Buch: Zen Cho – Die Magier seiner Majestät

Ein Hauch von Veränderung

Zen Cho_MagierDie Zauberer und Magier Englands haben ein Problem: Dem Land geht die Magie aus. Niemand weiß warum, aber es muss etwas getan werden. Derjenige, dessen Job es ist, etwas zu tun, ist Zacharias Wythe – der königliche Magier, der den Posten von seinem Adoptivvater übernommen hat. Man würde erwarten, dass die Sozietät der Zauberer zum Wohle aller nun ihre Kräfte vereint und sich auf die Suche nach der verschwundenen Magie macht – doch halt! Denn schließlich ist Zacharias schwarz, und den gut betuchten viktorianischen Zauberwirkern schon lange ein Dorn im Auge. Eine gute Gelegenheit also, um an seinem Stuhl zu sägen und ihn durch einen anständigen weißen Edelmann zu ersetzen. Dennoch versucht der pflichtbewusste Zacharias unter Druck und trotz Attentaten auf sein Leben, der schwindenden Magie auf den Grund zu gehen. Dabei stößt er auf die überdurchschnittlich magisch begabte Prunella, deren Fähigkeiten ihn daran zweifeln lassen, ob Frauen wirklich für die Zauberei unbegabt sein sollen, wie überall behauptet wird. Gemeinsam versuchen sie, das Rätsel zu lösen, Zacharias vor weiteren Mordanschlägen zu schützen und nebenbei an ein paar verstaubten Grundsätzen zu rütteln.

Die Mager seiner Majestät kommt ein bisschen wie ein Mix aus Harry Potter, Peter Grant und Die Seltsamen daher. Wir haben Feen, Magie, eine verstaubte magische Gemeinschaft und einen gesellschaftlich gebrandmarkten jungen schwarzen Magier, der sich verzweifelt gegen die Vorurteile und Intrigen einer Gemeinschaft wehrt, zu der er nie gehören wird. Er lebt als vielleicht etwas naiver Visionär in einem magischen Viktorianischen England, das geprägt ist von jahrhundertealten Regeln und Ansichten und versucht verzweifelt, nicht nur seine eigene Position zu retten, sondern auch noch die Welt zum Besseren zu verändern. Das macht Zacharias zu einem sehr sympathischen Charakter, wenn man sich auch manchmal ob seiner Naivität und mangelndem Biss die Haare rauft.

Prunella ist da etwas pragmatischer: Vor allem möchte sie ihre Magie nach Herzenslust nutzen und am besten auch noch einen wohlhabenden Mann heiraten, denn sie weiß, dass sie als halb-indisches Waisenmädchen vollständig von der Gunst eines Mannes abhängig sein wird, Magie hin oder her. Zuerst hat mich ihre Priorität, schnellstens einen Ehemann zu finden, sehr an ihrem Charakter gestört, doch bald wurde mir klar, dass Prunella einfach nur pragmatisch ist und sich mit der Welt, in der sie lebt, seit ihrer Kindheit abgefunden hat. Letztendlich sucht sie nach einer Möglichkeit, am einfachsten ein gutes Leben zu führen. Dass das trotz ihrer enormen Fähigkeiten nur in einer Ehe funktioniert, ist traurige Realität.

Schält man die Verkleidung der magischen Welt mit Feen und Zaubern ab, findet man in Die Magier seiner Majestät eine Geschichte von Gleichberechtigung und Emanzipation, von Diskriminierung und Fremdenhass, die im Licht so mancher Ereignisse des letzten Jahres aktueller denn je erscheint. Prunella und Zacharias lehnen sich gegen eine Gesellschaft auf, die Menschen wie sie kaum toleriert und teilweise offen angreift, und schaffen es, die Welt zu ändern. Obwohl ich von dieser Botschaft viel halte, hinterließ sie bei mir gerade im Moment einen fahlen Beigeschmack, aber dafür kann das Buch nichts.

Die Magier seiner Majestät ist gut geschrieben, kam mir allerdings stellenweise etwas ungeschickt vor, was an der Übersetzung aus dem Englischen liegen mag. Hier und da kam es ein wenig „huschig“ bei mir an, als hätte Cho aus der Geschichte eigentlich deutlich mehr herausholen können. Trotzdem, oder gerade deswegen, ist Die Magier seiner Majestät ein flott gelesenes, unterhaltsames Buch mit einer zauberhaften Welt, viel Witz aber einem ernsthaften Ton im Hintergrund. Ein gelungenes Debüt.

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Zen Cho: Die Magier seiner Majestät
Knaur Verlag, 3.11.2016
448 Seiten
Taschenbuch: € 9,99
eBook: € 9,99

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