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Demo: Chain Cult – Demo 2018

Angekettet

coverNach der Entdeckung der wunderbaren griechischen Band Ghostland (Link zur Review) habe ich einen tieferen Blick in den dortigen Untergrund geworfen und bin mit der Band Chain Cult fündig geworden. Das Trio aus Athen ist neu auf der musikalischen Bühne – so neu, dass sich nicht viel über die Band herausfinden lässt. Auch ihre Facebook-Seite bietet abseits von Konzertankündigungen und ein paar Gruppenfotos keine Informationen zu den Musikern hinter Chain Cult. Gut, wenn sonst nichts ablenkt, dann muss die Musik um so mehr für sich sprechen. Und das tut sie. Weiterlesen

Buch: Michael Diamond und Adam Horovitz – Beastie Boys Buch

No sleep til Brooklyn

Beastie_Boys_Seite_01Uff, das ist echt ein Wälzer, der mindestens so viel wiegt wie das überdimensionale VW-Kettengehänge von Michael Diamond seinerzeit. Aber groß und dick wie es ist, hat das Beastie Boys Buch auch viel zu bieten. Es gibt viele Fotos, die oft auch doppelseitig erscheinen und verschiedene sonstige Schnipsel. Mit langen Listen von Lieblingsliedern kann sich der Leser eigene Mixtapes erstellen, und man kann sogar einige Kochrezepte nachkochen. Am Ende vom Beastie Boys Buch findet man ein Register zum Nachschlagen und originellerweise einen Stadtplan von Downtown Manhattan, auf dem alle wichtigen Stationen eingezeichnet sind, von Ausgehspots über Aufnahmestudios bis hin zu den Privatwohnungen. Weiterlesen

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Reisebericht: Punk in Thailand 4/4

Für immer Punk – Part 4/4

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Immortal Bar, Bangkok

Typhoon, den wir in der Mohawk Bar kennengelernt hatten, hat uns sein Kommen schon angekündigt, und so machen wir uns mit dem Taxi auf zur Immortal Bar. Nicht weil wir so dekadent sind, sondern weil das der einfachste und zugleich billigste Weg ist. Dort angekommen sehen wir ihn gerade noch mit zu Spikes gestylten Haaren in den 7Eleven ums Eck reinstolpern, also lauern wir ihm erst auf und holen uns dann auch noch ein Kaltgetränk. Vor der Immortal Bar treffen wir auf seine Freunde von der Band Chaos Of Society. Die Jungs haben schicke bunte Irokesenhaarschnitte, keine Ahnung wie das bei der Luftfeuchtigkeit hier hält. Überhaupt ist gutes Styling wichtig, mit ihren Nietenwesten sehen sie aus, wie man sich gute Punks eben vorstellt. Typhoon trägt sogar eine Lederjacke trotz der Wärme, wir haben nachts noch ca. 28° Celsius. Weiterlesen

Reisebericht: Punk in Thailand (1/4)

Für immer Punk – Part 1/4

Wenn ich auf Reisen bin, werden vorher die Einzelstationen der Reiseroute standardmäßig auf Gothic, Punk, Rockabilly, Psychobilly und Metal abgeklopft. Auf Subkultur im Ausland bin ich immer neugierig. Manchmal hat man dabei Glück und wird fündig, manchmal eben auch nicht. In Chiang Mai entdecke ich die Mohawk Bar, und am letzten Abend ist in Bangkok im Metal-Club Immortal scheinbar eine Hardcore Show. Na bitte!20181102_211148 Weiterlesen

CD: 偏執症者 (Paranoid) – Heavy Mental Fuck-Up!

Krach aus Japan made in Sweden

Paranoid_CoverWenn man die Kanji sieht, die japanischen Schriftzeichen, hält man 偏執症者 (Paranoid) automatisch erst einmal für eine dieser obskuren japanischen Krachbands. Umso überraschter bin ich, dass die Mitglieder aus Frösön am schwedischen Östersund stammen und vorher in Bands wie Mob 47, Brottskod 11 und den legendären Warvictims gespielt haben. Henrik Låsgårdh spielt die Gitarre und Joakim Staaf-Sylsjö den Bass, außerdem teilen sie sich den Gesang. Drummer Emil Bergslid vervollständigt das Trio, das Crust Punk/D-Beat mit metallischem Einfluss spielt und sich außerdem von japanischem Hardcore beinflusst zeigt, was dann auch die Schriftzeichen erklärt. Nach dem Debütalbum Satyagraha erscheint nun das zweite Album Heavy Mental Fuck-Up!. Da im hiesigen Kulturkreis aber nur die wenigsten Kanji lesen können, gibt es die Liedtitel zum Glück in lateinischen Buchstaben. Weiterlesen

