Konzert: 23.09.2016 – Vlad in Tears, Nox Interna, The Pussybats – Backstage Club (München)

Gothic, Glam und Guernica

Ich muss zugeben, ich kenne die drei Bands Vlad in Tears, Nox Interna und The Pussybats bislang nur dem Namen nach. Umso mehr bin ich nun gespannt, was mich heute Abend erwartet. Konzerte aus dem Gothic-Bereich sind in München ja leider eher selten. Als ich im Club eintreffe, ist dieser mit ca. 60 bis 70 Leuten gefüllt, und es sollen auch nicht wesentlich mehr werden. Was aber sofort auffällt, das Publikum ist größtenteils weiblich. Mir wird später auch klar warum, sehen doch die Musiker aller drei Bands recht gut und schon fast Boygroup-kompatibel aus. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

IMG_1626The Pussybats eröffnen den Abend. Sie haben zwar nur für sechs Songs Spielzeit bekommen, lassen sich davon aber nicht beirren und legen einen sympathischen und energiegeladenen Auftritt hin. Diesen lockern sie durch die Songansagen und einige witzige Sprüche auf. Frage vom Sänger an den Bassisten: „Wie gefällt dir der Auftritt heute?“, Antwort: „Scheiße!“ unter großem Gelächter. Überhaupt, der Bassist sieht aus wie der Sohn von Alice Cooper und Nikki Sixx. Vom Sound her sind The Pussybats für meinen persönlichen Geschmack etwas zu glatt und zu eingängig poppig, aber den Anwesenden gefällt es sehr gut, und es gibt ordentlich Applaus.

Nach kurzer Umbaupause betreten Nox Interna die Bühne und verändern die Stimmung merklich. Die Band sieht aus, wie gute Gruftis eben aussehen müssen, und nicht nur der Sound wird wesentlich düsteter, auch das Bühnenlicht wird reduziert. Eigentlich fehlt nur noch der Nebel, schade. Die Bassdrum vom Schlagzeug empfinde ich zwar als zu laut, weil sie so eine Tanzbarkeit erzeugt, die der gothischen Atmosphäre entgegenwirkt. Dennoch sind Nox Interna für mich die Favoriten des Abends. Der Gesang wird teilweise auf Spanisch vorgetragen, was wirklich toll klingt, und die Jacke von Richy Nox ist der HammeIMG_1690r, handbemalt in schwarzweiß mit Pablo Picassos „Guernica“ über den spanischen Bürgerkrieg. Auch die Bühnenshow ist außergewöhnlich, denn Richy Nox präsentiert zunächst auf einer Staffelei ein handgemaltes Selbstporträt auf Leinwand, nur um es im Laufe der Show mit Farbe zu beschmieren. Später zerschlitzt er es plakativ mit einer Schere, und zum Schluss wird auch noch der Rahmen zerstört. Das ist echt aufwendig, wenn für jede Show ein neues Porträt gemalt werden muss. Nichtsdestotrotz freut sich ein weiblicher Fan, die die sterblichen Überreste des Gemäldes daheim an die Wand hängen will. Sehenswert ist auch der Auftritt mit einem LED-beleuchteten Regenschirm und der Moment, als mittels Ventilator und Daunenfedern quasi Schneetreiben auf der Bühne simuliert wird. Da haben sich Nox Interna echt etwas einfallen lassen, um ihre Show wirkungsvoll zu inszenieren.

Die folgende Umbaupause dauert deutlich länger, zumal der Sound auch noch einmal neu eingestellt wird. Durch die absolut nervtötende eingespielte Pausenmusik sind es gefühlte Ewigkeiten. Ich bin kurz davor wieder zu gehen, zumal Vlad in Tears beim kurzen YouTube Check gar nicht mein Ding gewesen sind. Dafür werde ich dann aber doch positiv überrascht, weil die Mannen um Sänger Kris Vlad musikalisch deutlich härter als erwartet auftreten, eher wie eine Glam-Metal-Band. Sein Aussehen, das an den jungen Ozzy Osbourne erinnert, trägt zu diesem Eindruck zusätzlich bei, mit seinem langen wallenden Haar sowie IMG_1931tief ausgeschnittenen und mit Nietenösen verzierten Achsel-Shirt, hinter dem immer wieder die Brustwarzen hervorblitzen. Das weibliche Publikum gerät in Entzückung, und er hat die Menge fest im Griff. So sehr, dass er sich auch zu Stadionrock-Animationen hinreißen lässt, die ich im kleinen Rahmen immer als albern und peinlich empfinde. Das sehen die Damen natürlich anders und machen begeistert mit, sodass es alles in allem ein guter und rockiger Auftritt ist. Mittendrin springt der Bassist der Pussybats in die Menge und hält ein Plakat hoch mit der Aufschrift „Ich will ein Kind von Dir!“, eine Aktion, die für jede Menge Heiterkeits sorgt. Zum Ende hin wird Kris Vlad allein von Gregor Friday an der Akustikgitarre begleitet. Ein ruhiger und intimer Moment, vielleicht der beste des gesamten Auftritts.

Fazit: Auch wenn es besser hätte gefüllt sein können, war es insgesamt doch ein schöner Abend mit drei live gut agierenden Bands, und die Meinungen darüber, wer nun heute am Besten aufgespielt hat, werden naturgemäß auseinandergehen. Alle Bands wurden gleichermaßen abgefeiert. Ich bin mir ziemlich sicher, daß die meisten Anwesenden den Abend als grandios empfunden haben, persönlich bewerte ich ihn aber wegen meiner musikalischen Differenzen mit

The Pussybats Setlist:
Dance with the Devils
Silver Bullet
Nö Römeö
I know
4 a Revolution
Tunes for Teddybär

Nox Interna Setlist:
Parasites
Rechazo de Sueños
An eastern Song
Tomorrow never knows
Kill yourself
The Deeds of Disdain
Misery
Dead Heroes
1984
Pray

Vlad in Tears Setlist:
Over again
Blame yourself
Mary
Far away
Okay
Don’t let us
Still here
Die today
Lies
Wicked something
Blood
Bleed on
Kiss my Soul
Be inside

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