Konzert: 25.01.2018 – Audrey Horne + Dead City Ruins – Magick Touch – Kranhalle-Feierwerk, München

I rock tonight … we rock tonight!

Der heutige Konzertabend in der Kranhalle (Feierwerk München) steht ganz unter dem Motto „Hard Rock“, es beginnen Magick Touch, die ebenso wie die Headliner Audrey Horne aus dem norwegischen Bergen kommen – der „schönsten Stadt der Welt“, wie wir später noch erfahren sollen. Als Verstärkung stehen Dead City Ruins aus Melbourne auf dem Plan. Die Bar vor der Kranhalle ist bei unserem Eintreffen bereits sehr gut besucht, in der Halle geht’s noch sehr locker zu. Aber das soll sich schnell ändern, denn die erste Band des Abends steht pünktlich um 20 Uhr auf der Bühne, ein beherztes „auf geht’s!“ aus dem Barbereich treibt die Leute in die Kranhalle.

_DSC7094Das Hardrock-Trio Magick Touch hat am 5. Januar sein Album Blades, chains, whips & fire veröffentlicht. Bård Nordvik (Drums), HK Rein (Vocals/Gitarre) und Christer Ottesen (Bass/Vocals) lassen das Flair der späten 70er und frühen 80er Jahre aufkommen. Ohne Begrüßung wird heftig mit „Midnight Sadusa“ losgelegt, die Haare des Gitarristen bilden einen Vorhang vor dem Gesicht, sodass er sich völlig der Musik hingeben kann. Ein Hingucker sind die beiden roten Bandanas, die er um seine Knie gebunden hat. Kurz und knapp werden nach dem ersten Song ein paar Worte an das Publikum gerichtet („Are you ready for Rock ’n‘ Roll?“ – was für eine Frage. Natürlich!), bevor es mit „Under the gun“ weitergeht. Einen sehr schönen Touch von Psychedelic verbreitet „Believe in magick“, im darauf folgenden Intro zu „Blades, chains, whips & fire“ stehen sich die beiden Saitenspieler vereint im Geiste einiger Vorbilder des Rock ’n‘ Rolls gegenüber, und die Gitarre von HK Rein lässt hohe Töne erklingen. Am Ende des Auftritts bekommen wir dann noch die erste Single der Band aus dem Jahr 2015 zu hören: „Trouble and luck“.
Der halbstündige Auftritt von Magick Touch ist geprägt von Erinnerungen an den Sound von Deep Purple und Thin Lizzy, bei der sehr soliden und engagierten Darbietung reckt das Publikum nur zu gern die Pommesgabel und geht richtig gut mit. Es war eine gute Show für eine vergleichsweise junge Band (Gründung 2014), das Publikum wurde teilweise zum Tanzen animiert, die Fans in der ersten Reihe konnte man bangen sehen. Mit etwas mehr Bühnenpraxis, die sie sich sicher auch durch diese Tour und die erfahreneren Kollegen aneignen, werden ihre Auftritte noch routinierter werden, etwas mehr Interaktion mit den vor der Bühne Stehenden wäre vielleicht hilfreich.

Setlist Magick Touch
1. Midnite Sadusa
2. Under the gun
3. Believe in magick
4. Blades, chains, whips & fire
5. The great escape
6. Trouble and luck

https://www.facebook.com/magicktouch/

https://www.magicktouch.no/

_DSC7333Eine große Rock’n’Roll-Show, von der das Publikum mitgerissen wird, haben Dead City Ruins bereits drauf (ist auch kein Wunder, nachdem sie seit 2011 gemeinsam schon einige tausende Kilometer in Europa und Skandinavien getourt sind und unzählige Konzerte gespielt haben). Die Australier starten nach der Umbaupause mit einem großen Intro und Nebel auf der Bühne. Zuerst treten die drei Saitenhexer (die Gitarristen Tommy Tbone und Sean Blanchard sowie Bassist Matthew Berg) auf, deren frisch geföhnte Wallemähnen genauso beeindruckend wie der volltönende Beginn sind. Im Hintergrund fügt sich Nick Trajanovski am Schlagzeug ein (sehr cool, dieser schwarze Hut auf der dunklen Haarpracht), bevor Frontmann Jake Wiffen in seinem Fransenshirt erscheint (ich brauche auch so eins!). Das Opening ist perfekt arrangiert, genauso wie die folgenden 45 Minuten. Ein Riff folgt auf das andere, der Sänger flitzt über die Bühne, gibt sich seinen Derwisch- oder auch Indianer-ähnlichen Tanzeinlagen am Rand hin, wenn seine Musiker im Mittelpunkt stehen, und hat anscheinend am bayerischen Bier Gefallen gefunden, mit dem er immer wieder seine Stimmbänder ölt. Der gute alte Heavy Rock wird perfekt gespielt, und die Jungs sind Meister des Synchronbangens. Mit „Til death“ lässt Wiffen seine Screams erstmals erklingen (da kann man schon an Bruce Dickinson denken), den ganzen Auftritt über ist kein schräger Ton zu hören, der Mann versteht sein Handwerk. Die Band hat die Menge vom ersten Song an in ihren Bann gezogen – sicherlich nicht zum ersten Mal. Es werden die Haare geschüttelt, getanzt, nur die hinteren Reihen nicken gefällig, aber so viel Platz ist dort auch nicht mehr. Der Frontmann unterhält uns „Motherfuckers“ immer wieder mit seinen launigen Ansagen, mit seinem Lieblingssong („All we are“) weist er uns darauf hin, dass wir Brüder und Schwestern sind, vereint in diesem Sinne wird Mitsingen gefordert, und der Wunsch wird ihm auch prompt erfüllt. Bei „Happenzella“ bekommen Nick und die Gitarristen ihren Solopart, bevor Jake wieder mit seiner Stimme und seiner Performance überzeugt.
Fazit: Was für ein Auftritt, welch eine Show – auf jeden Fall eine sehr gute Aufwärmung für das, was folgt!

