Sehr solide Synthie-Kost

 

7823881045Assemblage 23 – beziehungsweise Mastermind Tom Shear – sind alte Hasen in der Future-/Synthiepop-Welt und liefern seit Ende der Neunzigerjahre zuverlässig hochklassige Alben ab. In den Klubs läuft heute noch zum Beispiel „Document“ vom 2002er-Album Defiance, oder „The Noise inside my Head“ von der letzten Scheibe Bruise aus dem Jahr 2012. Synthie-Fans schätzen die hohe Tanzbarkeit von Assemblage 23, die Ohrwurmmelodien und die melancholische Stimme von Tom Shear, die dem nicht unbedingt aus den Genregrenzen ausbrechenden Sound der Band etwas Besonderes verleiht. Leider fand ich Bruise ein klein wenig zu brav und gefällig (wenn auch immer noch sehr gut) und hoffe, dass Endure wieder etwas mehr Gas gibt.

Beim gleichnamigen Eröffnungstrack bin ich allerdings gleich mal enttäuscht, ein Instrumentalstück, das noch nicht mal besonders ausgearbeitet ist. Gute Synthiemusik, aber nichts, was einen vom Hocker reißt. „Afterglow“ ist dagegen zum Glück ein typischer Assemblage-Song, bei dem man vor allem den Refrain nicht mehr aus den Ohren bekommt. „Bravery“ fällt wieder etwas ab, Gesang und Melodien sind zu beliebig und wenig emotional, was angesichts solcher tiefgründiger Zeilen wie „Someday waking up is an Act of Bravery“ verwundert. Hier hätte ich mir mehr Eindringlichkeit gewünscht. „Salt the Earth“ versöhnt mich ein wenig und rumst etwas aggressiver und knackiger aus den Lautsprechern, davon bitte mehr! Bei „Static“ zeigt Shear dann endlich, was er wirklich kann – ein herzzerreißender Refrain, ungewohnt raue Vocals, hier steckt viel Gefühl drin, und das will ich als Assemblage-23-Fan auch hören. Sehr schön!
„Call the Dawn“ ist ein solider, eher langsamerer Track, der weniger zum Tanzen einlädt, als eher zum Mitwippen und genauem Zuhören. Auch „Butterfly Effect“ zielt erst in zweiter Linie auf die Tanzfläche ab, sondern animiert eher zum Innehalten. „Barren“ und „Grid“ sind wieder typische Assemblage-Kracher: schnell, mitreißend, die Beine zucken schon bei den Intros. Ein schön gemischtes Album bisher, das nach dem etwas schwachen Einstieg deutlich gewonnen hat. Doch was kommt da? „December“ haut mich schon beim ersten Hören vollkommen um, und diese Begeisterung steigert sich sogar noch. So müssen Assemblage 23 für mich klingen, überhaupt guter Synthie – große Melodien, die einem gleichzeitig ein Lächeln aufs Gesicht zaubern und das Herz schwer werden lassen vor Schönheit. Das Juwel des Albums und auf dem letzten Platz leider etwas verschenkt.

Endure ist insgesamt ein gewohnt hochklassiges Album von Tom Shear, das mir besser gefällt als der Vorgänger Bruise, jedoch gerade am Anfang ein paar Schwächen aufweist. Vielleicht hätte man hier mit einer anderen Trackreihenfolge noch etwas mehr rausholen können. Für Fans der Band und des Genres ist das Album aber natürlich ein Pflichtkauf, so wirklich falsch machen können Assemblage 23 sowieso nichts.

Anspieltipp: December

:mosch: :mosch: :mosch: :mosch: :mosch2:

Assemblage 23 – Endure
Metropolis Records, ET: 09.09.16
Länge: 50 Minuten
Kaufen: € 14,75 bei Poponaut
Am 30.09.16 wird noch eine Vinyl- sowie eine CD-Deluxe-Version veröffentlicht!

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