Film: Klassentreffen 1.0

Familie! Freundschaft! Liebe! Irgendwie …

 

Klassentreffen

Das Leben ist ganz schön ungerecht. Da war man doch vor kurzem noch 18, 20 Jahre alt, die Welt stand einem offen, und plötzlich steht einem das 30jährige Abiturklassentreffen bevor? Man ist nicht mehr so beweglich wie früher, sieht schlechter, hat Haarausfall und Hämorriden? Andreas hatte eine Krise mit seiner Frau, sie gingen gemeinsam zur Paartherapie und Andreas‘ Frau danach mit dem 20 Jahre jüngeren Therapeuten weg. Nils hat zwar noch eine intakte Familie, aber sie gibt ganz schön Grund zur Klage. Der Sohn verhält sich nicht so, wie man sich das wünscht, und die Tochter hat einen eigenartigen Freund. Einzig Thomas hat es gut getroffen. Er sieht nicht nur immer noch hammermäßig aus, er hat auch einen coolen Job als DJ, vögelt sich durch die Gegend und hat jetzt eine ganz tolle Frau kennengelernt – mitsamt süßer 17jähriger Tochter.

Er möchte ab jetzt monogam leben, und Lili will verhindern, dass Tommy an dem Männerwochenende – denn die drei alten Freunde machen sich natürlich doch auf den Weg zum Klassentreffen – zu sehr ausschweift und Mama untreu wird. Sie erleben allerlei lustige Dinge, und letztendlich ist es das Töchterchen, das mehr oder minder ausschweift und wieder auf die rechte Bahn gebracht werden muss.

Anfänglich ist diese Komödie irgendwie amüsant. Schnell aber werden Versatzstücke aus diversen anderen nationalen und internationalen Komödien aus der Schublade gezogen. Zum Teil bin ich peinlich berührt, muss mehrmals auf die Uhr schauen, wann wohl der Spuk zu Ende ist. Und dabei bin ich übrigens diejenige, die im gesamten Bekanntenkreis immer und jederzeit eine Lanze für Til Schweiger gebrochen hat. „Neeeeeiin! Til Schweiger hat nicht nur einen Gesichtsausdruck! Til Schweiger nuschelt nicht! Til Schweiger ist putzig und witzig!“. Aber heute muss ich schimpfen. Dieser Film kommt in einer epischen Länge daher, als wolle er die Geschichte des Wiedersehens in Howard’s End erzählen. Er fährt wie immer mit einem super Laune machen wollenden Soundtrack auf. Man soll eingestimmt werden in die einzelnen Stimmungen. Er strotzt vor Gags, die nicht zünden und teilweise peinlich sind: Schwulenwitze, brandneue Autos, die am ersten Tag kaputt gemacht werden (ohne Vollkasko, versteht sich), Muskelmänner, die einen bedrohen, Tüten voller Kacke, betrunkene Teenager, die vor dem Besäufnis bei Gucci und Prada shoppen waren, Frauen, die übers Büffet schlittern oder auf der Kühlerhaube landen – ohne sich zu verletzen, versteht sich – Handlungen, die nach Gruppenmasturbation aussehen, in Wirklichkeit aber Intimrasur darstellen. Ach ja, und auch immer wieder die Sache mit den Hämorriden: selten so gelacht. Nicht! Dieser Film ist nicht Die Hochzeitscrasher, nicht Hangover, hier ist die Dicke eben nicht Melissa McCarthy, und das shoppende Töchterchen ist auch nicht Reese Witherspoon! Es ist nicht Keinohrhasen, nicht Zweiohrküken und schon gleich gar nicht Kokowääh. Ich rechne es Til Schweiger an, dass er immer wieder seine Buddys mit ins Boot holt, seine Töchter engagiert, die zweifelsohne allesamt enorm süß sind, aber von der Mimik eine ähnliche Bandbreite wie Vater Til haben. Witzig finde ich hingegen, dass Stefanie Stappenbeck und ein Schweiger-Töchterchen (hier Lilli) in diesem Film wie auch im Tatort seine Filmfamilie darstellen.

Da der Film aber dennoch ein paar wirklich lustige Momente hat und ebenso auch einige berührende, die mir ein ganz klein wenig Hauch von Pipi in die Augen zaubern, werde ich wohl auch wieder die nächsten Filme von und mit Til Schweiger sehen. Das wird dann wohl Teil 2 und 3 dieser als Trilogie angelegten kleinen Filmserie sein.

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Film: Klassentreffen 1.0
Drehbuch, Regie, Produktion: Til Schweiger
Genre: Komödie
Start in Deutschland: 20.9.2018, 127 Minuten
Cast: Til Schweiger, Samuel Finzi, Milan Peschel, Lilli Schweiger, Katharina Schüttler, Stefanie Stappenbeck, Jeanette Hain, Simon Schwarz

 

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