TV-Serie: Die letzte Generation

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Syfys gelungene Adaption von Arthur C. Clarkes Roman
„Childhood’s End“

2016 steht die Erde buchstäblich still und blickt ungläubig auf, als gewaltige Raumschiffe den Himmel verdunkeln. Doch den Invasoren geht es nicht darum, die Menschheit zu unterjochen oder gar zu vernichten. Der neue „Supervisor“ der Erde, ein Alien namens Karellen (gespielt vom grandiosen Charles Dance), verkündet der ganzen Menschheit, dass er gekommen sei, um ein goldenes Zeitalter anbrechen zu lassen, in dem es keine Kriege, keinen Hunger und keinen Tod mehr gibt. Und das alles, ohne einen einzigen Schuss abzugeben. Klingt gut, oder? Wo ist der Haken?
Nicht alle Menschen sind begeistert von diesen Aussichten. Die einen wollen sich nicht von den Overlords, wie die Medien sie schnell taufen, gängeln lassen, und leisten Widerstand. Die großen Weltreligionen kommen mit der Ankunft der Außerirdischen auch nicht gerade gut zurecht. Und weil die TV-Adaption des Klassikers Die letzte Generation von Arthur C. Clarke nicht mit der Ankunft der Aliens einsetzt, sondern mit dem Astrophysiker Milo Rodricks (Osy Ikhile), der inmitten einer postapokalyptischer Ödnis in das Kameraauge einer Drohne spricht und darum bittet, dass die Menschheit nicht vergessen wird, wissen wir schon, dass hinter Karellens Friede-Freude-Eierkuchen-Politik mehr steckt als reiner Wohlwollen für die Menschheit. Das fängt schon damit an, dass sich die Overlords den Menschen zuerst nicht zeigen. Karellen „engagiert“ Ricky Stromgren (Mike Vogel), einen Farmer aus Missouri, als Botschafter (in Clarkes Roman ist Stormgren von den UN), der mit den Mächtigsten auf Erden verhandeln soll, damit alle friedlich Karellens Anweisungen Folge leisten. Die Ankunft der Overlords verändert auch das Leben der Familie Greggson, deren Kinder im Laufe der Zeit etwas, nunja, seltsam werden.

Clarkes Roman erschien erstmals 1953, also 15 Jahre vor 2001: Odyssee im Weltraum. Auch wenn Matthew Graham (Doctor Who) und Regisseur Nick Hurran (Doctor Who, Sherlock) sich einige Freiheiten bei der Umsetzung genommen haben, ist es doch erstaunlich, wie aktuell viele der Themenkomplexe geblieben sind. Ganz zu schweigen davon, wie vertraut einige Elemente wirken – ein deutlicher Hinweis darauf, wie einflussreich Clarkes Roman über die Jahrzehnte hinweg gewesen ist (die Ankunft der Overlords erinnert zum Beispiel stark an Independence Day – der Clarke seinerzeit an Childhood’s End erinnerte). Viele der Änderungen, die Graham und Hurran vorgenommen haben, betreffen die Figuren und deren Hintergrund. Die letzte Generation hat nur wenig Dialog und erstreckt sich über einen sehr viel längeren Zeitraum hinweg. Es ist weniger auf die Figuren konzentriert, sondern thematisiert die Veränderungen auf der Erde und in den Menschen, die nach der Ankunft der Aliens stattfinden. Die Serie gleicht dieses Defizit aus, indem sie den Hauptfiguren, allen voran Stormgren und Rodricks, mehr Tiefe und eine (teilweise) andere Hintergrundgeschichte verleiht. Trotzdem bleiben sie im Grund dieselben: Milo Rodricks, der auf Jan Rodricks aus dem Roman basiert, wird trotz aller Abänderungen nach wie vor von einem gewaltigen Wissensdurst angetrieben, mehr über die Overlords zu erfahren und der erste Mensch zu sein, der ihren Heimatplaneten betritt. Manche der Themen, die Clarke im Roman anschneidet, werden in der TV-Serie an bestimmte Figuren gebunden. So personifiziert die gläubige Christin Peretta Jones (Yael Stone) den Untergang der großen Religionen sowie die Weigerung mancher, ihren Glauben aufzugeben. Dieser Aspekt wurde für meinen Geschmack etwas zu sehr in den Fokus gerückt, den ich lieber auf anderen Themen, etwa dem Tod der Neugierde oder der Stagnierung des Lebens im ewigen Wohlstand und Glück, gesehen hätte.

Die Ereignisse in Childhood’s End spitzen sich in drei Episoden jeweils in Spielfilmlänge zu, bis wir wieder am Anfang, bei der allerersten Szene, angekommen sind. Das gewählte Format erweist sich als perfekt für die Umsetzung: Ein Film hätte zu viel weglassen müssen, eine zehnteilige Serie hätte unnötige Längen aufgewiesen. Während sich die Ereignisse in Clarkes Roman über einen sehr viel längeren Zeitraum hinziehen (Karellen zeigt sich hier beispielsweise erst nach 50 Jahren den Menschen, nicht nach 15) und demzufolge eine Reihe von Figuren wegfallen, behält die Serie den Cast durchgehend bei, was die Orientierung wesentlich erleichtert. Alles in allem ist dem Syfy-Channel mit Childhood’s End eine respektvolle und visuell ansprechende Adaption eines Klassikers gelungen, der, genau wie Clarkes Roman, am Ende eine schalen Geschmack im Mund hinterlässt.

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Bilder (und Spoiler): syfy.com

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