Setlist Dead City Ruins
01 Intro
02 Til death
03 Broken
04 Bastard
05 Dirty water
06 Bones
07 Devil man
08 All we are
09 Happenzella
10 Where

https://www.facebook.com/deadcityruins/

http://onepagelink.com/deadcityruins/

_DSC7410Ab ca. 21.30 Uhr geht es geschäftig zu auf der Bühne, es gilt, alles für Audrey Horne vorzubereiten. Da packen dann auch schon mal Torkjell Rød (Spitzname Toschie) und Bassist Espen Lien mit an, um Setlists auf der Bühne zu verteilen und Einstellungen vorzunehmen. Mit ihrem neuesten Album Blackout (Review) waren sie in der kurzen Zeit seit Veröffentlichung (12.01.18) bereits „Album of the Month“ unter anderem bei Metal Hammer und Rock Hard, außerdem sind sie mit der CD kurz vor ihrem München-Auftritt in den deutschen Albumcharts auf Platz 37 eingestiegen. Aber genug geplaudert, genug aufgebaut, it’s time to rock!
Vom ersten Song an („This is war“) wird gnadenlos Gas gegeben. Die fünf Herren werden schon mit „Audrey Horne“-Rufen begrüßt, das Publikum geht von Anfang an mit. Toschie überzeugt stimmlich über die ganze Spielzeit hinweg (außerdem auch mit seinen zahlreichen, sehr dekorativen Tattoos), während des Gigs springt er immer wieder am Platz oder läuft über die Bühne. Nach „Audrevolution“ gibt es von ihm eine zum Teil deutsche Begrüßung. Der Frontmann kommt die ganze Zeit über sehr sympathisch rüber, auch dann, wenn er die neue CD vermarktet („kommt dann mal alle nach dem Auftritt draußen vorbei und kauft euch die neue CD!“). Toschie geht auch auf Tuchfühlung: Er begrüßt zum Beispiel einen Rollstuhlfahrer, indem er sich extra von der Bühne herunterneigt und ihn persönlich abklatscht. Außerdem bewegt er sich während des Abends gerne im Publikum und singt dort zu „Pretty little sunshine“, zu „Blase of ashes“ nimmt er dann auch noch zwei Gitarristen mit. Die Unbefangenheit kommt sehr gut an bei denen, die das hautnah erleben, ich stehe leider zu weit weg, und es ist kein Durchkommen. Die Gitarristen sind natürlich während eines solchen Hard-Rock-Abends das Salz in der Suppe, Arve Isdal (bekannt auch unter Ice Dale bzw. als Bandmitglied von Enslaved), Thomas Tofthagen und Espen Lien (sehr cool, dieser Bart!) liefern wirklich toll ab, sind genauso publikumsnah wie ihr Frontmann und freuen sich über die Begeisterung des Publikums. Auf der Bühne ist die Stimmung schon hervorragend, im Publikum explodiert sie geradezu, vor allem, als einer der Gitarristen auf der Box am linken Bühnenrand posiert und seine Riffs in die Halle jagt. Mit dem „Volcano girl“ (aus dem 2014er Album Pure Heavy) fängt die Meute an so richtig zu kochen, durch „The King is dead“ wird das Tempo für kurze Zeit etwas rausgenommen. Rausnehmen muss die persönliche Security der Band leider auch einen Betrunkenen aus der ersten Reihe. Das müsste nicht sein an so einem Abend, aber gut, dass da jemand ist, der die Situation nach einer Vorwarnung schnell in den Griff bekommt. Nach 40 Minuten geht‘s mit einer kurzen Unterbrechung und den obligatorischen Publikumsaufforderungen mit dem Zugabeblock weiter. Bei „Waiting for the night“ (wir singen lautstark mit: „I got tonight, you got tonight, we got tonight …“) und „Blaze of ashes“ (aus dem Album Audrey Horne – da musste ich auch erstmal nachforschen, ich hab’s nicht erkannt) gibt die Band noch mal alles und wird gnadenlos abgefeiert. Aber danach ist endgültig Schluss, das Licht geht an, das Bandgedudel setzt ein.
Ja, bei dem Auftritt war alles dabei, was man für so einen Abend braucht: Power, Show, Gesang und Musik, die richtig fetzt. Die melodiösen und höchst eingängigen Songs wurden klanglich wie stimmlich perfekt dargeboten (evtl. könnte man etwas an der Abmischung des letzten Titels mäkeln), wir wurden sehr gut durch die Performance der Band unterhalten und bekamen eine energievolle Show zu sehen. Bei der nächsten Tour sind wir auf jeden Fall wieder dabei.

Setlist Audrey Horne
01 This is war
02 Audrevolution
03 Out of the city
04 This ends here
05 Volcano girl
06 Midnight man
07 Blackout
08 The King is dead
09 Naysayer
10 Pretty little sunshine
11 Straight into the grave
12 Redemption
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13 Waiting for the night
14 Blaze of ashes

https://www.facebook.com/AudreyHorneOfficial

http://www.audreyhornemusic.com/

Ein großes Dankeschön geht an meine Redaktionskollegin torshammare, die mich als Fotografin begleitet und beim Erstellen des Berichts unterstützt hat.

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