Black Metal with a twist

Wayfarer_CoverWayfarer kommen aus Denver/Colorado, und das sind schon mal gute Voraussetzungen. Diverse spannende Bands stammen aus der Ecke, zum Beispiel 16 Horsepower bzw. Woven Hand, im Metalbereich Velnias, Blood Incantation oder auch Khemmis. Wayfarer haben sich der epischen Spielart des Black Metal verschrieben, mit ordentlicher Post-Black-Metal-Schlagseite und überlangen Songs. A romance with violence ist der vierte Longplayer das Quartetts und beschäftigt sich wie schon die Vorgänger inhaltlich mit dem ganz und gar nicht romantischen Wilden Westen, sondern seiner blutigen und gewalttätigen Geschichte. Auch die weiten Ebenen ihrer Heimat sind ein Motiv, das musikalisch umgesetzt wird. Genug, um mich mehr als neugierig zu machen und um vielleicht herauszufinden, warum mir die Band bisher entgangen ist.
Nach dem Eröffnungstrack „The curtain pulls back“ mit seiner dezenten Saloonatmosphäre, der getragenen Melodie und dem alten Klavier stürmt „The crimson rider“ heran, und hier haben wir sie schon, die weiten, staubigen Ebenen Colorados, die Verlorenheit, die Gnadenlosigkeit, die wilde Sounderuptionen und teils mehrstimmigen, leicht verhallten Gesang transportieren. Leichte Americana-Einsprengsel verleihen dem zehnminütigen Koloss noch etwas mehr Atmosphäre. Dieselben Zutaten, nur noch etwas wütender und wilder, werden bei „The iron horse“ vermischt, dem zweiten Teil des „Gallows frontier“-Blocks. Hier klingt alles noch etwas drohender, verzweifelter und wuchtiger. Und durch die Spielzeit von knapp sieben Minuten auch mehr auf den Punkt gebracht. Ruhiger und introvertierter wird es bei „Fire & gold“, das mit atmosphärischem Klargesang punktet und eine wohltuende Verschnaufpause bietet, bevor „Masquerade of gunslingers“ einen wieder auf die endlosen Weiten mitnimmt. Hier geht die Mischung aus epischen Riffs in bester Nackentrainingsgeschwindigkeit, dem verhallten Knurrgesang und akustischen Passagen mit Klargesang sehr gut auf, und hier wirken die zehn Minuten Liedlänge auch nicht zu ausgedehnt. Der zweiminütige Instrumentaltrack „Intermission“ ist zwar per se schön, reißt einen allerdings auch ziemlich aus der Stimmung – denn mit „Vaudeville“ geht es eigentlich furios weiter. Westernklänge am Anfang, wirbelnde Riffs, ein wilder Ritt durch ruhige und wütende Passagen, der in sich sehr gut funktioniert und über genau die richtige Intensität verfügt.

Wayfarer machen auf A romance with violence viel richtig – die Americana- und Westernanleihen gefallen mir sehr gut, ebenso wie die Stimmungen, die die Band erzeugt -, und man merkt, dass das Konzept grundsätzlich aufgeht. Ich persönlich hätte mir den Aufbau noch etwas harmonischer gewünscht – manches vielleicht ein klein wenig mehr auf den Punkt gebracht, vielleicht auf „Intermission“ verzichtet. Auch wenn der Song zusammen mit „Fire & gold“ natürlich für etwas Abwechslung sorgt, und bei lauter überlangen Tracks, die hauptsächlich aus epischer Weite bestehen, kann natürlich auch leichte Ermüdung auftreten. Das sieht sicher jeder anders. Ich hätte mir – gerade weil mir die Zutaten des Wayfarer-Sounds sehr gut gefallen – etwas mehr Geschlossenheit gewünscht. Nichtsdestotrotz ist das ein gutes Album, das sicher nicht nur für Fans von Wolves in the Throne Room oder Wiegedood interessant ist. Und warum ich die Band bisher nicht auf dem Schirm hatte? Das muss an der eigenen Schusseligkeit gelegen haben. 

Anspieltipp: Masquerade of gunslingers, Vaudeville

:mosch: :mosch: :mosch: :mosch: :mosch2:

Wayfarer: A romance with violence
Profound Lore Records/Membran, ET: 16.10.20
Länge: 44:58 Minuten
Kaufen: zum Beispiel auf der Bandcamp-Seite. CD 12 CAD (Kanadische Dollar), mp3 8,99 CAD 

1. The curtain pulls back
2. The crimson rider (Gallows frontier, Act I)
3. The iron horse (Gallows frontier, Act II)
4. Fire & gold
5. Masquerade of the gunslingers
6. Intermission
7. Vaudeville

(521)