Der Sound der Alpen im dunklen Gewand

Meine erste musikalische Begegnung mit der aus dem schönen Salzburger Land stammenden Band Vinsta hatte ich bereits 2017, als ich ihr Album Vinsta wiads hörte. Es war wohl Liebe auf dem ersten Hördurchgang! Unter dem Banner des Progressive Death Metal geführt, sind sie viel mehr für mich. Wie viele aus Bayern/Österreich stammende Formationen haben auch Vinsta diese Naturverbundenheit in ihrem Sound, diese tiefe Liebe zu ihren Wurzeln, und dies könnt ihr auch in ihren in ihrem Akzent vorgetragenen Texte hören. Ende Juli ist über Eisenwald Tonschmiede ihr neues Album Heimweitn erschienen, und ich möchte euch meine Höreindrücke im Folgenden schildern.

Zugegeben waren meine Erwartungen sehr hoch. Also Album in den Player, und wie üblich schließe ich meine Augen, um meine ganze Aufmerksamkeit auf das Album zu konzentrieren. Was soll ich sagen, ab der ersten Sekunde hat mich das Album in die Atmosphäre versetzt, die für diese Art von Musik notwendig ist. Wir reden hier übrigens erst vom Intro „Steanklong“. Man wähnt sich sogleich in der Natur. Selten genug, dass so etwas passiert! „Schwoaze Läckn“ mit seinen stolzen neun Minuten Spielzeit führt den eingeschlagenen epischen, melancholischen, naturverbundenen Weg fort. Folkloristisch mit gottgleichem klaren männlichen und weiblichen Gesang (so habe ich Jodeln noch nie gehört – aber ich erwähnte ja ihre Liebe zu ihrer Herkunft bereits) und erhebend. Ab und zu kommt mir Autumnblaze Herr von Welken Nächten in den Sinn. Ab ca. der Mitte kommt auch mal die etwas rauere Seite zum Vorschein. Progressiver Death Metal vom Feinsten. Was für ein schöner Beginn des Songs „Freiwtin“. Wunderbar auch hier die gesangliche Darbietung. Schwer zu beschreiben, wie mich das Album nach Song Nummer drei schon im Bann hatte. So muss vertonte Natur klingen! Immer mitschweifend die Melancholie, die sich hier besonders im klagenden Gesang wiederfindet. Wenn ich Vergleiche anstellen müsste, würde ich vielleicht sagen: Empyrium, Autumnblaze, Agalloch und Panopticon. Das folgende „Wundaberg“ führt zum ersten Mal die Death Metal Seite zum Vorschein. Herrlich schön im Midtempo gehalten und Growls, die einem die Freudentränen in die Augen treiben. Vinsta wären nicht Vinsta, wenn nach einem ohnehin genialen Einstieg ein nicht noch besseres Ende folgen würde. So wird aus dem anfänglich Death Metal lastigen Stück ein Black Metal Monolith mit geisterhafter Atmosphäre. Wirklich einzigartig und in der Form selten bis vielleicht gar nicht gehört. „Entarische Gstoit“ ist eine mächtige, groovende Black Metal Walze und gelegentlich auch mal Abrissbirne. Ein wahrlich präsent forderndes Stück, das einem durch sämtliche Glieder fährt. „Untawegs Im Schattn“ ist ein kleines aber feines Zwischenstück, welches die Atmosphäre, die das Album erzeugt hat, noch ausbaut. Verträumter Naturgaze möchte ich sagen! Man spürt förmlich eine Aura um sich herum. Grandios! „Vinstas Valonga“ ist mein Anspieltipp! Herrlicher tonnenschwerer Black Metal schallt einem ins Ohr! Herrlich roh und doch nicht die Melodie aus den Augen verlierend, geht es progressiv zur Sache. Auch meine Vorliebe für schöne längere Passagen kommt hier voll zum Tragen. Die Instrumentalfraktion der Band ist über jeden Zweifel erhaben. „Einkehr“ heißt nicht nur so, sondern man hat wirklich das Gefühl, man ist angekommen und lässt sich ein wenig fallen. Der weibliche Gesang in diesem Stück ist so schön, dass ich den ewig hören könnte. Das abschließende „Hoamat“ beendet eine Reise in einer Form, die man sich musikalisch nicht schöner vorstellen kann. Man ist geneigt, gleich wieder auf Play zu drücken!

Fazit! Dass ich begeistert bin, werdet ihr vielleicht weiter oben mitbekommen haben. Dieses Album ist genau das, auf das die gesamte Atmospheric Black/Death Metal Gemeinde gewartet hat. Black Metal Bands aus Österreich haben ja seit jeher schon ihre ureigene Aura, aber Vinsta spielen für mich fast schon in einer eigenen Liga. Der Sound ist ehrlich, die Produktion ist sehr gut, und die Songs nehmen einem von der ersten bis zur letzten Sekunde mit. Wer Agalloch, Autumnblaze, Empyrium und ähnlich klingende Bands mag, sollte Vinsta antesten. Von meiner Seite eine uneingeschränkte Kaufempfehlung! Vorsicht, es ist schwer, die Augen wieder zu öffnen beim Hören des Albums!

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Vinsta: Freiweitn
Eisenwald, Vö. 28.07.2023
14,14 € CD über https://vinsta.bandcamp.com/album/freiweitn

Tracklist
1 Steanklong
2 Schwoaze läckn
3 Freiweitn
4 Wundaberg
5 Entarische Gtoit
6 Untawegs im Schattn
7 Vinstas Valonga
8 Einkehr
9 Hoamat

 

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