Das Licht im musikalischen Gewässer

 

Joachim Witt - DOM

Joachim Witt – DOM – Dunkelwelle

2012 erschien das 13. Studioalbum von Joachim Witt namens DOM. 2014 ist mit einem neuen Longplayer vom Altmeister zu rechnen, die Tour ist bereits angekündigt. Vor kurzem hat mich der Zufall an das DOM-Album erinnert. Mittlerweile kann ich sagen, dass es nach Bayreuth 2 eines meiner Lieblingsalben des Wortkünstlers und Sängers ist.

Der erste Track ist dem Abschied von „Gloria“ gewidmet, der Herzschmerz und die Trennung wirken nach. Eine Art Engelsgesang wird durch den Chor erzeugt und verstärkt die Stimmung: Das verehrte Wesen ist nicht mehr da, aber die Gedanken kreisen um es. Den Klaviereinsatz und die Streicher kennt man beim Wittschen Liedgut, Schritte werden durch den Einsatz des Synthesizers nachgezeichnet. „Jetzt geh“ ist eine Motivation, um vor ein großes Publikum zu treten. Drums erzeugen drängende Eindrücke, der große Schritt soll gemacht werden. Eindringlich, anders, positiv – mir gefällt’s! Der Regen fällt, die Streicher lassen Melancholie aufkommen. Die Gitarrenbegleitung zur tiefen Stimme ist bewegend, „Tränen“ begleiten einen erzwungenen Abschied. Elektronische Klangmittel, der Percussions-Einsatz und die weibliche Stimme sind eingewoben in „Blut“. Das „Königreich“ wird ausgefüllt mit sphärisch-musikalischen Untermalungen und poesievollen Eindrücken, die Geigen treten in Kontakt mit einem Schlagzeug und verzerrten Klängen. „Beben“ wird begleitet von Klaviertönen, Streichern und einer weiblichen Stimme. Der Krieg im Innersten und die Schatten bzw. Leere gilt es auszuhalten. Die Leichtigkeit des Klaviers, der Trommelschlag im Hintergrund, es gesellt sich ein Synthesizer dazu: Es gilt den „Mut eines Kriegers“ hervorzuholen. Und dazu gibt es wieder einmal die ausgebildete Stimme eines erfahrenen Sängers. Der Schmerz, der einen manchmal umfängt, wird von Witt bei „Licht im Ozean“ thematisiert. Wird Rettung kommen? Funksignale leiten über zu „Komm nie wieder zurück“. Ich erkenne mitunter Jean Michel Jarre-ähnliche Klänge. Die eindringliche Wittsche Stimme ist enttäuscht, aber kräftig. Eine bzw. seine Liebe wurde verraten. Die Streicher, das Pfeifen und die hintergründigen Tangotöne ergeben eine gute Mixtur. Die russischen Sprachfetzen und die hier noch einmal eingestrickten Tangoklänge führen den Zuhörer zu einem poesievollen „Leichtsinn“. Des Meisters wandelbare Stimme wird mit Untermalung eines großen Orchesters wieder einmal vorgeführt. Das Gitarrenspiel und die Stimme beschwören Angst herauf, das „Untergehen“ ist vorprogrammiert. Aber in dem folgenden Duett wird die Liebe heraufbeschworen und die Bedrückung zurückgedrängt. Die Hoffnung stirbt zuletzt, so dass das Spiel Phönix-gleich immer wieder neu entfacht werden kann, für jeden von uns.

Im Vergleich zu vorhergehenden Alben ist bei DOM der verstärkte Einsatz von Synthesizer-Klängen erkennbar, aber auch die Streichinstrumente bekommen wieder einen großen Einsatzbereich. Die Stimme von Joachim Witt ist immer noch prägnant und vielseitig einsetzbar. Selbst die Refrains weisen Worttiefe auf, genauso wie natürlich die Texte an sich. Ich weiß, es gab kontroverse Diskussionen zum „Gloria“-Video, aber diese will ich hier nicht wieder ausgraben bzw. noch einmal entfachen. Dieses wie auch die anderen Lieder haben eindrucksvolle Stellen, die es zu erhören gilt, visualisieren kann es jeder für sich. Herr Witt ist verstrickt in seine Kunst (das kommt auch in seiner Biografie zum Vorschein). Er versucht diese musikalisch seinen Zuhörern nahe zu bringen, es gelingt ihm nicht bei allen (will er das überhaupt?), aber bei mir ist es ihm mal wieder gelungen.
Ich bin gespannt, was dem Künstler für 2014 eingefallen ist. Ich kann es erwarten.

 

:mosch:  :mosch:  :mosch:  :mosch:  :mosch:

 

Anspieltipp: „Jetzt geh“, „Leichtsinn“

 

Joachim Witt: DOM
Col7one (Sony Music), 2012
€ 6,65
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Tracks:
01. Gloria
02. Jetzt geh
03. Tränen
04. Blut
05. Königreich
06. Beben
07. Mut eines Kriegers
08. Licht im Ozean
09. Komm nie wieder zurück
10. Leichtsinn
11. Untergehen

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