Höchst dramatisch

Ich muss direkt zugeben – obwohl sich einige klassische Komponisten in meiner Playlist tummeln, bin ich kein Fan von Opern. Meist ist mir diese Musik zu dramatisch, die Arien zu hysterisch, und nichts bleibt so recht in meinem Kopf hängen. Aber man soll ja Neuem gegenüber offen sein, und daher habe ich natürlich mit offenen Ohren zugesagt, als mir das neue Album von molllust für eine Review angeboten wurde. Symphonic Opera Metal machen die Damen und Herren aus Leipzig, und ihr zweites Album In Deep Waters liegt seit 25. September in den Regalen. Zeit also, über meinen Schatten zu springen und mich mit diesem Klassik-Metal-Crossover auseinanderzusetzen.

Der Auftakt zum Album – „Ouvertüre Nr. 2“ ist schon einmal vielversprechend – barock anmutende Klavier Arpeggien treffen auf einen soliden Metal-Band-Teppich; das ist der grundlegende Sound, mit dem sich molllust präsentieren.
Ab Track 2, „Unschuld“ betritt dann Sängerin Janika Groß die Bühne und präsentiert ihre saubere, geschulte Klassik-Stimme. Leider kann ich mit der Melodieführung nicht viel anfangen, mir fehlt etwas, woran ich mich festhalten kann, und auch mit dem Text kann ich mich so gar nicht identifizieren.
Der allgemeine Sound von molllust ist nicht unangenehm, allerdings kommt der Moment, an dem man einfach genug barocke Klavier Arpeggien gehört hat. Der Sound der Metal-Besetzung dürfte dunkler und präsenter sein; er geht oft einfach als Hintergrund unter. Gleichzeitig sind die Streicher sehr „synthetisch“ abgemischt, sodass sie sich nicht recht davon abheben. Allgemein fehlt dem Sound dadurch eine gewisse Tiefe und Vielschichtigkeit, und das Beste aus beiden Genres – Metal und Klassik – geht leider verloren, statt sich zu ergänzen.
Was molllust aber wirklich beherrschen, ist das „Drama, Baby“ der Oper. Sie sind quasi Drama-Destillat. Das geht mir persönlich schwer ins Ohr, wird aber zweifellos bei Hörern, die etwas Opern-affiner sind, definitiv punkten. Die Stücke sind komplex und absolut kein easy-listening – wer In Deep Waters genießen will, muss zuhören. Und dabei kann man ein paar große Momente entdecken.

Alles in Allem ist In Deep Waters für mich persönlich ein durchwachsenes Album, und mein Opern-Experiment war wohl nicht erfolgreich. Mir fehlen mehr Struktur und ein ausgewogenerer Sound, aber das Opern-Metal-Setting bietet definitiv viel Potential. Man spürt, dass hier Musiker am Werk sind, die ihr Handwerk verstehen und sich mutig an ein anspruchsvolles Crossover wagen. Fans von Opernmusik und Metal sollten auf jeden Fall einmal in molllusts Musik reinhören.

:mosch: :mosch: :mosch: :mosch2: :mosch2:

molllust – In Deep Waters (VÖ 25.9.2015)
13,99 € bei Bandcamp: https://molllust.bandcamp.com/ oder
18,00 € als Digipack bei http://www.molllust-shop.com//#cc-m-product-5992496462
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Tracks:

1. Ouvertüre Nr. 2
2. Unschuld
3. Evenfall
4. Paradis perdu
5. Voices of the Dead
6. Paradise on Earth
7. Spring
8. Lampedusa
9. König der Welt
10. Number in a Cage
11. Papa
12. Passage nostalgique
13. Sabrina
14. Erlkönigs Töchter
15. Traumwelt

(1824)