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King of the Wasserstoff!

idol_bdancing_with_myselfSeine Autobiographie Dancing With Myself leitet zusammen mit dem quasi gleichzeitig erscheinenden neuen Studioalbum Kings & Queens of the Underground ein Comeback für Billy Idol ein.

Der Prolog startet unvermittelt mit den Aufnahmesessions des Albums Charmed Life mit so dermaßen viel Sex, Drugs and Rock’n’Roll, dass es trotz Erfüllung aller Klischees irgendwie schockiert, was einerseits ehrlich ist, andererseits bezüglich des Schockmoments sicherlich wohl kalkuliert ist. Damit nicht genug, es ist der 7. Februar 1990, an dem einen Idol beinahe tödlichen Motorradunfall erleidet und die Ärzte die Amputation seines rechten Beines in letzter Sekunde verhindern können. Gleich zwei Schockmomente zu Beginn des Buches, der Leser ist nun entweder angefixt oder er legt es angewidert weg.

Danach ist das Buch im Wesentlichen chronologisch in die wichtigsten drei Lebensabschnitte in London, New York City und Los Angeles unterteilt, immer wieder reflektiert vor allem gegenüber seinem musikalischen Werdegang, beginnend schon in der Kindheit und Schulzeit. So lässt sich die Entwicklung von William Michael Albert Broad zu Billy Idol sehr gut nachvollziehen.

Sehr spannend finde ich die Zeit in London. Ich habe viel erfahren, das ich noch nicht wusste, beispielsweise, dass Idol den Punk-Club Roxy gegründet hat und eng mit Susan Dallion befreundet war, der späteren Grand Dame des Gothic Siouxsie Sioux. Ersten Ruhm erntet Idol schon früh mit seiner Punk-Band Generation X, die nach den Sex Pistols (denen er zusammen mit Siouxsie in einer Art Fanclub namens The Bromley Contingent) nachreist, und The Clash zum Sprachrohr einer neuen Generation von frustrierten Jugendlichen wird.

Danach geht es nach New York City, um als Solokünstler durchzustarten, und schließlich nach Los Angeles. Immer wieder erzählt Idol von Drogenexzessen und Sexeskapaden, hält sich dabei aber gefühlsmäßig im Vergleich zum Prolog etwas zurück. Dafür legt er den Fokus stärker darauf, woher die Inspirationen für seine Songs stammen, sei es musikalisch oder textlich. Dies wird insbesondere interessant, wenn man dazu die jeweiligen Songs wie „Rebell Yell“, „Mony Mony“, „White Wedding“ oder dem titelgebenden „Dancing With Myself“ auflegt. Außerdem erhält der Leser einen Einblick in die Studioarbeit und erfährt von so mancher Begegnung mit berühmten Persönlichkeiten. Auch das Privatleben Billy Idols kommt nicht zu kurz: Immer wieder reflektiert er die Beziehung zu seiner langjährigen Freundin Perri und die Liebe zu seinen Kindern, Sohn Willem Wolfe und Tochter Bonnie Blue, und erzählt, wie er es schließlich schafft, seine Drogensucht zu überwinden. Darüber hinaus enthält das Buch auch einen Bildteil, bei dem viele Bilder dem Idol-Familienarchiv entstammen.

Ein ehrliches und mutiges Buch, bei dem ich wegen der eher einfachen Sprache tatsächlich das Gefühl habe, dass Billy Idol es selbst geschrieben und sich nicht eines Ghostwriters bedient hat (zumindest soweit sich das anhand der mir vorliegenden deutschen Übersetzung sagen lässt, das englische Original ist sicherlich die erste Wahl). ‚Einfache Sprache‘ ist hier nicht negativ gemeint, im Gegenteil: So wird das Buch auch für Menschen lesbar, die musikalisch weniger bewandert sind, wenn der Entstehungsprozess eines Albums im Studio erläutert wird. Für Fans von Billy Idol ist seine Autobiografie ohnehin ein Muss und eine definitive Empfehlung für alle, die Interesse an der frühen Punk und Gothic Szene in London haben.

„All das schreibe ich jetzt schwarz auf weiß nieder, direkt aus meinem Herzen aufs Papier. Ich lehne mich hier ziemlich weit aus dem Fenster, also gebt mir Rückendeckung.“
O.K. Billy, meine hast Du!

:lesen::lesen::lesen::lesen::lesen:

Billy Idol: Dancing With Myself
Hardcover, 464 Seiten, € 19,99
Heyne Hardcore, München 2014

Mehr Infos

– Mrs. Hyde

(1749)

2 Kommentare
  1. Horusauge
    Horusauge sagte:

    Eine sehr schöne Review!
    Die „einfache Sprache“ kann ich absolut unterschreiben, nachdem ich das Buch derzeit auch lese. Die Lektüre liest sich flüssig und gut – ich denke, dass ist auch dem Übersetzer zu verdanken.

  2. Phoebe
    Phoebe sagte:

    Eine schöne Rezension zu einem Buch über eins meiner ganz frühen Idole, interessant und empathisch geschrieben.

    „Flesh – Flesh for Fantasy!“

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