Gods to the godless

„We are Primordial! We are from the Republic of Ireland! And I have a question – are you with us, Bang Your Head?“

Primordial-LiveCV-3kKraftvoll ertönt Alan Averills Stimme aus den Lautsprechern, im Hintergrund ist das Jubeln der Fans zu hören – und schon ist man mittendrin, schon packt einen diese ganz besondere Magie, die Primordial bei ihren Konzerten verströmen. Nach der Live-CD/DVD All empires fall aus dem Jahr 2010, die zwei Konzerte enthielt (Ragnarök-Festival 2008, Dublin 2009), folgt nun mit God to the godless eine weitere Live-CD der Band, die ihren Auftritt auf dem Bang Your Head 2015 festhält. Live-Mitschnitte sind ja sehr verbreitet, nahezu jede Gruppierung bringt im Lauf ihrer Karriere mindestens einen davon auf den Markt, und über Sinn und Zweck kann man sicher streiten (außer dass damit Geld verdient werden soll, klar). Doch bei manchen Bands sind die Konzerte so viel intensiver, so viel mehr für die Ewigkeit wie die Studioalben, da ist ein guter Live-Mitschnitt ein absolutes Muss. Primordial gehören zweifellos dazu.

„Gods to the godless“ föhnt einem schon mal gnadenlos die Haare nach hinten, der Finger wandert zum Lautstärkeregler – das geht einfach nicht leise. „Babel’s tower“ und die Hymne vom letzten Album, „Where greater men have fallen“, reißen ebenfalls mit, denn ja, genau so ist es auf einem Primordial-Konzert. Ergriffenheit, Leidenschaft, fliegende Haare, vor Begeisterung und Verzückung offenstehende Münder … all das transportiert dieser Live-Mitschnitt, zumindest bis jetzt. Die Setlist gönnt dem Publikum keine Pause, „No grave deep enough“ peitscht gnadenlos, gefolgt vom epischen „As Rome burns“ – bei dem man allerdings tatsächlich etwas wenig vom Publikum hört, das ist normalerweise anders. „A song about William Blake“ – nämlich „The alchemist’s head“ von Where greater men have fallen – nimmt das Tempo ein wenig zurück, das ist auch nötig, wirkt aber immer noch sehr viel druckvoller als auf Konserve. „Bloodied yet unbound“ vom Album Redemption at the puritan’s hand hält die Spannungskurve, bis die ersten Töne vom Übersong „The coffin ships“ ertönen und man die nächsten acht Minuten in purer Verzückung verbringt.
Danach fordert Alan die Meute auf „Heathens, raise your fist!“ – hier wäre natürlich jetzt ein Bild schön, aber wer Primordial schon mal live erlebt hat, weiß, dass so einer Aufforderung Folge geleistet wird. Und dass darauf „Heathen tribes“ folgen muss, ganz klar. „Wield lightning to split the sun“ und das großartige „Empire falls“ runden die Setlist hervorragend ab.

Insgesamt finde ich Gods to the godless absolut gelungen, auch wenn das Visuelle, die unglaublich intensive Bühnenpräsenz Alan Averills hier naturgemäß zu kurz kommt. Wer die Band schon mal live gesehen hat, weiß, was ich damit meine. Doch durch den guten Sound, die gute Songauswahl und Alans Stimme transportiert der Mitschnitt meiner Meinung nach definitiv das Live-Erlebnis Primordial. Einziger Kritikpunkt: Die Interaktion mit dem Publikum kommt öfter mal zu kurz beziehungsweise sind die Publikumsreaktionen oft kaum zu hören. Vielleicht liegt es an der Abmischung – hier hätte ich mir noch ein wenig mehr „Live-Feeling“ gewünscht. Für Fans ist Gods to the godless jedoch auf jeden Fall empfehlenswert und insgesamt absolut hörenswert. Die Setlist unterscheidet sich in einigen Titeln von der ersten Live-Veröffentlichung, und die Spiellänge ist mit über 80 Minuten sehr amtlich.

:mosch: :mosch: :mosch: :mosch: :mosch2:

Primordial: Gods to the godless (Live at BYH 2015)
Metal Blade (Sony Music), 25.11.16
Länge: circa 82 Minuten
€ 12,99 z.B. bei Nuclear Blast

Tracklist:
1. Gods to the godless
2. Babels tower
3. Where greater men have fallen
4. No grave deep enough
5. As Rome burns
6. The alchemists head
7. Bloodied yet unbowed
8. The coffin ships
9. Heathen tribes
10. Wield lightning to split the sun
11. Empire falls

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