Kultur: Ausstellung „Du bist Faust“ in der Kunsthalle München

Sympathy for the Devil?

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Faust war und ist Goethes berühmteste Tragödie. Freilich, viele haben ihn vielleicht als Schullektüre lesen müssen, aber die Geschichte ist doch wirklich fantastisch! Faust, dieser Mann, der noch was erleben will, wieder jünger sein will, begehren und begehrt werden will, schließt einen Pakt mit Mephisto, dem Teufel. Dieser erklärt sich bereit, Faust alle seine Wünsche zu erfüllen.

Wenn Faust aber tatsächlich sein Lebensglück gewinnen sollte, würde seine Seele dem Teufel gehören. Nachdem er durch einen Zaubertrank verjüngt wird, begegnet er dem blutjungen, schönen Gretchen und will sie für sich gewinnen.

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Frank Cadogan Cowper: Eitelkeit, 1907

Diese ist aber eigentlich sehr brav, und man muss schon mit Tücke und Raffinesse herangehen, um sie für sich gewinnen zu können. Und tatsächlich, sie beginnt sich für ihn zu interessieren, verliebt sich in ihn!

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Ausschnitt aus Franz Dobiaschofskys „Faust und Gretchen im 19. Jahrhundert“, 1848

Doch während sie sich nach seiner Religiosität erkundigt, baggert er sie eigentlich nur an. Lange Rede, kurzer Sinn: Gretchen ist verloren. Sie wird schwanger, tötet ihr Kind, wird entdeckt und inhaftiert. Faust will sie zwar aus dem Kerker befreien, doch Gretchen hat Angst um ihr Seelenheil. Sie bleibt und wendet sich Gott zu, während Faust und Mephisto fliehen.

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Aus F. W. Murnaus „Faust“

Diese irre Geschichte hat seit ihrer Veröffentlichung im frühen 19. Jahrhundert unzählige Künstler inspiriert. In der Ausstellung werden mehr als 150 Kunstobjekte aller Art gezeigt, vom antiken Gemälde bis hin zu Fotografien, Vertonungen und sogar modernen Filmausschnitten wie die eines Martin Scorsese. Sogar Modeschöpfer – Karl Lagerfeld hat seinerzeit Claudia Schiffer zum Gretchen gemacht – ließen sich anregen.

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Claudia Schiffer als Karl Lagerfelds „Gretchen“

Einen wunderschönen Raum nach dem anderen durchwandert man, thematisch jedes Mal anders gestaltet, passend zum Thema, chronologisch zur Faust-Geschichte: Der Pakt mit dem Teufel, Gretchens Verführung, dann ihre Liebe zu Faust, seine Zerstreuung in der Walpurgisnacht,

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Ausschnitt aus „Luis Ricardo Falero, Der Aufbruch der Hexen, 1878“

Gretchens Verzweiflung und Tat, und dann das bittere Ende.

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Pascal-Adolphe-Jean Dagnan-Bouvert: Margarete auf dem Hexensabbat, 1910

Das alles kann man ins moderne Leben transferieren. Die vielen Spiegel, in denen man sich betrachten kann, sie sind nicht nur optisch toll, sie sind sozusagen auch ein Spiegel, der uns vorgehalten wird. Jugendwahn, Erlebnisdrang, Geltungssucht, Egoismus, verführen wollen und verführt werden, diese Themen sind heute wie damals an der Tagesordnung. Forever young, viel erleben wollen, tausend Freunde, Likes auf Facebook, Herzchen auf Instagramm und Follower sammeln um fast jeden Preis. Am Ende der Ausstellung wird man gefragt, wem der drei Hauptfiguren man am ähnlichsten ist. Ist man der schillernde Mephisto, der teuflische Verführer, sieht man sich als der Gelehrte Faust, der immer „höher, schneller, weiter“ will, oder ist man das brave Gretchen, das letztendlich dann doch ihren Versuchungen nachgibt.

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Video-Installation in Kooperation mit dem Residenztheater München Darstellerin: Bibiana Beglau (Mephisto)

Die Installation am Ende des Parcours ist faszinierend. Der Raum ist wie ein Theater ausgestattet, man sieht sich selbst auf der Bühne neben oder hinter den Installationen von drei Schauspielern stehen. Sie sprechen Monologe aus der Faust-Inszenierung des Münchner Residenztheaters. Und weil alles so schön verspiegelt ist … und weil man sich so schön im Spiegel sieht … und weil man fotografieren darf …: „Klick“ – schon ist ein Foto gemacht. Mal sehen, wer das nachher liked.
Faust, das sind wir alle!

Die Ausstellung ist der Start zum Münchner Faust-Festival: faustfestival.com

Kunsthalle München kunsthalle-muc.de/ausstellungen/details/dubistfaust/
Dauer der Ausstellung: 23. Februar bis 29. Juli 2018
Regulärer Eintritt 12 Euro
Täglich geöffnet von 10 – 20 Uhr
Zur Ausstellung gibt es einen schönen Katalog vom Prestel Verlag zum Mitnahmepreis von 29 Euro.

 

 

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