Ungezügelte Bilder, trotzdem mit Respekt

Kreative aus Kunst, Musik und Showbusiness hat Abe Frajndlich fotografiert, und gleich das erste riesige Bild beim Eintreten ins Kunstfoyer sind die Rolling Stones: Mick Jagger als Macher und Speaker, Charlie Watts im Anzug, Ron Wood ist alles egal, und Keith Richards ist eigentlich ganz woanders, alle Charaktere voll getroffen.

So respektiert der Fotograf immer die Individualität der Porträtierten, obwohl er mit ihnen experimentiert und sie auch oft äußerst freizügig in Szene setzt. Um ihnen die Scheu zu nehmen, setzt er gerne Utensilien ein, Spiegel zum Beispiel, oder wie bei Cindy Sherman nur eine schwarze und eine weiße Maske. Sherman fühlte sich gleich viel besser, auch verspielter, und sie konnte sich viel freier fotografieren lassen.

Wir sehen hier etwa 200 Arbeiten ab den 1970er-Jahren, seine frühesten Vintage-Prints aus Cleveland, Straßen in New York, London, oder wo auch immer Abe Frajndlich zu Hause war oder zu tun hatte. Ein Schwerpunkt seiner Retrospektive sind Personen, die sein Leben beeinflusst haben, Fotografen und Fotografinnen, Schauspieler*innen, Schriftsteller*innen, Vertreter*innen der Kunstszene. Er hatte Musen, mit denen er ganze Bilderserien gemacht hat, Minami Azu beispielsweise war seine „Muse Minami Picasso“ oder Rosebud Conway, 1949 geboren und 1978 gestorben, eine Performerin, die mit Frajndlich lebte und ihn künstlerisch beflügelte. Die schwarz-weiß Aufnahmen von ihr fallen auf, hier wurde mit großer Freude experimentiert, mit dem Körper gespielt.

Celina Lunsford und Esra Klein, die Kuratorinnen der Ausstellung, haben diese „Chameleon“ genannt, denn Abe Frajndlich ist unheimlich vielseitig, er macht nicht nur sehr verspielte Inszenierungen sondern auch außergewöhnliche Porträts wie das von Yoko Ono

„Yoko Ono and Bodyguard, New York City“, 1994

sein eigenes Selbstporträt

„Self, Chagrin Falls, Ohio“, 1970

oder eben Jack Lemmon mit Zitronen vor den Augen, wie auf dem Ausstellungsplakat. Absolut sehenswert.

Biografie:
Abe Frajndlich ist 1946 in einem Lager für Displaced Persons in Frankfurt-Zeilsheim geboren, seine Eltern haben die Schoa überlebt, weitere Familienmitglieder sind in Vernichtungslagern umgekommen. Als Kind kam er nach Israel, und über Deutschland, Frankreich und Brasilien ist er in die Vereinigten Staaten gekommen, wo er zum weltbekannten Fotografen wurde.

Fotoausstellung Abe Frajndlich – Chameleon
Noch bis 1. April 2024
Kunstfoyer
Versicherungskammer Bayern
Maximilianstraße 53
80538 München
https://www.versicherungskammer-kulturstiftung.de/kunstfoyer/ausstellungen/abe-frajndlich-chameleon/

Täglich 09:30 – 18:45 Uhr
Eintritt frei

 

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