Moin!

Nun, wir leben in einer Pandemie! Da fliegen wir nicht einfach mal schnell nach London oder auf eine sonnige Insel, nein, wir machen zum wiederholten Mal Hamburg unsicher.
Mit dem Zug sind es ziemlich exakt sechs Stunden von München aus, ohne Umsteigen. Die Bahn hat sich theoretisch Mühe gegeben: Man soll ja die Maskenpflicht beachten sowie den Mindestabstand. Somit haben wir zu zweit eine kleine Vierergruppe, zwei Reservierungen von München nach Hamburg, und die anderen zwei Plätze „nach Möglichkeit freihalten“. Diese Möglichkeit ist schnell vorbei, der Zug wird voll.

Ankommen

In Hamburg angekommen merken wir, wir haben alles richtig gemacht: Der Bus 112 bringt uns vom Bahnhof ohne Umsteigen direkt bis fast vors Hotel. „Davidstraße“ heißt die Haltestelle, mitten auf der Reeperbahn, und wir müssen den Trolley nur ein Stück die Davidstraße nach oben ziehen und sind am Empire Riverside Hotel angekommen. Ein Klotz, den man von fast überall in Hamburgs Innenstadt sehen kann, ist doch toll! So kann man sich nie verlaufen. Wir checken ein, das Hotel ist freundlich eingerichtet, bunte Ledersessel zum Verweilen, unser Zimmer ist im 11. Stock. Ich kreische vor Freude über den Ausblick: Vom Bett aus sieht man runter auf die Landungsbrücken und zur Elbphilharmonie – die so viele so hässlich finden – ich finde sie wunderschön! Wir ziehen sofort nach dem Auspacken los, runter zu unserer Lieblingsecke: „Brücke 10“ an den Landungsbrücken.

Die ersten Fischsemmeln, das erste Astra, die erste Kiezmische unseres Urlaubs. Danach stromern wir herum, Reeperbahn rauf und runter, die neuen Graffitis auf Höhe Spielbudenplatz begutachten. Zum Essen finden wir unweit von unserem Hotel ein kleines alternatives Kneipchen namens „Café Geyer“. Sorry, ich muss es lieben, hat sich doch El Bocho, einer meiner Street Art Helden, außen verewigt. Die Spaghetti Carbonara und die frittierten Calamari munden vorzüglich! Den ersten Abend lassen wir ausklingen in der „Alten Liebe“ auf der Reeperbahn. Schön eingemummelt in einen warmen Schal, Cocktails trinken und einem Fensterkonzert lauschen. Konzertfeeling, so wie wir es auch letztes Jahr schon erlebten.

Tag 1

Vor dem Frühstück schon treibt es mich raus. Es sind nur ein paar Meter bis zur Hafenstraße, eine damals ereignisreiche Straße in Hamburg, ein Politikum, Hausbesetzungen fanden dort statt. Nun gibt es hier krasse Graffitis, aber man sieht auch, hier wohnen immer noch Menschen, die es nicht so toll finden, dass man mit der Kamera hier rumläuft (ich mach‘s doch nur wegen der Graffitis!!): illegales Wohnen, Marihuanadüfte, Black-Lives-Matter-Banner. Ich gehe dann doch recht zügig weiter. „Park Fiction“, ein interessanter Park, folgt gleich. Er steht auch unter dem Einfluss der Geschichte um die Hafenstraße und deren Einwohner, ein Kunstprojekt hat soeben dort stattgefunden. Daraufhin noch schnell in der Morgenstille zu den Landungsbrücken. Alle sind schon geschäftig, doch ich finde keinen Kaffee für mich! Dann habe ich auch noch im Wind beim Fotografieren meine Maske verloren und muss mich wie ein Dieb mit hochgezogenem Pullover am Hoteltresen vorbeistehlen. Das Frühstück im Hotel ist viel, lecker und deckt den Kalorienbedarf für mindestens zwei Tage. Danach wird rumgestromert. Wir bummeln in St. Pauli herum, laufen über das interessante Gelände vom Millerntorstadion. Fotografieren, einkaufen, Kaffee trinken und zwischendrin Einkehren bei schnellen Wetterwechseln. Später kehren wir in einem türkischen Lokal in der Davidstraße ein und gehen dann früh zu Bett, weil für den nächsten Tag der Fischmarkt geplant ist.

