Buch: Nicole Neubauer – Kellerkind

Von Blut, viel Blut, und ob es dicker ist als Wasser

kellerkind

Bei der Fülle von Kriminalromanen, die jeden Monat neu erscheinen, muss dich irgendetwas ansprechen, das deine Aufmerksamkeit weckt und dich veranlasst, dir das Buch zu kaufen. Bei mir war es das Wort „Ingolstadt“. Die Autorin Nicole Neubauer wurde 1972 in Ingolstadt (auch meine Geburtsstadt) geboren und studierte Literaturwissenschaft und Jura. Sie arbeitete in einer Wirtschaftskanzlei und ist nun freiberuflich tätig als Autorin, Lektorin und Rechtsanwältin in München, wo sie nun lebt. Ihr Roman Kellerkind ist der erste Band einer Reihe über ein Ermittlerteam in München.

Es fiel mir anfangs etwas schwer, in die Handlung einzutauchen. Alles prasselte relativ gleichzeitig auf mich ein: ein Junge aus einem Keller, eine Leiche in einer Küche, ein mehrköpfiges Ermittlerteam, zu befragende Personen. Namen über Namen, die aber nach einigen Seiten dann doch zu interessanten Menschen mit Gesichtern und Hintergründen wurden. Schön sind auch die kleinen Szenerien und Beschreibungen der Ecken in München, in denen die Polizei sich gerade aufhält, sei es die Autobahnauffahrt Höhe Highlight Towers, eine kleine Ecke in Schwabing oder ein real existierendes Restaurant namens Waldfee. Und das alles ganz unaufgeregt und ohne den schmarrigen Witz, den manche Autoren mit „Lokalkolorit“ verwechseln. Schön auch manche, ganz vereinzelte, aber dennoch wirkungsvolle Sätze wie: „Ihre Worte hatten einen warmen Fleck in seiner Brust hinterlassen“.
Ich freue mich auf mehr von Frau Neubauer aus Ingolstadt – mit ihrem schon im ersten Fall liebenswerten Team.

Aber alles auf Anfang:

Ein Junge flüchtet aus einem Keller, übersät mit Schnittwunden, kaputter Hand und zum Teil alten Prellungen und Brüchen, Blut an den Händen. Es ist das Haus, in dem eine Frauenleiche gefunden wurde. Es ist Frau Rose Benninghoff, inmitten von einem See aus Blut, der Kopf fast vom Hals abgetrennt. Sollte es so einfach sein? Ist der Junge, Oliver Baptiste, Sohn eines reichen, renommierten Geschäftsmannes, der vor noch nicht allzu langer Zeit mit dem Opfer liiert war, der Täter? Das Ermittlerteam bestehend aus den Kommissaren Waechter, Hannes Brandl, Elli Schuster und „HDS“, dem Herrn des Schweigens, forscht in alle Richtungen, es tut sich schwer, auch der Jahrhundertwinter mit wirklich kalten Temperaturen macht es keineswegs leichter. Sehr schnell gibt es einige Personen, die Auskunft geben können zu Rose Benninghoff, die sehr abgekapselt lebte und nichts von sich preisgab. Da ist die Nachbarin Judith Herold, die erst in den Gesprächen mit den Kommissaren merkt, dass sie rein gar nichts Persönliches von Rose wusste. Dann gibt es den Vater des Jungen, Laurent Baptiste. Er war mit Rose einige Zeit zusammen, nun aber lässt ihn ihr Tod erstaunlich kalt. Er scheint sich nur um Oliver zu sorgen. Oliver hingegen hat Angst vor ihm und ist deshalb oft bei seiner „Stiefmutter“ gewesen. Die Ermittler bekommen nach einer Woche allmählich großen Druck auferlegt, heißt es doch bei Mordfällen, je länger man braucht sie aufzulösen, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass man es nicht schafft. Hinzu kommt auch, dass Waechter, Brandl und Schuster echte Menschen mit Privatleben, Sorgen und Problemen sind.
Nach etwa der Hälfte des Buches kann man es kaum mehr weglegen. Ist der Täter einer der Baptistes? Was hat es mit dem geheimnisvollen Mann im Altenheim auf sich, der jeden Tag nur Bilder von einer Rose malt? Was für eine Rolle spielt Roses Nachbarin Judith, die eigentlich schwer krank ist? Fesselnd sind aber auch die Charaktere der Kommissare: Wie wurde aus Waechter ein Messie? In welcher Beziehung steht er zu Elli? Und hoffentlich geht die Geschichte um Hannes große Tochter aus seiner früheren Beziehung gut aus. Das alles treibt einen an weiterzulesen.
Und noch eins: Das Ende konnte man wirklich bis zum Schluss nicht vorhersehen.

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Nicole Neubauer: Kellerkind
Blanvalet Taschenbuch Verlag (Januar 2015)
416 Seiten
9,99 Euro
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