Rezension: Lea Korte – Die Maurin

Al Andalus

 

Die MaurinGranada am Ende des 15. Jahrhunderts: Hier lebt die 13-jährige Zahra as-Sulami inmitten ihrer wohlhabenden Familie. Ihr Vater ist einer der Berater des Emirs von Granada und Zahra hat als Gesellschafterin von Aisha, der Erstfrau des Emirs, Zutritt zur Alhambra, der Perle Andalusiens. Aisha benutzt Zahra immer wieder als Spitzel, um über die Vorgänge am Hof informiert zu sein, da sie selber im Comaresturm arrestiert ist. Bei einem ihrer Lauschgänge begegnet Zahra Gonzalo, einem Abgesandten der Königin Isabel von Kastilien; dieses männliche Wesen fasziniert sie, bis sie später auf seinen Bruder Jaime trifft…
Im Auftrag von Aisha erlebt Zahra einige geheime und gefährliche Reisen innerhalb ihrer Heimat, die sie auch gegen den Willen ihres Vaters und ihrer Familie macht, um dem muslemischen Andalusien im Kampf um dessen Freiheit und gegen die Christen zu helfen. Sei es um Boabdil, den Sohn der Herrscher ihrer Heimat zur Rückkehr zu bewegen oder auch als Begleiterin des Sohnes von Boabdil als Pfand zu den königlichen Hoheiten des christlichen Kastilien.
Zahra ist anders als ihre Geschlechtsgenossinnen, rebellischer, möchte mehr Eigenverantwortung für ihren Lebensweg (entgegen den muslemischen Gepflogenheiten) – und erkämpft sich dies im faszinierenden, untergehenden Reich al-Andalus mit einigen Mühen, Rückschlägen und auch Erfolgen.

Diese Geschichte birgt viele interessante Schilderungen der muslemischen Bräuche im Reich des Emir von Granada: Man ist beim Besuch im Hamam, der abenteuerlichen Befreiung eines Sklaven durch Zahra und ihrer Schwester innerhalb der Mauern Granadas dabei, man erlebt die Kampfbereitschaft der Mauren, um ihre Heimat zu verteidigen und die der Christen, um Andalusien endgültig zu erobern und vieles mehr. Ferner gibt es auch aufregende Geschehnisse innerhalb der Familie von Zahra, die dieses Buch lesenwert machen. Der Zauber der einstmals herrlichen Alhambra wird darin gut beschrieben – für mich ein gutes Buch (wenn auch erst für mich fesselnd nach dem ersten Viertel der 661 Seiten).
Sehr hilfreich ist die namentliche Vorstellung der Hauptpersonen am Anfang des Buches. Aus dieser ersieht man auch, dass einige der Beschriebenen wirklich in der Geschichte Andalusiens nachgewiesen sind. Interessant wäre auch eine Karte, die hier allerdings fehlt (aber da hilft Wikipedia weiter).
Im Kopf entstehen während des Lesens Bilder der Alhambra, Andalusiens, von Kämpfen der Mauren gegen die Christen, man ist verstrickt in die Glücks- wie Unglücksfälle innerhalb der Familie as-Sulami, Zahra nimmt den Leser mit auf ihre Reisen bzw. ihren Lebensweg. Die Geschichte zieht einen förmlich zu diesem Ort und der damaligen Zeit.

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Lea Korte: Die Maurin
Knaur Taschenbuch Verlag, Febr. 2010
€ 9,95
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