LP: HC Baxxter – 2. Album

Hardcore Punk meets Techno

coverIm Gegensatz zur Electronic Body Music, die stets mit textlichen Inhalten kombiniert ist, konnte ich mit der Techno-Bewegung nie etwas anfangen und empfand diese immer als monoton und inhaltsleer, ganz zu schweigen von ihren Anhängern. Selbstverordnete Pseudohappiness dank Pillen sind nicht mein Ding. Um so mehr bin ich von HC Baxxter aus Hannover überrascht (der auch mit SNARG unterwegs ist), dessen Name bereits perfekt zusammenfasst, was einen musikalisch erwartet. Hardcore Punk meets Techno. Kleben wir also wahlweise Rave-Punk oder Technocore auf die Schublade und ziehen diese ganz weit über alle Genregrenzen hinweg auf. Weiterlesen

CD: Moscow Death Brigade – Boltcutter

Straight outta Moscow

MDBMoscow Death Brigade sind ein Phänomen, denn sie haben es geschafft, Hip-Hop, Hardcore/Punk und Thrash Metal derart zu kombinieren, dass auf ihren Shows die Anhänger dieser eher unvereinbaren Musikrichtungen zu einer im Schweiß vereinten Familie zusammenwachsen. Damit haben sie trotz Underground-Status schnell europaweit Fans gewonnen. Auch mich fasziniert die Band, dabei habe ich ansonsten mit Hip-Hop wenig zu tun.
Mit einer linken Einstellung hat man es in Russland derzeit nicht leicht, deswegen verwenden die Sänger stets Sturmhauben, um ihre Identität zu schützen und Übergriffe seitens russischer Neonazis zu verhindern. Gleichzeitig passt das natürlich zur Attitüde und trägt durch das auf diese Weise martialische Auftreten zum Gesamteindruck bei. Zuletzt waren sie im Vorprogramm von den Überfliegern Feine Sahne Fischfilet in Deutschland unterwegs, was den Bekanntheitsgrad deutlich gesteigert haben dürfte. Weiterlesen

Album: ill! – Wenn endlich alles wertlos ist

Zwischen 18 und 120 Sekunden

coverWenn einem Hardcore als zu lasch erscheint und Grindcore zu Metal-lastig ist, um den Alltagsfrust irgendwie abzubauen, dann könnte diese Musikrichtung die Lösung sein, die ich kürzlich entdeckt habe: Fastcore. Dabei ist dieser Stil bereits weltweit in den frühen 1980ern entstanden. Wichtige Vertreter des Genres sind Cryptic Slaughter (USA), Lärm (Belgien), S.O.B. (Japan), Electro Hippies (England), Raw Power (Italien), nur um einige zu nennen. Ich will aber hier keine ollen Kamellen aufwärmen, sondern mit ill! aus Münster eine aktuelle Band vorstellen. Weiterlesen

CD: Siberian Meat Grinder – Metal Bear Stomp

Hail to the Tsar

cover_1502888843921935Vor zwei Jahren beim Free and Easy Festival 2015 im Backstage habe ich die Russen Siberian Meat Grinder zum ersten und leider bisher einzigen Mal gesehen. Es war nicht viel los, weil sie den Abend eröffneten, und obwohl ich die Band überhaupt nicht kannte, haben sie mich direkt umgehauen. Ihre wilde Crossover-Mischung aus Thrash Metal, Hardcore und Hip Hop fegte wie eine Naturgewalt über die Anwesenden hinweg. Klar, dass das erste selbstbenannte Album, das sich aus den bereits vorher veröffentlichten EPs Hail To The Tsar und Vs The World zusammensetzt, bei mir in der Folge rauf und runter lief. Umso mehr freue ich mich nun auf das neue Album Metal Bear Stomp, auf dessen Cover es gleich ein Wiedersehen mit dem Bandmaskottchen Tsar gibt, einem russischen Bären und Herrscher der sibirischen Hölle. Weiterlesen

Buch: Michael Muhammad Knight – Taqwacore

Punk und Islam

taqwacoreTaqwacore ist eine Wortschöpfung aus dem arabischen Taqwa für Gottesehrfurcht und der Punkrichtung Hardcore, und damit ist der Kern der Sache schon beschrieben.
Yusef, ein durchschnittlicher Muslim und amerikanischer Collegestudent mit pakistanischen Wurzeln, lebt in Buffalo in einer Hausgemeinschaft muslimischer Punks. Dementsprechend ist dieses Haus mit allerlei schrägen Typen bevölkert. Da ist der Junkie Amazing Ayyub, der immer sein riesiges „KERBELA“-Tattoo auf der Brust präsentiert. Jehangir Tabari trägt einen 30 cm langen gelb gefärbten Irokesenschnitt und betrinkt sich regelmäßig bis zur Besinnungslosigkeit. Fasiq Abasa hat orangefarbene Stacheln auf dem Kopf und raucht Joints, während er den Koran liest. Der Sudanese Rude Dawudd ist ein glühender Ska-Anhänger, Anzug, Krawatte und Pork-Pie-Hut. Muzammil ist offen homosexuell und stellt sich die Frage, ob er während des Fastenmonats Ramadan beim Blowjob schlucken darf. Weiterlesen