Neue Einflüsse

Italien bringt in den letzten Jahren immer wieder Bands zum Vorschein, die uns mit ihrem recht experimentellen Oldschool Gothic Rock erfreuen. Eine jener Formationen ist Christine Plays Viola aus der Provinz l´Aquila. Dieser Tage ist ihr bereits viertes reguläres Album Fading über dem für sein feines Näschen beim Signing seiner Acts bekannten Pariser Label Icy Cold Records erschienen. Da mir die Wandelbarkeit von Christine Plays Viola bewusst ist und ich immer noch ihr Album Spooky Obsessions (hier entlang) abfeiere, war ich sehr gespannt, wie die Zeit ihren Sound verändern würde.

Geistig stimme ich mich auf Oldschool Goth Rock ein inklusive imaginärer Nebelschwaden und dunkler Sonnenbrillen. Da eröffnet „The Earth is definitely doomed“ den Reigen. Was sich wie ein Slogan anhört (auf den Titel bezogen), könnte angestaubter nicht klingen. Flächiger Sound leitet in einen treibenden Rhythmus mit einer herrlichen 80er-Jahre-Melodie. Was mir sofort auffällt, ist eine leicht dissonante Note, die mich an manch eine Death-Rock-Band denken lässt. Da haben wir schon einmal die von mir weiter oben angesprochene Wandelbarkeit und das einfließen Lassen neuer Ideen und Experimente. „Suicidal cabaret“ ist mir persönlich jedoch zu viel des Guten. Der Song ist nicht schlecht, aber irgendwie geht er mir nicht ins Ohr, und ehrlich gesagt finde ich ihn ein wenig deplatziert. Da der Song einen „happy“ Vibe versprüht, finde ich ihn sehr gelungen in Verbindung mit seinem Titel. „Showdown at the mirror“ lenkt die Sache Goth sei Dank wieder in dunklere und wohlere Gefilde. Der Titel hat einen leicht psychedelischen Vibe und lässt mich immer wieder auch an lange Autofahrten denken. Das passende Stück für den langen Ritt der Apokalypse entgegen. Das darauffolgende „Still“ entpuppt sich gleich beim ersten Hören als Hymne. Einflüsse sämtlicher Genregrößen hört man dem Sound an. Es wurde ganz viel Wert auf die Atmosphäre gelegt. Der urige, altbackene Sound (sehr positiv) führt ein Flashback-Gefühl herbei, und man möchte nur noch auf die Tanzfläche und den Einheitsschritt tanzen. Ganz großes Kino! „Through the night“ und „Run“ sind zwei sehr tanzbare Stücke, die aufzeigen, dass man auch Einflüsse von Depeche Mode mit in den Sound eingebracht hat. Das finde ich sehr gut gelungen, vor allem in den Vocals von „Run“. Die Rhythmik bringt einen automatisch zum Mitwippen. „In the dark“ stellt sich in meinen Ohren als lupenreine Ballade heraus. Gefällig dem Hörer ins Ohr kriechend, erinnert mich der Song an manch „fröhlichere“ Kreation von The Cure. „I belong“ ist leider der zweite Song des Albums, der mir ein wenig sauer aufstößt. Er erinnert eher an Future Pop (unsäglich) als an Gothic Rock. Warum um Himmels willen macht man so etwas? Dafür entschädigt das an letzter Stelle stehende „You´re no one“ mit seinen herrlichen Fields-of-the-Nephilim-Momenten zu Beginn, bevor dann ab der Mitte des Stückes ein unerwarteter Beat einsetzt und der Song zwar gut hörbar bleibt, aber mich nicht mehr vom Hocker reißen kann.

Fazit: Ich stehe Veränderungen ja eher positiv gegenüber, aber in diesem Fall hat die Band meiner Meinung nach versucht, zu viele neue Einflüsse auf einmal einbauen zu wollen. Vieles klingt einfach auf Teufel komm raus und leider nicht mehr so schön spontan. Als Hörer fällt einem so etwas natürlich auf. Jedoch ist das Album insgesamt mehr als gelungen, und die Songs halten sich die Waage zwischen schräg und Oldschool Gothic Rock. Die Produktion ist sehr robust (fett klingt mir zu sehr nach Hip Hop – würg). Ansonsten hat sich das richtige Label für Christine Plays Viola gefunden. Gebt dem Album ruhig mal zwei bis drei Hördurchgänge, da es ein wenig länger dauert, alles herauszuhören.

Christine Plays Viola: Fading
Manic Depression/Icy Cold, Vö. 18.05.2020
8 € unter https://christineplaysviola.bandcamp.com/

Tracklist
1 The earth is definitely doomed
2 Suicidal cabaret
3 Showdown at the mirror
4 Still
5 Through the night
6 Run
7 In the dark
8 I belong
9 You´re no one

Band: https://christineplaysviola.bandcamp.com/
Facebook: https://www.facebook.com/christineplaysviola/

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