Konzertreview: 09.08.2013 – Monster Magnet, Backstage Werk, München

Space Baby!

 

monster-magnetEin weiteres Highlight hatte das Backstage für diesen Freitagabend organisiert: die großartigen Monster Magnet, die mit ihrem Album Powertrip 1999 den ganz großen Durchbruch schafften und seither ein Garant für mitreißende Konzerte und überfüllte Hallen sind. Ich mochte die Band schon vor ihrer musikalischen Reduzierung auf knackige Schweinerockhymnen und war gespannt, ob sie ihre verdrogten Frühwerke auch noch live spielen. Und ob Dave Wyndorf wie bei meinem letzten MonsterMagnet-Konzert vor vielen, vielen Jahren wieder Gogo-Tänzerinnen dabeihaben würde …

Doch erst mal hieß es warten, sich mit Bekannten unterhalten, wieder warten, zuschauen, wie erst das Gelände und schließlich das Backstage Werk sich immer mehr füllten. Viele Besucher kamen gar nicht mehr in die Halle, so groß war der Andrang, so viele Karten für den gesicherten Eintritt waren schon im Vorverkauf abgesetzt worden. Heiß war es im Werk, unerträglich heiß, außer man stand hinten an der Bar in der Nähe des Deckenventilators. Und wo blieb eigentlich die Vorband Godsized, die um halb neun auf die Bühne hätte kommen sollen? Leider gab es auch hier wieder mal keine offizielle Information, was ich wirklich schade finde. Ein Mitfotograf wusste schließlich irgendwoher, dass die Vorband ausfallen würde, da sie im Stau steckte, um 22:00 Uhr sollten Monster Magnet planmäßig auftreten. Nun gut, auch recht, ich kämpfte mich zum Fotograben vor und harrte dort der Dinge. Dann ging es auch wirklich pünktlich los, und Dave Wyndorf stürmte agil auf die Bühne und legte gleich mit „Hallucination Bomb“ vom 2010er-Album Mastermind los. Seine Band stand ihm in Agilität in nichts nach und wirbelte ununterbrochen um ihn herum. Danach wurde es dann ganz alt und ganz psychedelisch, „Dopes to Infinity“ und „Twin Earth“ wurden der – teilweise etwas überforderten? – Meute um die Ohren geblasen, untermalt von schön spacigen Videoeinspielungen auf dem Backdrop. Mit uraltem Material ging es weiter, ich hatte mich mittlerweile wieder nach hinten zu besagtem Ventilator verzogen und so einen guten Überblick über das gesamte Werk. War es nur die Hitze und die drückende Enge, oder konnte ein Großteil des Publikums mit dem Frühwerk der Band nichts anfangen? Zugegeben, Herr Wyndorf spielte auch eher unbekannte Sachen – wie zum Beispiel „25/Longhair“ von der 1991er-EP Tab –, aber wenn man den alten Stil mag, hätte das ja nicht weiter gestört. Die ganz große Stimmung kam dann tatsächlich erst mit den bekannten und eingängigen Gassenhauern auf, wie eben „Crop Circle“, dem hypnotischen „Powertrip“ und natürlich der Überhymne „Space Lord“. Hier wurden die Refrains bis nach ganz hinten im Werk mitgegrölt, die MonsterMagnet-Welt war wieder in Ordnung.

Dann war es aber auch schon Zeit für die Zugabe, bei der ich mir nicht sicher bin, ob die drei auf der Setlist angegebenen Titel auch alle gespielt wurden – mir war so, als hätte es nur noch schnell „Tractor“ gegeben, und dann war der Spuk auch schon wieder vorbei. Insgesamt 75 Minuten dauerte der Auftritt – mir persönlich war das zu wenig. Natürlich war es schön, Monster Magnet mal wieder zu sehen, die Musik ist großartig, keine Frage – aber irgendwie war das alles für mich zu routiniert, zu schnell runtergespielt. Dave Wyndorf wirkte schon sehr agil und fit (und so ganz jung ist der Mann ja schließlich auch nicht mehr), aber gerade von Näherem wurde auch deutlich, wie müde und angestrengt er oft aussah. Stimmlich und an der Performance gab es aber nichts auszusetzen.

Vielleicht war es wirklich die Hitze und das überfüllte Werk, die das Konzert für mich nicht ganz zu dem Erlebnis werden ließen, auf das ich mich gefreut hatte, vielleicht stand ich später dann auch zu weit hinten, vielleicht war das Warten vorher einfach auch schon zu lange gewesen … bei mir hat es insgesamt nicht so gezündet wie früher, auch die für meine Begriffe eher lasche Stimmung im Publikum in der gesamten ersten Konzerthälfte fand ich schade. Aber dennoch großen Dank an Monster Magnet, dass sie ihr Frühwerk so deutlich weiterhin in die Konzerte miteinbeziehen, auch wenn sie davon ausgehen können, dass viele Fans damit nichts anfangen können. Und großen Dank ans Backstage für die Organisation des Auftritts im Rahmen des Free&Easy 2013.

P.S. Keine Gogo-Tänzerinnen dieses Mal.

 (mit Tendenz zu vier)

Setlist:
Hallucination Bomb
Dopes to Infinity
Twin Earth
Look to your Orb for the Warning
25/Longhair
Spine of God
Crop Circle
Powertrip
Space Lord

Atomic Clock (wirklich gespielt?)
Cage around the Sun (wirklich gespielt?)
Tractor

 

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