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Sonstiges: Nachruf auf Terry Pratchett

Fürchte den Sensenmann nicht

pratchett_terry_72dpi_7399„DON’T THINK OF IT AS DYING, said Death. JUST THINK OF IT OF LEAVING EARLY TO AVOID THE RUSH.“
Weise und auch ein wenig tröstende Worte desjenigen, der es wissen muss. Der Tod, eine der menschlichsten der zentralen Figuren aus Sir Terry Pratchetts Scheibenwelt-Kosmos, holt die Seelen der Menschen nach ihrem Ableben ab, begleitet sie wie ein guter Freund.
Zu so einem guten Freund ist Sir Pterry vielen Millionen Lesern im Laufe der letzten Jahrzehnte geworden. Durch sein schriftstellerisches Werk, seine klugen Interviews, seine schwarzen Fedora-Hüte, seine Faszination für die verschiedensten Dinge, sein Engagement für bedrohte Orang-Utans, seinen einzigartigen Witz, der kaum in andere Worte als seine eigenen zu fassen ist.

Sir Terence David John Pratchett, OBE, geboren am 28. April 1948 in Beaconsfield, Buckinghamshire, gestorben am 12. März 2015 an den Folgen seiner langjährigen Alzheimer-Erkrankung in Broad Chalke, Wiltshire, war einer der ganz großen Schriftsteller und Humoristen unserer Zeit. Wir verdanken dem Briten 40 Scheibenwelt-Romane (der einundvierzigste soll posthum erscheinen) sowie diverse andere liebevoll-verrückte Werke, wie zum Beispiel die Nomen-Trilogie oder Jugendbücher wie Nur du kannst die Welt retten. Er hat insgesamt über 85 Millionen Bücher in 37 Sprachen verkauft, und selbst Nicht-Fantasy-Leser wie mich konnte er mit seinem Witz, seiner Phantasie, seiner schriftstellerischen Begabung mitreißen und zu lebenslangen Fans werden lassen.

Was wäre die Literatur ohne die Scheibenwelt, die tatsächlich eine Scheibe ist und auf vier Elefanten ruht, die wiederum von der enormen Schildkröte Groß A’Tuin durchs Weltall getragen werden? Was wären wir Leser ohne so ausgefallene Figuren wie den Bibliothekar der Unsichtbaren Universität in Ankh-Morpork, der größten Stadt der Scheibenwelt? Durch einen missglückten Zauber wurde er in einen Orang-Utan verwandelt und findet, dass seine neue Gestalt ihm nur Vorteile bei seiner Arbeit bringt – vor allem, wenn er es mit verängstigten oder gefährlichen und wehrhaften Büchern zu tun hat.
Was wären wir ohne Truhe, den robusten Reisekoffer aus intelligentem Birnbaumholz, in die unendlich viel hineinpasst, aus der aber wenig wieder herauskommt; die bis aufs Blut loyal ist und über eine deutlich lesbare Mimik verfügt – und viele scharfe Zähne.
Was wären wir ohne Treibe-mich-selbst-in-den-Ruin-Schnapper, die Stadtwache, die bärtigen Zwerge (Männer und Frauen gleichermaßen), die trotteligen Zauberer, die explodierenden Sumpfdrachen, die Hexen und all die anderen Figuren, die diese Welt bevölkern?
Was wären wir ohne die vielen klugen, hintersinnigen und so unglaublich wahren Sätze in Terry Pratchetts Büchern, aus denen man stundenlang zitieren könnte?

Ärmer wären wir. Wir hätten sehr viel weniger im Leben gelacht, wir hätten uns sehr viel weniger über einen Lieblingsautor ausgetauscht und uns über dessen geniale Umsetzungen von aktuellen Themen in eine schräge und fremde, aber trotzdem unheimlich vertraute Welt begeistert.
Zu Recht wurde Terry Pratchett für seine Verdienste um die Literatur 2009 in den Ritterstand erhoben, nachdem er 1998 bereits zum Officer of the Order of the British Empire (OBE) ernannt worden war. Bereits mit dreizehn veröffentlichte er seine erste Kurzgeschichte, arbeitete nach der Schulzeit einige Jahre als Journalist, bis er schließlich 1971 sein erstes Buch veröffentlichte, Die Teppichvölker.
1983 erschien mit Die Farben der Magie (The Colour of Magic) der erste Band der Scheibenwelt-Romane, und der Rest ist Geschichte …
Selbst die niederschmetternde Diagnose einer extrem seltenen Form von frühem Alzheimer im Jahr 2007 konnte ihn nicht vom Schreiben abhalten, im Gegenteil. Er hat sich in den folgenden Jahren intensiv für die Erforschung der Krankheit engagiert sowie für das Recht auf Sterbehilfe.

Gestorben ist er friedlich im Kreis seiner Familie daheim, mit der Katze auf dem Bett. Uns Fans bleiben seine Bücher, seine Interviews, sein Andenken und vor allem sein Humor.
Seine Tochter postete als letzte Nachricht auf seinem Twitter-Account:

AT LAST, SIR TERRY, WE MUST WALK TOGETHER.
Terry took Death’s arm and followed him through the doors and on to the black desert under the endless night.
The End.

Photocopyright: Christian Thiel / Goldmann Verlag

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