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Ukrainische Epik

qm2frontrgbNach dem vielbeachteten The 5th Harmonic of Death (2011) liegt seit wenigen Tagen das zweite Album des Charkiwer Musiker-Duos Master Alafern (alle Instrumente) und Dromos Aligianos (Vocals) vor, die es sich unter dem Namen Quintessence Mystica zur Aufgabe gemacht haben, die Grenzgebiete unserer Realität zu ergründen. Duality heißt das gute Stück, und in Bezug auf das soeben Gesagte kann man sich schon ziemlich gut vorstellen, wohin uns das in insgesamt zehn Songs und 38 Minuten führt: Munter verlassen wir den schwankenden Boden der Realität und rudern hinaus in die Weiten all dessen, was unsere Schulweisheit negiert! 

Musikalisch bleibt man sich hierbei treu: Geboten wird hervorragend komponierter symphonischer Black Metal, dem man die klassische Ausbildung von Master Alafern in jeder Sekunde anhört (zur Erinnerung: der Meister spielt Geige für das Academic Symphony Orchestra of the Kharkiv Philharmonic). Dementsprechend drängen sich Vergleiche zu den nicht minder symphonischen Dimmu Borgir geradezu auf, zumal auch die Stimme von Dromos Aligianos extrem stark an Shagrath denken lässt – und sollen mit diesem Satz auch gleich abgehandelt sein: Wer mit Abrahadabra was anfangen konnte, sollte sich dringend alles von Quintessence Mystica reinziehen, was auf dem Markt zu haben ist! Die Verbindung zwischen den episch-orchestralen Parts und garstigem Black Metal gelingt jedenfalls sehr gut, hier merkt man das große musikalische Können. Nach einem verspielten orchestralen „Prelude“, das angenehm kurz ausfällt, setzt mit „The Secrets of victorious Decisions“ eine härtere Gangart ein, die dann in „The infinite Dance of Numbers“ mühelos gehalten wird. Hier offenbart sich auch die Tiefe des Dualitäts-Themas und das inhaltliche Spektrum der Band. Aufhorchen lässt mich vor allem „Destructions of Galaxies“, eine eher langsame Nummer mit hohen Synth-Klängen from outer Space, die mich daran erinnern, dass das zweite Vyre-Album auch längst überfällig ist. Sehr schön gemacht ist dieses vergleichsweise kurze und langsame, aber wahnsinnig intensive Stück auf jeden Fall.

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Dass Quintessence Mystica eine Ecke experimentierfreudiger sind als die etwas bekannteren Kollegen aus Norwegen, zeigt sich in Stücken wie diesem oder auch dem nachfolgenden „Creep & Damage“, das mit einem in diesem Genre eher seltenen Instrument endet: Eine Posaune lässt das Stück beinahe jazzig ausklingen und liefert damit das gewisse Extra, das die Eigenständigkeit in der Komposition beweist. Die „Equations of daemonic Revelations“ überraschen dann mit weiblichem Operngesang, der jedoch sehr zurückgenommen im Hintergrund für Stimmung sorgt, und Passagen, die mich sofort an Zirkusmusik der eher unheimlichen Sorte denken lassen. Insgesamt gerät das Stück allerdings etwas überladen – zu viele Stilelemente verderben den Sound. Zum Schluss lässt das instrumental-psychedelisch-jazzige „Breathing of Saturn Rings“ Duality stimmungsvoll enden.

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Nicht nur aufgrund diverser Engagements der Musiker in anderen Bands verzögerte sich der Release von Duality: Vor allem das Cover-Artwork machte Probleme. Insgesamt drei Künstler versuchten sich daran, bis das Duo endlich vom russischen Designer Al.Ex (Mayhem Design) zufriedengestellt werden konnte. Die einzelnen Songs jedenfalls waren schon 2011 fertig abgemischt und produziert. Insgesamt ist Duality ein Album von geradezu barocker Vielfalt, das man sich gerne immer wieder anhört, um neue Details zu entdecken. Ich bin jedenfalls mit dem zweiten Silberling der Ukrainer noch nicht fertig, wünsche mir allerdings, auf Album Nummer drei noch wesentlich eigenständigere Sound-Experimente á la „Destruction of Galaxies“ und „Creep & Damage“ zu hören!

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Anspieltipp: „Destructions of Galaxies”

Quintessence MysticaDuality (Digi)
Schwarzdorn Production, 20.6.2014
11,99 Euro – Kaufen! 
Besucht die Band im Netz: lastfm.de/Quintessence_Mystica / Schwarzdorn

Tracklist: 
1. Prelude
2. The Secrets of victorious Decisions
3. The infinite Dance of Numbers
4. Sparks of the Glorious Fire
5. Impulse of Courage
6. Inversion of Reality
7. Destruction of Galaxies
8. Creep & Damage
9. Equations of daemonic Revelations
10. Breathing of Saturn Rings

Gesamtlaufzeit: 38:35 min

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