Rezension: Jonathan L. Howard – Ein Fall für Johannes Cabal: Totenbeschwörer

Über den Wolken …

Ein Fall fuer Johannes Cabal Totenbeschwoerer von Jonathan L HowardMit dem Gesetz hat Johannes Cabal es nicht so, wenn er seine persönlichen Ziele verfolgt. So ist es auch nicht besonders verwunderlich, dass er eines Tages in der Todeszelle landet. Doch er wäre nicht Cabal, wenn er sich nicht aus dieser misslichen Lage herauswinden könnte – dummerweise macht er sich dabei auch gleich ein paar mächtige Feinde mehr. Und so endet ein harmloser Einbruch in einer Bibliothek schließlich damit, dass er mit falscher Persönlichkeit ein Luftschiff besteigt und vor dem Gesetz fliehen muss – schon wieder. Gerade, als er sich in Sicherheit wiegt, holt ihn dann in Gestalt von Leonie Barrow ein Stück seiner Vergangenheit ein, und obendrein geschehen an Bord nicht nur zwei sehr merkwürdige „Selbstmorde“, sondern auch noch ein Anschlag auf sein eigenes Leben. Das kann Cabal natürlich nicht auf sich sitzen lassen.

Totenbeschwörer setzt eine unbestimmte, aber nicht zu lange Zeit nach Seelenfänger an. Cabal hat seine Seele zurück – und dieser Umstand macht ihm nicht nur Freude – und kann sich nun mit all seiner Energie wieder seinem eigentlichen Ziel widmen: die Menschheit vom Tod zu befreien. Dass er dazu ausgerechnet den Weg der Nekromantie gewählt hat, scheint absurd, doch in Cabals eiskalter Logik durchaus sinnvoll. Über Leichen zu gehen ist ihm jedenfalls nicht fremd. Doch seine Zeit ohne Seele hat ihn etwas zu kopflastig werden lassen, sodass er sich nun mit einem Gefühl wiederfindet, das er vorher nicht kannte: Gewissensbisse.
Das Setting entspricht eher einem Krimiklassiker als einem Fantasy-Roman und ist denkbar einfach: Eine Gruppe verschiedenster Menschen, eingesperrt auf engem Raum auf einer Reise, und plötzlich geschieht ein Mord. Mit diesem einfachen Rezept feierte schon Agatha Christie Erfolge, und auch Jonathan L. Howard versteht damit umzugehen, ohne je flach oder langweilig zu werden. Auch Anspielungen auf den Genreklassiker Sherlock Holmes dürfen da natürlich nicht fehlen, und garniert wird das Ganze mit fetzigen Steampunk-Elementen.
Dank seiner nahezu grenzenlosen Abneigung gegen Menschen im Allgemeinen und seiner mangelnden Sozialkompetenz gerät Cabal, derart eingepfercht mit so vielen Leuten, ein ums andere Mal in Situationen, mit denen er nicht umzugehen weiß. Geradezu hilflos wirkt er, was ihm einige Sympathiepunkte bei mir eingebracht hat. Er wirkt nicht mehr ganz so unnahbar, in manchen Momenten erlebt man ihn sogar geradezu nett.
Noch in Seelenfänger hatte man den Eindruck, dass er ohne Bruder Horst, der als sein Gewissen fungierte, vermutlich wirklich aufgeschmissen wäre. Dieses Gefühl verstärkt sich in Totenbeschwörer. Cabal hat zwar jetzt sein eigenes Gewissen mit seiner Seele zurückbekommen, doch braucht er nun Leonie, die ihm im Umgang mit Menschen unter die Arme greift. Sein kristallklarer Verstand wird getrübt durch die seinem Beruf zu eigene Paranoia, aber man kann deutlich erkennen, warum er über so lange Zeit hinweg so erfolgreich am Leben geblieben ist.
Auch ein winziger Einblick in seine Vergangenheit wird gegeben. Bereits am Ende von Seelenfänger wurden Cabals Motive etwas klarer, nun füttert Howard dem Leser ein weiteres Detail. Diese losen Enden versprechen eine interessante Auflösung im nächsten (oder vielleicht übernächsten?) Teil der Johannes-Cabal-Reihe.
Ein Fall für Johannes Cabal: Totenbeschwörer ist ein schwungvoller Krimi, der zwar eine Weile braucht, um in Gang zu kommen, jedoch selbst am Anfang nie langweilig wird. Jonathan L. Howard versteht es, mit witzigen Kommentaren den Leser zu fesseln, um ihn dann in eine mitreißende Geschichte zu ziehen, sodass man das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen mag. Totenbeschwörer ist keine langweilige Fortsetzung eines erfolgreichen ersten Teils, sondern steht vollkommen für sich, führt aber bestimmte Teile der Geschichte sinnvoll und spannend weiter. Definitiv ein Lesespaß für Fans von klassischen Krimis und witziger Fantasy.

Johannes Cabal erschien als Figur erstmals in zwei Kurzgeschichten, die im H. P. Lovecraft’s Magazine of Horror veröffentlicht wurden. Es folgten die Romane Seelenfänger, Totenbeschwörer und Das Institut für Angst und Schrecken. Ein vierter Teil ist bereits in Arbeit.

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Jonathan L. Howard – Johannes Cabal: Totenbeschwörer
Goldmann, Taschenbuch, 2010
414 Seiten
12,00€

Johannes Cabal: Totenbeschwörer bei Goldmann
Jonathan L. Howard

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