Serie: The Walking Dead, Staffel 1 (AMC, 2010)

Was wäre wenn?

Rick Grimes, Polizist aus der fiktiven Stadt King County im US-Bundesstaat Georgia, erwacht aus dem Koma. Die Welt, die er vorfindet, ist nicht mehr die, die sie einmal war. Das Krankenhaus ist verwüstet, weit und breit keine Menschenseele zu sehen. Rick traut seinen Augen nicht und erkundet unbedarft das Krankenhaus und die nähere Umgebung. Man sieht hierbei schon die ersten Anzeichen für die Existenz Untoter und auch erste Zombies selbst. Die Verwirrung, die mit diesen abnormalen Gegebenheiten einhergeht, stellt Schauspieler Andrew Lincoln glaubwürdig dar.

Er macht sich barfuß und in Krankenhausrobe auf den Heimweg, um seine Frau Lori (Sarah Wayne Callies) und seinen Sohn Carl (Chandler Riggs) zu suchen, doch diese sind nicht mehr im Wohnhaus der Grimes anzutreffen. Kurz darauf trifft Rick auf zwei Überlebende, die ihn zuerst selbst für einen Zombie halten, ihm jedoch nach kurzer Debatte erklären, was vorgefallen ist. Der Hauptdarsteller erfährt, dass in Atlanta eine Quarantänezone eingerichtet worden sein soll, wohin er sich gestärkt und bewaffnet aufmacht, um seine Frau und seinen Sohn zu finden. Was er zu diesem Zeitpunkt nicht ahnt ist, dass auch Atlanta von Zombies beziehungsweise „Beißern“, wie sie in der Serie genannt werden, überrannt wurde und nicht sicher ist.

Seine Frau Lori und sein Sohn Carl befinden sich derweil in einem Camp außerhalb der Stadt mit mehreren Überlebenden und dem ehemaligen Polizeikollegen von Rick, Shane Walsh (Jon Bernthal), der, wie sich später herausstellt, Ricks Frau und Sohn gerettet hat. Da Lori davon überzeugt ist, dass ihr Mann im Krankenhaus – wehrlos und im Koma – keinesfalls überleben konnte, lässt sie sich auf eine Beziehung mit Shane ein.

Dies als Grundlage der Handlungsstränge prophezeit schon eine Menge dramatischer Verwicklungen, die auch typisch für die Serie sind. Im Verlauf der Episoden wird in der Handlung oft vorgegriffen und vergangene Ereignisse werden erst nachträglich resümiert, was ein gekonntes Stilmittel ist, um regelmäßig eine Art „Aha“-Effekt zu erwirken und den Nebel des Unwissens, in dem sich Rick, aber auch der Zuschauer befindet, erst langsam zu lichten. Es wird Wert gelegt auf die Darstellung zwischenmenschlicher Beziehungen, die in so einer Ausnahmesituation natürlich leicht entstehen, aber ebenso leicht zerstört werden können. Wer hier splatterartiges Abschlachten von Zombies erwartet, wird aber auch bedient. Es ist eine skurrile Mixtur aus dem täglichen Leben und aus menschlichem Handeln sowie der Fiktion einer Zombie-Apokalypse mit all ihrer einhergehenden Rohheit. Diese Kombination macht mitunter den Reiz der Serie aus, da man gewollt oder ungewollt immer mehr in die Lage rutscht, über die Charaktere und deren Handlungsweise zu richten und sich auszumalen, wie man selbst handeln würde.

Es passiert nicht selten, dass auch wichtige oder liebgewonnene Figuren den Walkern zum Opfer fallen, was mitunter auch die Spannung aufrechterhält, denn es kann jeden treffen. Was ich persönlich fast zu unrealistisch finde ist, wie Rick seine Frau wiederfindet. Ich kann mir kaum vorstellen, dass man in so einem großen Gebiet so punktgenau die richtigen Menschen findet, die einen wieder mit der Familie zusammenführen können. Aber gut, da diese Zusammenkunft einen Großteil der Story ausmacht, möchte ich mal mit einem zugekniffenen Auge darüber hinwegsehen, wie verhältnismäßig leicht es dem Hauptdarsteller fällt.

Fazit: The Walking Dead ist eine unterhaltsame und kurzweilige Serie, die teilweise aber auch dazu neigt, das Drama etwas zu sehr zu provozieren und dann auszureizen. Manchmal bin ich dann doch zu der Überzeugung gelangt, dass alles ein wenig arg überspitzt dargestellt wird und keine Möglichkeit ausgelassen wird, etwas maximal dramatisch ablaufen zu lassen. Erwähnenswert finde ich das Intro und die dazu komponierte Musik von Bear McCreary, die perfekt die Stimmung der Serie auf den Punkt bringt und einen in die richtige Gefühlslage versetzt.

Da ich die Comics, auf denen die Story basiert, nicht gelesen habe, kann ich leider nicht beurteilen, inwiefern die Serie besser oder schlechter ist bzw. sich der Vorlage als würdig erweist.

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Diese Review bezieht sich auf die „uncut“-Version.

Genre: Serien, Horror, Drama
Produktionsjahr: 2010
Erscheinungstermin Deutschland: Ende 05/2013
FSK: 18
Spieldauer: 281 Minuten
Episodenanzahl: 6
Specials: ca. 100 Minuten
ca. 19,99€, Amazon.de

Trailer auf youtube.de

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