Buch: Umberto Eco – Die Geschichte der legendären Länder und Städte

Was Sie schon immer über legendäre Orte wissen wollten – und noch viel mehr!

Eco_Die Geschichte der l St u LAtlantis, Thule, das Schlaraffenland, jeder kennt zumindest eine Geschichte über legendäre Länder und Städte. Aber woher kommen die Sagen und Legenden? Umberto Eco hat sich auf die Suche gemacht, und in seiner gewohnt sorgfältigen Art hat er sich über alle Quellen hergemacht, die ihm unter die Finger gekommen sind.

Ecos Buch beginnt mit einer Welt, die nicht wirklich legendär ist: der unsrigen. Allerdings nicht in ihrer heutigen Form sondern als Scheibe. Interessanterweise wurde schon vor Christi Geburt der Erdumfang mit verschiedenen Methoden berechnet, mit teils erstaunlich genauen Ergebnissen. Und das Bild der Erde als Kugel hat sich, zumindest unter Wissenschaftlern, auch durch die Jahrhunderte gehalten. So war es zum Beispiel auch nicht das Anliegen von Kolumbus zu beweisen, dass die Erde rund ist. Was er genau zu finden hoffte, erfährt man genauer im Kapitel über das Paradies. Nach dieser Einführung arbeitet sich Eco systematisch durch die verschiedensten Legenden: von Atlantis, Eldorado und Mu über die Wanderungen des Grals und utopische Inseln bis hin zu Städten im Untergrund und dem Erdinneren.

Schnell fallen beim Lesen zwei Sachen auf: Es ist nicht das erste Sachbuch oder die erste wissenschaftliche Abhandlung von Umberto Eco, was sich vor allem im sehr genauen Quellenstudium, in den Querverweisen und Zitaten zeigt. Aber sein unterhaltsamer und interessanter Schreibstil, wie man ihn aus seinen Romanen und Geschichten kennt, zieht sich auch durch dieses Buch. So haben mich viele Stellen zum Schmunzeln gebracht.

Ein ganzes Kapitel widmet Eco auch der Entstehung neuer Legenden. So entstanden die Mythen, die sich um Renne-le-Château ranken, erst ab 1885 und später, locken aber ganze Heerscharen von Schatzsuchern immer noch in die französischen Berge. Auch in moderner Literatur finden sich Verweise auf diesen Ort, Dan Brown hat ihn in Sakrileg zu einem wichtigen Punkt der Handlung erhoben.

Beim ersten Lesen hat man wahrscheinlich nicht die Muße, sich alle Bilder und mitgelieferten Texte genau zu betrachten und durchzulesen. Dafür wird man sicher bei jedem Lesen ein weiteres Detail finden und einen neuen Aspekt der Geschichte wird sich auftun. Wenn man das Buch aufschlägt fallen als erstes die vielen Abbildungen auf; fast jede Seite ist mit Gemälden oder alten Landkarten geschmückt.

Zusätzlich zu den extensiven Quellenangaben folgt auf jedes Kapitel auch ein Auszug der wichtigsten Texte, auf die Bezug genommen wird. So lässt sich Interessantes schnell nachlesen, ohne das Internet bemühen oder eine riesige Bibliothek sein eigen nennen zu müssen. Damit eignet sich das wunderschöne Buch auch gut als Nachschlagewerk zu mythischen Orten.

Umberto Eco (05.01.1932 – 19.02.2016) war ein italienischer Literaturwissenschaftler und Autor. Neben seinen bekannten Romanen wie Das focaultsche Pendel oder Der Name der Rose hat er auch viele Kurzgeschichten und Sachbücher verfasst. Leider verstarb er im Februar in Milan.

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Umberto Eco: Die Geschichte der legendären Länder und Städte
dtv, 2. Aufl., 2016
480 Seiten
24,90 €

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