Filmreview: Beste Chance

Bavaria meets India

Marcus H. Rosenmüller, gerade mal 40 Jahre alt, hat schon so viele lustige, aber keineswegs niveaulose Filme abgeliefert, unter anderem die Trilogie Beste Zeit (2007), Beste Gegend (2008) und nun Beste Chance.

Sechs Jahre mussten wir also warten, bis die Geschichte um Kati (Anna Maria Sturm) und ihre Freundin Jo (Rosalie Thomass) weitergeführt wird.

Kati und Jo sind im ersten Teil 17, leben in einem Dorf in der Nähe Dachaus und machen gerade Abitur. Im zweiten Teil begeben sie sich nach dem Schulabschluss auf eine vermeintlich große Reise, auf der Suche nach der „Besten Gegend“, kommen dabei aber nicht weit. Nun, 2014, setzt die Handlung unvermittelt, ohne Rückblende oder Erklärungen, mittendrin ein.

Kati lebt in einer WG in München, studiert Architektur und lernt für die Abschlussprüfung. Sie soll endlich den Anrufbeantworter abhören und die Anrufe löschen, wird ihr von ihren Mitbewohnern gesagt. Als sie ihn abhört, merkt sie, dass alle Nachrichten ihr gelten, kleine Hilferufe von Jo sind, die seit einiger Zeit in Indien in einem Ashram lebt. Obwohl sie Jo lange nicht mehr gesehen hat, fühlt Kati sich immer noch sehr mit ihr verbunden und muss und will ihr helfen, sofort. Sie fährt nach Tandern, klappert die Freunde ab, die wir von früher kennen, den Rocky, mittlerweile Vater und mitten im Häuslebau, den Mike, ihren früheren Freund, inzwischen überarbeiteter Stationsarzt in einem Krankenhaus, den Toni, früher in Jo verliebt, auch häuslich niedergelassen mit einer Blondine, die verdächtig Jo ähnelt. Doch jeder hat was Besseres zu tun und Kati fliegt alleine nach Indien.

Währenddessen kommt Jo wieder in ihrer alten Heimat an. Sie ist gleich wieder verbandelt mit ihrer früheren Clique. Es ist in Tandern genauso turbulent wie bei Kati in Indien!

Es gibt bei Kati wie auch bei Jo lustige, emotionale, berührende, überraschende Momente.
Köstlich sind aber auch die Situationen, die die Väter der beiden in Indien auf der Suche nach ihren Mädchen erleben. Heinz-Josef Braun als Jos Vater und Andreas Giebel als Katis Vater bringen Situationskomik, Spannung und Rührung zugleich in den Film. Von Durchfall geplagt und nach einem Überfall irgendwann nur noch mit Unterhose bekleidet, bleibt den beiden nichts anderes mehr übrig, als gänzlich tiefenentspannt ein „Ommmm“ anzustimmen. Das muss man gesehen haben!

Kati wird natürlich von den Vätern gefunden, und nun, da sie weiß, dass Jo in Deutschland wohlauf ist, nimmt sie sich die Auszeit, in Indien zu bleiben, ihre Gedanken zu sammeln, vielleicht die Prüfung, wenn überhaupt, erst nächstes Jahr zu machen. Ihr Vater – ein berührender Moment – schimpft nicht mit ihr, so wie man es eigentlich von einem bayrischen Grantler erwarten könnte, sondern sagt, „Ich bin stolz auf dich“. Das, was sich jedes Kind von seinen Eltern wünscht.

Gerne hätte ich Kati noch ein Weilchen in Indien beobachtet, und gerne hätte ich auch Jo in Tandern zugesehen.
Aber ich habe die Hoffnung, dass „der Rosi“ eine Fortsetzung dreht.
Gerüchte diesbezüglich gibt’s.
Und schee wär’s.

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Titel: Beste Chance
In den Kinos seit: 26. Juni 2014
Regie: Marcus H. Rosenmüller
Länge: 100 Minuten
Besetzung:
Anna Maria Sturm: Kati
Rosalie Thomass: Jo
Andreas Giebel: Hubert (Katis Vater)
Johanna Bittenbinder: Marlene (Katis Mutter)
Heinz-Josef Braun: Walter (Jos Vater)
Bettina Redlich: Regina (Jos Mutter)
Ferdinand Schmidt-Modrow: Rocky
Florian Brückner: Mike

 

 

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