Konzert: 18.06.16 – Klangstabil @Katzenclub, Feierwerk Kranhalle, München

Hier, unter Freunden … das ist ein guter Moment

DSC_7009Klangstabil – das sind Maurizio Blanco und Boris May. Klangstabil – das bedeutet Emotion, Tiefgründigkeit, mitreißende Beats, hypnotische Rhythmen und erfrischende Andersartigkeit. Seit 1994 gibt es das Duo bereits, diverse Alben hat es veröffentlicht (das aktuellste ist One Step back, two Steps forward, eine Compilation in Doppel-CD-Form), das nächste ist bereits in Arbeit; doch viel wichtiger sind meiner Meinung nach ihre nicht allzu häufigen Live-Auftritte, bei denen der Geist von Klangstabil am besten transportiert wird. Eine schöne Gelegenheit dafür ist die Veranstaltung Katzenclub in der Kranhalle des Feierwerks, eine Partyreihe, die viermal im Jahr stattfindet und wenn möglich außer der Musik der bewährten Pagan DJs sowie anderer hervorragender Tanzflächenbeschaller aus München auch noch einen renommierten Live-Act bietet (z.B. Schwefelgelb oder She Past Away). Nach dem ersten Auftritt im Oktober 2013 ist es jetzt endlich wieder soweit: Klangstabil @Katzenclub!

Relativ pünktlich um elf kommen die beiden Herren auf die Bühne, die Kranhalle ist bis zum Mischpult gut gefüllt, man hat aber noch Platz zum Tanzen – beste Voraussetzungen also. Boris May entledigt sich wie immer seiner Schuhe und Strümpfe, die ersten Töne von „Schattentanz“ erklingen, die vordere Reihe tanzt sich schon mal warm … und sofort ist es da, dieses ganz besondere Gefühl bei Klangstabil-Konzerten. Vertraut, familiär, aufgehoben in der Musik … unter Freunden, wie Boris May später noch ganz richtig sagen wird, als er den gegenwärtigen Wahnsinn der Welt anprangert und betont, wie wichtig doch die guten Momente im Leben sind. „Und das hier, unter Freunden … das ist ein guter Moment.“ Da hat er vollkommen recht, und auch die Lyrics von „Pay with Friendship“ passen hervorragend zu diesem Motto des Abends.
„Math & Emotion“ und „You may start“ kann wahrscheinlich jeder Anwesende in- und auswendig, doch bei jedem Hören kann man hier noch etwas Neues entdecken. „Push yourself“ darf natürlich auch nicht fehlen, ebenso wenig wie „Lauf, Lauf“, das Boris May dann zu einem Ausflug ins Publikum nutzt, wo er so eindringliche Zeilen wie „Schau nach vorn, kein Zurück, bau dich auf, Stück für Stück“ singt, umringt von Freunden.
Danach wird es intensiver, rauer, als noch einmal „Math & Emotion“ ertönt, „The Square Root of Three“ diesmal, eine Version, die mir persönlich besser als „The Square Root of One“ gefällt.
Dann entschuldigt sich Boris beim Publikum, er muss hinter die Bühne, er schiebt es auf seinen Hals. Doch als die ersten Klänge von „Vertraut“ – dem wunderbarsten ihrer wunderbaren Lieder – ertönen, weiß man warum: DSC_7080Der Song kommt gänzlich ohne Gesang aus, hier muss Kollege Maurizio Blanco mit seinen Gerätschaften die Bühne rocken. Und alleine die Gesprächsfetzen vom Band mit der Therapeutin über„Anke“ und die wundervolle Musik dazu: es funktioniert. In dem Lied wird eine Trennung verarbeitet. Das Leben ging nicht mehr ohne Therapie. Die Therapeutin hinterfragt, was an Anke so toll war, und was man sich von einer Beziehung generell erwartet. Und immer wieder fragt sie: „Und warum lieben Sie Anke?“ Eine Frage, die man sich selbst öfter mal wieder stellen sollte, wenn es um die eigene Beziehung geht. Dieses Lied – das „Anke-Lied“ – berührt, weil es einen wahren Hintergrund hat, echt und authentisch ist, darum lieben es die Fans.
„Vertraut“ beschließt den regulären Konzertteil, doch das kann es natürlich noch nicht gewesen sein. Drei Songs gibt es insgesamt noch als Zugabe, bis um viertel nach zwölf etwa dann die DJs in der Kranhalle übernehmen.

Intensiv war es, volle Konzentration auf die Songs und den Kilometer auf der Bühne ablaufenden Boris May, der wie immer mit eindrucksvollen, dramatischen aber nie übertriebenen Gesten seinen Auftritt untermalt. Ein schlichtes Beamer-Bild mit dem Bandlogo und einem melancholischen Motiv reicht als Deko, ein paar farbige Strahler. Die Halle ein Meer aus tanzenden Menschen. Ein Wohnzimmerkonzert, das noch eine ganze Weile nachwirken wird. Danke an den Katzenclub und seine Veranstalter, dass ihr Klangstabil nach 2013 noch einmal nach München geholt habt! Schon mal zum Vormerken: Der nächste Termin ist der 10. September 2016, auf der Bühne wird Zoe Zanias stehen (Linea Aspera, Keluar)!

 

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