CD-Review: Absent/Minded: Earthtone (VÖ: 12.07.2013)

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Erdige, dunkle Klänge aus Franken

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Absent/Minded ist ein Quartett aus Bamberg, das sich einer Musik verschrieben hat, die sehr eigenständig und ungewöhnlich ist. Die Mischung aus Sludge, Doom und Postcore Metal, die uns die Franken auf ihrem zweiten Album Earthtone bieten, ist aber dennoch richtiggehend organisch zu nennen, die Elemente greifen reibungslos ineinander und erzeugen eine düstere Stimmung, nicht unähnlich einer Sepia-Fotografie eines verlassenen Landstriches, einer Wiese vielleicht mit hüfthohem, verdorrtem Gras. Wie die vier Bandmitglieder Jürgen, Uwe, Stevie und Michael so ticken, haben sie uns bereits im Kurzinterview verraten, als wir Absent/Minded als Band der Woche vorgestellt haben. Genug der Vorrede, allerhöchste Zeit, ins aktuelle Album Earthtone reinzuhören!

Als Erstes fällt auf, dass kein Lied unter sechs Minuten lang ist, und es erwartet uns vor allem eins: sehr doomiger Sound, unmöglich, so etwas bei dreißig Grad im Schatten und gleißendem Sonnenschein zu hören – der Nieselregen heute passt schon wesentlich besser dazu. Los geht’s mit „To Unsnare“, das Drum-Intro ist hervorragend gewählt, um die eigentümlich spirituelle Stimmung, die das gesamte Album durchzieht, zu transportieren. Die einsetzenden Instrumente und die tiefe, raue Stimme von Sänger Stevie unterstreichen die erdige Atmosphäre, die über die gesamte Distanz durchgezogen wird. Ohne den Vorgänger Pulsar zu kennen, der, glaubt man einschlägigen Quellen, sehr viel Death-Metal-lastiger war, fällt auf, dass Earthtone sehr homogen wirkt – fast schon zu homogen, denn im Lauf der gut 45 Minuten Spielzeit werden die Lieder beinahe austauschbar, setzen sich nicht mehr im Kopf fest, sondern verschwimmen zu einem einzigen Stück, das von der beschriebenen Stimmung geradezu trieft.

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„Ghosttower“ beginnt ansatzlos da, wo „To Unsnare“ aufhört, und auch wenn es auf den ersten Blick klar ist, dass diese beiden Lieder sehr unterschiedlich sind, nach fünf Minuten setzt besagtes Verschwimmen doch irgendwie ein. Erst die kalten Winde, die den dritten Song „Arctic“ einläuten, und das Gitarrenintro des Stückes, das hervorragend in die Winterlandschaft passt, die Absent/Minded hier zeichnen, holen einen wieder aus dem Einheits-Klangkosmos zurück in die Welt der eigenständigen Lieder. Damit will ich jetzt allerdings nicht unbedingt sagen, Earthtone sei langweilig, im Gegenteil. Nimmt man die einzelnen Lieder näher unter die Lupe, stellt man sehr schnell fest, dass der Teufel im Detail steckt und die Jungs sehr genau wissen, was sie da tun. Es fällt nur beim ersten Mal Zuhören schwer, sich inmitten der basslastigen Stücke zurechtzufinden.
„The Lesser Evil“ knüpft dann wieder an „Arctic“ an, auch hier bestimmt die Gitarre den Beginn des Songs, Melodien greifen ineinander, erzeugen eine beinahe hypnotische Atmosphäre, der einsetzende Gesang wirkt fast wie das Erwachen aus der Trance. „Greed Has Poisoned Mens Souls“ jagt mir dann eine Gänsehaut über den Rücken, und jeder, der schon einmal die Schlussszene in Chaplins „The Great Dictator“ gesehen hat, wird wissen, wieso, denn der Song unterstreicht die berühmte Rede des „Großen Diktators“ mit feinen Melodien und kommt komplett ohne Gesang aus. Dieses Stück ist auch das Kürzeste auf dem gesamten Album und endet mit den berühmten Worten „Liberty will never perish“ – ein Label, das man gut auf Earthtone kleben könnte, denn dieses Motto hat sich das Quartett wohl zu Herzen genommen, als es beim Songwriting saß und diese coole Mischung aus Musikstilen kreiert hat.

Nach diesem kurzen Break folgt dann „Reborn“, wieder doomig, groovig, sludge-rockig, solide, wie bisher auch gehabt, und dem setzt der titelgebende Track „Earthtone“ noch einmal einen drauf. In diesen neun Minuten zeigen Absent/Minded noch einmal alles, was sie können, und das ist, wie gesagt, nicht wenig.

Ich hatte durchaus meine Schwierigkeiten mit Earthtone, und das liegt jetzt nicht daran, dass ich mit doomigem Sound nicht zurechtkomme. Absent/Minded machten es mir nicht leicht, mich in ihren Klangkosmos hineinzudenken, so richtig mitgezogen hat mich das Album nicht. Aber, und das ist etwas, das ich den Bambergern wirklich zugutehalten muss, man kommt auch nicht wirklich leicht wieder davon los. Immer wieder habe ich mir Earthtone angehört, immer wieder fielen mir neue Details, Melodien, einzelne Teile auf, die ich großartig finde, die sich auch in das Gesamtbild einfügen. Earthtone braucht eine spezielle Stimmung, oder besser: ich brauche eine spezielle Stimmung, weil es ein spezielles Album ist. Und diese Stimmung zu finden, in der die Musik wirklich einzig angemessen ist, ist schwer, jedenfalls für mich.

Anspieltipp: „Arctic“

:mosch: :mosch: :mosch: :mosch2: :mosch2:

Absent/Minded: Earthtone
VÖ: 12.07.2013
€ 12,00
Kaufen
www.aminded.com

Tracklist:
1. To Unsnare
2. Ghosttower
3. Arktic 07:26
4. The Lesser Evil
5. Greed Has Poisoned Mens Souls
6. Reborn
7. Earthtone

Wer die Herren einmal live sehen möchte: Am 18.10. spielen sie in Altenkundstadt im Nepomuk und am 02.11. im Omega in Erlangen.

Quelle Fotos: Band

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