Groove me to Death Punk

DoldreyDoldrey ist eine junge und 2019 gegründete Band aus Singapur, deren Debütalbum Celestial deconstruction kürzlich auf Pulverized Records erschienen ist. Das Artwork stammt von dem indonesischen Künstler MFAXII, doch weitere Infos zu den Musikern liefert der Pressetext leider nicht, ebenso wenig wie das Internet.
Der Name Doldrey bezieht sich auf eine Festung aus dem Fantasy-Manga Berserk, der von dem Japaner Kentarō Miura erschaffen wurde – das hat zugegeben Google mir verraten. Dennoch klingt die Band denkbar wenig fernöstlich, sondern schielt etwas überraschend nach Schweden.

Das Intro „Lentum mortiis“ wartet mit unheimlichen Sounds, industriellen Geräuschen und nach entfernt klingenden Hubschraubern auf, bevor „Blood of the serpent“ den eigentlichen Reigen mit einer musikalischen Mischung aus Crust Punk und Death Metal eröffnet. Death Punk also, und das passt bestens zu meiner allgemein angepissten Stimmung bezüglich der aktuellen politischen Ereignisse weltweit. „Endless torment“, genauso fühlt es sich momentan alles an. Eine schwere Walze überrollt die Hörer*innen zu Beginn, bevor diese an Tempo gewinnt und immer wieder kurz stoppt, um die Richtung zu wechseln. D-Beat und Death Growls bestimmen auch „Seed of desire“, das mit dem leichten Nachhall im Gesang und den Instrumentalparts etwas atmosphärischer wirkt. Jetzt hab ich es, Doldrey klingen wie eine Mischung der jungen Entombed und Disfear.
„Celestial deconstruction“ bewegt sich zum Teil mehr im Mid-Tempo und offenbart auch einige Thrash-Metal-Einflüsse. Sehr cool sind dabei die rhythmischen Sprechgesangspassagen. Gitarrengewitter und dazu passendes Donnergrollen von den Drums bestimmen „Age of extinction“, das wahrlich ein Höllentempo vorlegt und auch geübte Headbanger ordentlich herausfordert hier mitzuhalten. Mit Blast Beats wird „War“ eine*m kurz und knapp direkt vor die Füße gerotzt, bevor der Death-Anteil in „Harmonic divergence“ wieder Richtung Anschlag gedreht wird. Mit dem Sprechgesang in „Marked for death“ dominiert Hardcore der metallischen Sorte à la Hatebreed, was Doldrey auch äußerst gut zu Gesicht steht und auch einer meiner Favoriten der Scheibe ist. Aber auch das folgende „Destructive security command“ besitzt gehörigen Groove und leistet sich darüber hinaus auch kleine instrumentale Ausflüge. Zum Abschluss liefert „Fall of Doldrey“ noch einmal einen mächtigen rhythmischen Nackenschwinger, bei dem wuchtige Riffs und Tempowechsel für Abwechslung sorgen.

Fazit: Das ist schon amtlich, was Doldrey in 31 Minuten auf Celestial deconstruction abreißen. Der mächtige Sound fährt eine*m direkt in die Glieder, man fühlt sich sofort im Hier und Jetzt und kann die Welt da draußen für den Moment vergessen und alles hinter sich lassen. Sicher, insgesamt ist das alles nicht wirklich neu, und auf den Gesamtsound bezogen sind die Songs irgendwie ähnlich, sodass es schwerfällt, einzelne besonders hervorzuheben. Aber es ist alles auf hohem Niveau und mit einem Groove gespielt, der einfach ordentlich Spaß macht. Aus Crust Punk, Death Metal und Hardcore kochen die Jungs aus Singapur ein scharfes Süppchen, das alle Anhänger der Genres einmal kosten sollten. Und Doldrey erinnern mich daran, dass es wieder mal Zeit ist, mehr Nieten in meine Lederjacke reinzuklöppeln.

Anspieltipps: Age of extinction, Marked for death

Doldrey: Celestial deconstruction
Pulverized Records, Vö. 19.08.2022
MP3 9,00 $ erhältlich über Bandcamp
CD 11,50 $ erhältlich über Bandcamp
LP 26,00 $ erhältlich über Pulverized Records

Homepage: https://www.pulverised.net/
https://www.facebook.com/pulverisedrecords

Tracklist:
01 Lentum mortis
02 Blood of the serpent
03 Endless torment
04 Seed of desire
05 Celestial deconstruction
06 Age of extinction
07 War
08 Harmonic divergence
09 Marked for death
10 Destructive security command
11 Fall of Doldrey

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