Die dritte Expedition

1_coverDie beiden Klangtüftler und guten Freunde Andreas Davids (xotox, Natura Est) und Sven Phalanx (Schattenspiel, Schwarzwald) sind ungeheuer produktiv – nicht nur mit ihren eigenen Projekten, sondern auch mit dem gemeinsamen Baby. Nach Broken galaxies und A psychedelic trip into space liegt seit Januar 2022 bereits die dritte Reise ins Weltall vor, diesmal auf dem bulgarischen Label Mahorka. Beide Alben waren entspannte und spannende elektronische (Ambient-)Trips durch die unendlichen Weiten, voller charmanter Details wie zum Beispiel stimmungsvoller Sprachsamples. Space Ambient Pop haben Andreas und Sven ihr ureigenes Musikgenre getauft, und damit da keine Zweifel aufkommen, heißt das dritte gemeinsame Album auch so. Dann wissen wir also, was uns erwartet? Steigen wir ein und finden es heraus.

„Lost in space“ transportiert von Anfang an eine düstere, wachsame Spannung, der Sound verdichtet sich im Lauf der zehn Minuten, die der erste Track dauert, wird fiebriger. Es ist nicht ganz klar, wohin die Reise geht, alles kann passieren. Am Ende scheint man aber einen (den richtigen?) Weg gefunden zu haben, der Übergang ins verträumte „Panoramaflug“ ist ruhiger. Hier spürt man den Frieden, den die unendlichen Weiten ausstrahlen können, die Sprachsamples und leicht loungeartigen Sounds unterstreichen diese Atmosphäre noch. Deutlich aufgeregter beginnt „Sternenstaub“, bei den klirrenden, flirrenden Tönen kann man sich wirklich wie in einem Sternenstaubwirbel vorkommen. Die zweite Songhälfte ist deutlich intensiver, aber immer noch hell und freundlich. Düster geht es hingegen weiter zur „Dark side of the moon“, das Raumschiff gleitet abwartend durchs All, die nächsten fünfzehn Minuten vergehen angespannt, mal lauter, nervöser, mal leiser. Die dunkle Seite des Mondes wirkt bedrohlich und kalt. Genauso wie „This is Space Ambient Pop“, das ein finsteres, rhythmisches Stück Dark Ambient ist, das nur gelegentlich etwas aufgehellt wird. Ambient – ja, Space – auch irgendwie, Pop – nein. Der Kontrast ist natürlich gewollt und unterstreicht, dass diese Musik etwas ganz Eigenes ist. „Gravity“ bringt uns allmählich wieder in einen Bereich mit Schwerkraft, die Reise durchs All ist zu Ende, die letzten Runden werden gedreht.

Space Ambient Pop zeigt eine weitere Facette des DavidsPhalanx-Weltraums: deutlich längere, dafür aber weniger Songs, in denen viel Raum für Sounds, Geräusche und meditatives Forttragenlassen geschaffen wird. Weniger Details, kaum Sprachsamples, auf diesem Album wird weniger gefrickelt, die Klangteppiche sind breiter angelegt. Mehr Space also, mehr Ambient, weniger Pop als bei den beiden ersten Alben. Man muss sich ein bisschen mehr einhören, das ist aber definitiv kein Nachteil. Nach ein paar Durchläufen steuert man auch hier souverän durchs All. Ein bisschen habe ich die informativen Samples vom zweiten Album vermisst, aber wer weiß, was Andreas und Sven bei der nächsten Reise alles erleben.

Anspieltipps: Lost in space, Sternenstaub

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Andreas Davids & Sven Phalanx: Space Ambient Pop
Mahorka, Vö. 19.01.22
Länge: 59 Minuten
Limited Edition Kassette € 6, Digital „Name your price“
Kaufen: Auf der Bandcamp-Seite von Mahorka 

1. Lost in space
2. Panoramaflug
3. Sternenstaub
4. The darker side of the moon
5. This is Space Ambient Pop
6. Gravity

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