Buch: Simon Beckett, Friedrich Ani u.a. – Tatort Tannenbaum

Kommissare feiern Weihnachten

978-3-499-24366-0Draußen ist es schon teilweise klirrend kalt, der Weihnachtsmann packt fleißig Pakete fürs Fest, und die Fenster sind weihnachtlich geschmückt und beleuchtet. In all dem Trubel und Konsumrausch, den die Vorweihnachtszeit leider dennoch mit sich bringt, ist es Zeit sich ein wenig zurückzulehnen und bei Glühwein, dem Knistern des Ofens und gemütlicher Beleuchtung ein gutes Buch zu lesen. Zwischen all den Jahresendterminen, die uns drangsalieren, ist leider oft nur wenig Zeit dafür, sodass eine kleine Kurzgeschichtensammlung eigentlich gerade recht kommt. Deshalb habe ich für euch eine kleine weihnachtliche Anthologie herausgesucht, in der bekannte Krimiautoren Einblick geben, wie ihre Kommissare und Ermittler Weihnachten verbringen, nebst der ein oder anderen Leiche im Gepäck.

 

Zum Auftakt lässt Simon Beckett seinen forensischen Anthropologen David Hunter ermitteln und rettet einen armen Flaschensammler damit womöglich vor dem Gefängnis. Nebenbei bekommen wir auch einen Einblick in das Gefühlsleben des charismatischen Protagonisten und hoffen mit ihm auf ein Happy End. Ein solches wird Friedrich Anis Privatdetektiv Tabor Süden seinem Auftraggeber in „Das Stüberl-Wunder“ wohl nicht bescheren können.

In der fast schon weihnachtlich kitschigen Story von Andreas Winkelmann ist Kommissarin Manuela Sperling in Sondermission mit dem Weihnachtsmann unterwegs, und zum Schluß erwartet sie eine besondere Erkenntnis nebst „Weihnachtspantoffeln“. Der passionierte Hobbykoch und Ermittler Erik Winter, aus der Feder von Åke Edwardson, wird in „Weihnachtsmann ohne Weihnachtsgeschenk“ mit einer mörderisch, kaltblütigen Drohung konfrontiert, die das Leben dreier Menschen und am Ende das seiner Familie gefährdet. Zwischen Schinken, Fleischbällchen und Hering heißt es keine Zeit zu verlieren, denn die Uhr tickt laut und blutig.
Der Ermittler Bank ist in „Blue Christmas“ von Peter Robinson dabei, seinen Weihnachtsabend, den er allein verbringen wird, intensiv zu planen und mit cineastischen und musikalischen Delikatessen zu füllen – bis alles ganz anders kommt und eine vermisste Frau seine Aufmerksamkeit beansprucht, die am Ende sein Weihnachten retten wird.

Ein wenig mystisch wird es in der Geschichte von Elly Griffiths, „Ruths erster Weihnachtsbaum“, in der die Protagonistin Ruth einem von der Göttin des Waldes geküssten Weihnachtsbaum nachtrauert, mit ihren Gefühlen über ihre gescheiterte Beziehung konfrontiert wird und am Ende ein Leben durch einen magischen Pflock retten wird. In Sachen Weihnachtsbaum beschert Yggdrasil der sympathischen Ruth und ihrer Tochter zum Schluss noch einen schönen Weihnachtsabend. Ob die Familie Dühnfort, in Inge Löhnigs „Der sechste Platz“, noch ein glückliches Ende finden wird bleibt fraglich, denn Familienstreitigkeiten und ein neues Familienmitglied belasten die Stimmung zum Fest doch erheblich.
Eine pistaziengrüne Vespa beschäftigt Karin in der zum Ende hin etwas schrägen Story „Das Geschenk“ von Kate Pepper. Wolfgang Burger lässt seinen Kommissar und alleinerziehende Vater von Teenager-Zwillingen, Alexander Gerlach, in „Feliz Navidad“ während der Vorbereitungen zum Fest von seiner Nachbarin in eine Ermittlung verwickeln, die zwischen den Zeilen leider zwar sehr vorhersehbar, aber dennoch gut geschrieben ist.

In der nächsten Story wird es wieder kulinarisch: Inspektorin Irene Huss erlebt in „Toter Winkel“ von Helene Tursten einen turbulenten Vorweihnachtstag. Den Weihnachtsabend mit Moritz Ehrenspiel dürfen wir in Petra Buschs Kurzgeschichte „Herberts Fest, oder: Alles voller Küken“ genießen. Und am Ende erfahren wir in Michael Hjorths und Hans Rosenfeldts Story „Feste feiern, wie sie fallen“ wie ein albtraumhafter Schicksalsschlag einen Menschen dramatisch verändern kann.

Åke Edwardson liefert auf Seite 88 freundlicherweise gleich noch das Rezept seines Generalsglögg mit, sodass wir uns nun nach all den kulinarischen Anregungen der Autoren mit einem Schluck Besinnlichkeit der Planung des Weihnachtsessens widmen können, für Nicht-Vegetarier sicherlich nebst der ein oder anderen Leiche.

Fazit: Abwechslungsreiche leichte Unterhaltung mit in der Summe guten Storys, der perfekte Zeitvertreib für die Adventszeit und die Weihnachtsfeiertage.

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Simon Beckett, Friedrich Ani u.a.: Tatort Tannenbaum
Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2013
272 Seiten
8,99 €

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