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Film: Interstellar

„Geh nicht gelassen in die gute Nacht“

Die Erde in nicht ganz so ferner Zukunft: Klimawandel und Krankheiten haben unsere Nahrungsquellen weitestgehend zerstört. Die Menschheit ist sich ihrer Rolle als Verursacher bewusst geworden, höhere Technologien und Raumfahrt sind verpönt – schließlich hat unser rücksichtsloser Fortschritt und die Ausbeutung unserer Rohstoffe zu dem Schlamassel geführt. Was die Bevölkerung noch nicht ahnt: Die Generation ihrer Kinder wird die letzte auf unserem Planeten sein.
Der ehemalige NASA-Pilot Cooper ist jetzt Farmer, zieht seine beiden Kinder Tom und Murphy mit Hilfe des Vaters seiner verstorbenen Frau allein auf, und träumt noch immer von den Sternen.
Doch es gibt Hoffnung: Die NASA operiert im Untergrund und forscht an einer Möglichkeit, die Menschheit zu retten. Sie soll fort von der Erde, durch ein Wurmloch neben Saturn in eine andere Galaxie, in der es bewohnbare Planeten geben soll. Cooper wird ausgewählt an einer Mission teilzunehmen, um eine geeignete neue Heimat zu finden.


Die Handlung eines drei Stunden langen Filmes in drei Absätze zu packen, ist natürlich gewagt, aber lassen wir das mal so stehen. Fakt ist: Die 169 Minuten Lebenszeit, die man in diesen Film investiert, sind es absolut wert. Christopher Nolan hat sich ja mit der Dark Knight-Trilogie, Inception und noch weiteren Filmen bereits einen Namen in Hollywood gemacht. Er steht für episches Kino mit „Wow“-Effekt, bei dem einem vor lauter Bildgewalt der Mund offen stehen bleibt. Und bei Interstellar übertrifft er sich selbst.
In vollkommener Stille (ja, ganz ohne „PEW PEW BOOOOM“) gleitet die Crew um Cooper durchs All, um potentielle neue Heimatplaneten zu untersuchen. Die Verzweiflung wächst, die Ressourcen schwinden, und Coopers Chancen, seine Kinder wiederzusehen, mit ihnen. Denn während er in der Nähe eines Schwarzen Lochs am anderen Ende des Universums nur Stunden verbringt, altern seine Kinder um mehrere Jahrzehnte.
Matthew McConaughey glänzt als Cooper, doch spätestens seit seiner herausragenden Rolle in Dallas Buyers Club dürfte das keine Überraschung sein. Es ist sein innerer Konflikt, der den Film neben der grandiosen Optik trägt: Die Menschheit und damit seine Kinder vor dem Hungertod auf der Erde retten, das hat Priorität. Für den Fall, dass das scheitert, gibt es Plan B: eingefrorene befruchtete Eizellen für eine Kolonie auf einem neuen Planeten. Aber das würde bedeuten, die Menschheit auf der Erde zurück zu lassen.
Ist es dieser Konflikt, der uns menschlich macht? Die enge emotionale Verbindung zu unserer eigenen Familie, das Denken als Individuum erscheint uns allen vernünftig. Doch wäre es langfristig für den Erhalt unserer Art nicht sinnvoller, an die Spezies zu denken statt an unsere Kinder? Verurteilt Coopers Liebe zu seiner Familie am Ende die Menschheit zum Aussterben?
Nolan greift viele sehr emotionale Themen auf, bringt dem Zuschauer aber gleichzeitig auf sehr ästhetische Weise Konzepte der Relativität, des 5-dimensionalen Raumes und Raumkrümmung näher, und das ohne genretypische Logikfehler. Tatsächlich ist Interstellar – bis auf kleine, notwendige freie Auslegungen der grundlegenden Theorien – sehr nah an der wissenschaftlichen Realität, was zweifellos dem Physiker Kip Thorne zu verdanken ist, der als technischer Berater tätig war.
Als Sahnehäubchen gibt es einen großartigen Soundtrack von Hans Zimmer, der die Weite, Fremde und Dramatik des Alls trägt.
Interstellar ist ein Film, für den es sich lohnt, drei Stunden im Kino zu sitzen. Auch wenn die zweite Hälfte eine Spur mehr klassisches Hollywood-Drama enthält, als unbedingt nötig, ist es trotzdem ein wirklich großartiges Science-Fiction Epos. Ob ein so dermaßen bild- und soundgewaltiger Film auf dem Fernseher funktionieren kann, bezweifle ich, deswegen kann ich nur wärmstens empfehlen, ihn im Kino anzusehen.

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Titel: Interstellar
Starttermin: 6. November 2014 (169 Min)
Regie: Christopher Nolan
Darsteller: Matthew McConaughey, Anne Hathaway, Jessica Chastain, Matt Damon
Genre: Sci-Fi
Produktionsland: USA, Großbritannien

Wikipedia
IMDB
Schmankerl: Interstellar und die Wissenschaft– Beitrag der Time

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