Schweden für Anfänger – oder eher nicht?

 

lars-simon-elchscheisseManchmal gibt es ja Bücher, die einen ab dem ersten Blick aufs Cover in ihren Bann ziehen. Ein genau solches glaubte auch ich in einer bekannten Buchhandlung am Münchner Stachus mit Elchscheiße von Lars Simon erstanden zu haben. Als bekennender Schweden-Junkie habe ich bei diesem 288 Seiten starken Taschenbuch mit Elch auf dem schwedisch-blau-gelben Cover natürlich sofort zugegriffen.

Das Erstlingswerk des ehemaligen Schweden-Auswanderers Simon liest sich zu Anfang auch sehr schmissig. Wenn der Chaot Torsten Brettschneider als von der Midlife-Crisis geplagter Ich-Erzähler zur Urmann-Therapie geht und dabei die Beziehung zu seiner Freundin versemmelt, ist das wirklich witzig. Die Ausgangslage ist ebenso vielversprechend: Torsten erbt von seiner unbekannten Tante einen Bauernhof mitten im schwedischen Nirgendwo und beschließt, auf der Stelle dorthin auszuwandern. Dass das nicht gutgehen kann, versteht sich von selbst und ein kiffender Anhalter, ein ehemaliger norwegischer Partisan mit Hass auf alle Deutschen, diverse niederträchtige Alkoholiker-Nachbarn und ihre gewalttätigen Motorradrocker-Söhne komplettieren die Story.

Leider geht dem Buch spätestens irgendwo auf der Brücke nach Malmö die Luft aus. Ab da besteht die Geschichte nur noch aus einer Aufzählung immer absurder werdender Untaten der schwedischen Landbevölkerung gegen den armen, naiven Torsten, der diese dann bitterböse kommentiert und im Endeffekt dahinter kommt, dass sein Vater, der Schweden und seine Einwohner abgrundtief hasst, wohl recht hat. Als Leser empfindet man vielleicht noch Schadenfreude, aber ganz sicher keinerlei Sympathie mehr für irgendeinen der Charaktere, auch nicht den Erzähler selbst.
Wie diese Farce letztendlich ausgeht, darf jeder gerne selbst lesen. Nur so viel sei gesagt: Was im Mittelteil extrem schwunglos und langatmig wird, nimmt zumindest gegen Ende noch einmal etwas an Fahrt auf und versucht, einen annähernd spannenden Höhepunkt zu erreichen.

Prinzipiell ist der Grundgedanke gut und hätte eine lustige Satire auf blauäugige Auswanderer ergeben können, ebenso hätte Simon sicherlich die Schrullen der Schweden aufs Korn nehmen dürfen. Aber was letztendlich herausgekommen ist, ist nichts mehr als eine Aneinanderreihung billiger Polemik, die gerne satirisch und humorvoll wäre. Manchmal liegt der Schlüssel zu guter Unterhaltung eben nicht in der brachialen Übertreibung. Ein wenig mehr Subtilität hätte dem Buch sicher gut getan. Vielleicht hat der Autor mit seinem Erstlingswerk einfach etwas zu viel gewollt oder ich, als bekennender Schweden-Fan, war so gar nicht die Zielgruppe des Buches.

Bewertung: 2/5 Smilies, weil immerhin die Grundidee gut wäre und das Cover auf dem Regal echt schick aussieht.

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Lars Simon: Elchscheiße
dtv, 2014
Taschenbuch, 288 Seiten

Preis: € 9,95; Ebook € 7,99

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