Tag 2

Um 6 Uhr der Wecker! Früher als für die Arbeit! Wir können zu Fuß zum Hafen runterlaufen. Aha, alles ist anders als sonst: Sie haben den Fischmarkt nach vorne verlegt, die Gegend hinten an der immer noch geschlossenen Markthalle ist zum Parkplatz und Wohnmobilstellplatz umfunktioniert. Dieser Fischmarkt nun ist entzerrt. Links und rechts sind die Stände, in der Mitte geht man durch. „Der Verzehr der gekauften Waren ist nicht gestattet“ Wahnsinn. Jeder sucht sich abseits oder oben an der Mauer einen Platz, um seinen Kaffee oder seine Fischsemmeln, in meinem Fall die besten gebackenen Calamariringe meines Lebens, zu genießen.

Danach schlendern wir weiter Richtung Övelgönne, mit seinen hübschen alten Häusern, dem Elbstrand und dem Museumshafen. Beim Zurückgehen werden wir in Höhe „Hafenbahnhof“ von einem satten Regenguss überrascht. So haben wir dieses urige Kneipchen auch kennengelernt. Wäre es hier in München, es wäre eines meiner Lieblingsecken. Wir fahren mit dem nächsten Bus zurück. Binnen Minuten ist das Wetter wieder anders, so dass wir an „Brücke 10“ sitzen und bei Astra, Weißwein und Fischsemmeln das Treiben und den grandiosen Ausblick genießen können. Noch ein kleiner Bummel über die Reeperbahn und den Spielbudenplatz, dann sind wir vollends müde.

Tag 3

Wir gönnen uns wieder ein Frühstück im Hotel. Danach sind wir gerüstet für einen Ausflug ans Meer! Mit dem Zug geht es nach Lübeck. Eine schöne Stadt! Das Holstentor in echt gesehen! Über einen kleinen Kunstpark gebummelt, herzhaft gelacht und Fotos gemacht, an der Trave schön am Wasser gesessen und dabei Alsterwasser und Rhabarberschorle getrunken. Vom ZOB geht ein Bus nach Travemünde. Weil die Haltestellen alle so niedlich klingen, nehmen wir lieber den Bus statt des Zuges. Aber er fährt uns an gottverlassene Ecken, an denen immer mal wieder ein Mensch ein- und aussteigt, und wir sind insgeheim froh, niemals auf so einen Bus angewiesen zu sein.

In Travemünde angelangt geht es nur eine kleine Straße entlang bis zu dem langgezogenen, wunderschönen Strand mit seiner Promenade und den putzigen kleinen Strandkörben. Der Himmel hat sich bedrohlich zugezogen, Wolken stieben auf, aber so schnell sie da waren, so schnell sind sie auch wieder weg, es werden schöne, sonnige Stunden, in denen wir spazierengehen, an Stegen sitzen und reden und immer mal wieder was trinken. Zurück geht es mit dem Zug, diese Fahrt ist viel kürzer und dafür viel schöner! Nur vom Bahnhof dürft ihr euch nicht verunsichern lassen: Er besteht aus einem einzigen zugewachsenen und verwucherten Gleis mit Abfall an seinem Ende — wir waren verunsichert, ob hier ein Zug Richtung Travemünde kommt, oder ob es hier womöglich nach Hogwarts geht. Ausgedörrt von so viel verschiedenem Wetter und Meerluft suchen wir uns was Essbares in der Nähe und finden in unserer Davidstraße einen netten Griechen. In „unserem“ Hellas essen wir köstlich und günstig und haben schnell das Herz des Kellners erobert und er die unseren. Denn obwohl wir anschließend auf ein Schaufensterkonzert zur „Alten Liebe“ gehen und so lustige Getränke wie Seepferdchen und Schwermatrose trinken, sitzen wir abschließend noch auf seiner Holzbank auf einen Absacker, Retzina, Ouzo und Yamas! Wir konnten den Liebesdamen gleich bei der Herbertstraße an der Ecke bei ihren strategischen Verhandlungen zusehen und bekamen von unserem Griechen einen Frühstückstipp für den nächsten Morgen!

