ist es wert gelesen zu werden!

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Justin Cronin: Die Spiegelstadt (Band 3 der Passage-Trilogie)
Goldmann Verl., 31.10.2016
992 Seiten, € 24,90

Lesung mit Justin Cronin: schwarzesbayern.info/lesung-justin-cronin-die-spiegelstadt/
Deutsche Homepage von Justin Cronin: justin-cronin.de/index.html
Rezension zu Band zwei „Die Zwölf“: schwarzesbayern.info/rezension-justin-cronin-die-zwolf/

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