High-octane Rock ’n‘ Roll

LSM_CoverDie Band Lucifer Star Machine stammt ursprünglich aus London und wurde 2002 von Tor Abyss gegründet. Aus dieser Zeit stammen bereits drei Alben. 2012 kehrte Tor in seine alte Heimat Hamburg zurück und stellte in der Folge eine komplett neue Bandbesetzung zusammen. Das aktuelle Line-Up besteht aus Sänger Tor Abyss, den beiden Gitarristen Mickey Necro und Marshall Speed, am Bass Benny Zin und Drummer Jay Impact, die sich für das nun vierte Album Devil’s breath verantwortlich zeigen, das beim schwedischen Label The Sign Records veröffentlicht worden ist. Mit High-octane Rock ’n‘ Roll bezeichnen sie selbst ihren Sound.

„The void“ wird von irgendwelchen Nachrichten-Samples eingeleitet, bevor die Lucifer Star Machine Fahrt aufnimmt, und das nicht zu knapp. Alle Musiker zeigen, was in ihren Instrumenten steckt, und dann brüllt Sänger Tor los, wenn auch etwas gepresst. Diesen Stil wechselt er mit Klargesang ab, musikalisch bewegen wir uns irgendwo zwischen Punkrock und Hardcore. Dass Lucifer Star Machine weitaus virtuoser vorgehen als die gemeine Drei-Akkorde-Punkrock-Combo zeigt sich spätestens beim nächsten Song „Dwell in misery“. Zu Beginn lässt der Gesang einen leichten Misfits-Einfluss hören, musikalisch nutzt die Band aber die volle Bandbreite von Punkrock über Schweinerock bis hin zu 80er Jahre Metal und streut dabei auch eine ruhige Passage ein. Das folgende „Cruel hearts“ ist ähnlich angelegt, und Rock ’n‘ Roll erweitert das Spektrum. „Baby, when you cry“ wirkt nicht nur dem Namen nach wie eine Ballade, viellecht wegen dem mehrstimmigen Background, dabei sind wir noch immer mit hohem Tempo unterwegs. Auch ein kurzes stimmliches Solo wird mit Riffs unterlegt. In „The night is young“ wird ein Wechselbad der Gefühle geboten. Mal möchte man die Haare schütteln zu den heftigen Riffs und gleichzeitig zur Gesangsspur Rock ’n‘ Roll tanzen. In „Eat dust“ kommt der Sprechgesang von Tor schon fast Rap nah, was aber nicht nervt, sondern hier passt wie die Faust auf’s Auge. Das bereichert den Sound von Lucifer Star Machine und sorgt für Abwechslung.
Ein entferntes Koyotenheulen eröffnet „A touch of death“, das in der Folge passend dazu Country-Klänge verarbeitet, ohne den (Punk-) Rock-Kosmos zu verlassen. Nun werde ich von der Coverversion „El Camino Real“ überrascht, im Original von Lee Dresser aus dem Jahr 1969, und seitdem ein Klassiker in der Rockabilly-Szene. Hier wird wieder einmal deutlich, dass die Wurzeln von Lucifer Star Machine breit gestreut sind. Die Band erweist dem Song ihre Ehre und nimmt sich hier etwas zurück, das gibt Tor gleichzeitig mehr Raum für den gefühlvollen Gesang. Gefällt mir richtig gut. „Pretender“ bietet eine weitere Gelegenheit, den hymnenhaften Refrain mitzusingen. Im Anschluss orientiert sich „Evil blood“ wieder näher am Hardcore und am Horrorpunk, und auch „Midnight crawler“ schlägt in eine ähnliche Kerbe. Ein Klavier ist da zwar ein ungewöhnliches Instrument, fügt sich hier aber bestens ein. Mit „Your love remains“ nähern wir uns dem Ende, und es wird etwas romantischer, und gleichzeitig fast schon hymnenhaft, was den Refrain angeht. Zum Abschluss gibt es den Titelsong „Devil’s breath“, eine etwas sperrige Ballade, die vielleicht gerade deshalb am Ende steht. Gleichzeitig passt sie aber perfekt ins Spektrum von Lucifer Star Machine und liefert einen schönen Ausklang.

Fazit: Punkrock-Bands gibt es bekanntlich wie Sand am Meer, und aus der Masse herauszustechen fällt schwer. Lucifer Star Machine liefern daher auf Devil’s breath eine breite Palette ein Einflüssen. High-octane Rock ’n‘ Roll, damit bewegen sie sich zwischen Punk, Rock, Metal und Rock ’n‘ Roll. Wenn man sich eine Mischung aus Gluecifer und Hardcore Superstar vorstellt, kommen wir dem Ganzen schon recht nah, auch lassen sich Einflüsse von Motörhead, Social Distortion und Volbeat hören. Und ja, das ist ganz schön cool. Mit dreizehn Songs ist die Platte fast ein bisschen lang, aber alle Songs bleiben unter vier Minuten und reißen somit nicht die Obergrenze für Leute mit geringer Aufmerksamkeitsspanne. Devil’s breath, der Atem des Teufels – nicht faulig, wie man meinen könnte, sondern richtig erfrischend und ein prima Begleiter nicht nur für lange nächtliche Autofahrten.

Anspieltips: The void; Baby, when you cry; Eat dust; El Camino Real

:mosch: :mosch: :mosch: :mosch: :mosch2:

Lucifer Star Machine: Devil’s breath
The Sign Records, 03.04.2020
MP3 80 SEK, LP 199 SEK, CD 129 SEK erhältlich über Bandcamp

Homepage: https://www.luciferstarmachine.com/
https://www.facebook.com/luciferstarmachine
https://thesignrecords.com/

01 The void
02 Dwell in misery
03 Cruel hearts
04 Baby, when you cry
05 The night is young
06 Eat dust
07 A touch of death
08 El Camino Real
09 Pretender
10 Evil blood
11 Midnight crawler
12 Your love remains
13 Devil’s breath

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