Tag 4

Alles in einem Viertel, ist doch toll! Wir gehen die Davidstraße nach unten, überqueren die Reeperbahn, dann noch ein paar Meter und rechts an der Ecke ist das „Café May“.

Genau unser Stil! Ein bisschen alt und vergammelt von außen, innen aber mit schönen Ecken und Sofas ausgestattet und einer tollen Auswahl an Frühstückssachen. Das Wetter ist wieder so lala, aber wir ziehen los, wieder ausgerüstet mit allem. Mit dem Bus fahren wir zum Flohmarkt Flohschanze, wühlen uns durch Platten, Poster, alte Handtaschen und Nippes und Kitsches, und bei akutem Hunger, Durst oder auf-die-Toilette-müssen (also ich halt) haben wir unsere Anlaufstellen. Die Ecke um das Schulterblatt ist eigentlich unsere liebste. Hier gibt es um die „Rote Flora“ nette Kneipen und Cafés, urige Läden, viele Graffitis und einen tollen Plattenladen („Slam Records“). Wunderbar unbehelligt kann man vor der „Katze“ draußen sitzen (drin im Normalfall natürlich auch), außerdem haben sie ein wunderschönes Klo. Scary ist nur der Moment, als es wieder einmal vier Wetterlagen innerhalb von fünf Minuten gibt. Hier fliegen uns die coronabedingten Plexiglasabstandshalter um die Ohren, dass wirklich nur die ganz Naiven nicht an den Film „Final Destination“ denken müssen. Im „Frank und Frei“ essen wir toll (auch tolles Klo!). Zurück in unserem Viertel machen wir nochmal eine kleine Reeperbahntour, heißt Mitbringsel und Unsinn in einem der vielen St. Pauli-Fanshops erstehen und die Mitarbeiter in den Sexshops mit unserem Gekichere zur Verzweiflung bringen. Ach Mensch, fast alles schon wieder vorbei! Ein letzter Absacker bei unserem Griechen.

Heimfahren: Am nächsten Tag geht es nach einem schönen langen Frühstück und mehreren Cappuchinos im Café May nach Hause.

Ihr seht, dieses Jahr haben wir uns einfach nur treiben lassen. Wir waren nun das dritte Jahr hintereinander in Hamburg. Jedes Jahr war es toll. Natürlich haben wir das Pflichtprogramm auch hinter uns: den Michel, den alten Elbtunnel, die Elbphilharmonie, Inas Nacht, den Hafenklang, die Markthalle und den „echten Fischmarkt“, das Portugiesenviertel, die Speicherstadt, Schifferlfahrt auf Elbe und Alster, die Innenstadt mit Rathaus, die Deichtorhallen, den Nivea-Laden und noch viel mehr. Doch dieses Mal waren wir faul. Wir haben nur getan, was wir tun wollten. Und es war gut so!

Skurriles zu Zeiten von Corona:
Fahrstuhlfahren zu gängigen Frühstückszeiten in einem Hotel. Wo normalerweise 12 Personen einsteigen dürfen, sollten jetzt nur Personen aus einem Hausstand einsteigen. Könnt ihr euch vorstellen, wie lang es dauert, bis man einen freien Fahrstuhl erwischt, der einen vom Frühstück ins 11. Stockwerk hochbringt?

Nützlich

Die Luca-App
Immer Kleidung für alle Wetterlagen und den Schirm dabei haben

Tipp:
Der Bus 111 bringt euch an all die touristischen Ziele, die man sehen will. Hierzu braucht es keinen teures Hop-On — Hop-Off.

Dieser Blog hat mich inspiriert:
sommertage.com/hamburg-tipps/

Addressen:

alteliebe-hamburg.de

bruecke10.com

cafegeyer.de/?fbclid=IwAR2WMxE…jXQu9Enam1D8CMnw3VgyR6PCE

hafenbahnhof.com

may-cafebar.de/de/st-pauli/willkommen-auf-st-pauli

instagram.com/katze.hamburg/

facebook.com/FrankundFrei.Hamburgschanze/

slam-records.com

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