Rezension: Airen – I Am Airen Man

Rausch wilder Zeiten

Airen geht nach einem anstrengenden Studentenleben in Berlin und Frankfurt/Oder nach Mexico-City. Hier durchlebt er triste Tage und spannende Nächte. Seine Arbeit vergisst er bald völlig und erkauft sich Atteste für einige Pesos. Im Dauerrausch hat er nur wenige Interessen: Drogen, Alkohol und Sex. Dabei ist er immer wieder auf der Suche nach neuen Eindrücken und ständigem Highsein.

Das Buch ist zusammengestellt aus Blogeinträgen des Autors. Mit derber Sprache beschreibt er sein Leben in Mexico, die Liebe, die Sucht, die Probleme – und all das Schöne, das ihn von der Masse abspaltet. Offen erzählt er, welche Drogen er konsumiert und wie leicht er an diese herankommt. Muss er lügen, so tut er es. Muss er jemanden bestechen, scheut er auch davor nicht zurück. Das Geld geht zwar aus, aber niemals der Stoff und in den Zeiten, in denen er nicht auf Koks, Speed oder ähnlichem ist, betrinkt er sich. Nur immer high sein! Schonungslos ehrlich schildert er seine Exzesse – und dass es gar nicht gut ist, keine Rauschmittel und keinen Alkohol zu haben.
Die Geschichte ist weniger zusammenhängend. Vielmehr sind es Fetzen wie in einem Tarantino-Streifen, mit der Beschleunigung von „Crank“. Krasse Bilder wechseln sich ab mit etwas Vernunft, die ab und zu durchzukommen scheint und am Ende wohl siegt, als Airen wieder zu Hause ist bei den Eltern. Im Schlepptau hat er seine Mexikanische Freundin Lily, die schwanger ist. Zurecht findet er sich allerdings nicht mehr. Die Technozeit ist vorbei und das Leben, das er einmal in Deutschland geführt hat, kann ihn nicht mehr begeistern.
Die krassen Wahnvorstellungen und Paranoiaschilderungen aus Hunter S. Thompsons „Fear and Loathing“ fehlen hier. Obwohl das Setting ähnlich ist und Airen ebenso wenig wie Thompson seine Erlebnisse und den Drogenkonsum reflektiert, ist „I am Airen Man“ ein eigenständiges Werk. Der Autor hat weniger exzessiv gelebt und jagte nicht dem Amerikanischen Traum nach. Ihm scheint es um die Flucht aus der Realität zu gehen, um ein permanentes Highsein, das sein Leben spannender macht. Dabei ist er sich der Stärke der konsumierten Drogen bewusst und achtet darauf, nicht zu übertreiben, wie die Akteuere in „Fear and Loathing“.
Airen ist kein Unbekannter. Seine Erfahrungen aus dem Berliner Club Berghain schrieb er zuerst in seinem Blog und dann im Debütroman „Strobo“ nieder, der vor allem dadurch Aufmerksamkeit erregte, dass er von Helene Hegemann in „Axolotl Roadkill“ stellenweise geguttenbergt wurde. Der Autor schreibt unter anderem für den Rolling Stone und die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung.
Das Werk lässt sich schnell lesen. Gespickt mit viel Ironie, entsetzten Lachern und Widerlichkeiten. Man möchte nicht wissen, was andere auf Toiletten tun, und muss es hier doch lesen. Da hilft es, wenn man sich bewusst ist, dass Airen die Einträge meist in betrunkenem Zustand verfasst hat.
Was einen hier erwartet sind rasant erzählte Momente, voller Rausch und der Suche nach dem nächsten Trip, voller Liebe und Abschätzigkeit und endlosen Exzessen.

„Und dann legst du den Kopf wieder an die Scheibe und wischst das Bild frei, für den nächsten Lebenshappen.“ (I Am Airen Man, S. 135.) 

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Airen – I Am Airen Man
Heyne Hardcore, Taschenbuch, 2011.
176 Seiten
8,99 Euro

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