CD: Frank the Baptist – Road omen

Emotionaler Roadtrip

Frank-the-Baptist_coverFrank the Baptist, das sind Namensgeber und Bandchef Frank Vollmann, The Beast from the East Julio Cardador, Gerrit Haasler und Salomon Bosse, und sie machen verdammt gute Musik. Vier Alben und eine EP gibt es bereits (wer da noch Nachholbedarf hat: unbedingt kaufen!), voll mit feinsten Death- und Düsterrock-Perlen, wunderschönen Melodien und diesem ganz speziellen Sound, der die Band unverwechselbar macht. Nach der EP Angry kids of jealous gods vom letzten Jahr gibt es nun seit Januar 2019 das fünfte Full-length-Album, Road omen.
Nach dem stimmungsvollen titelgebenden Intro sägen die Gitarren von „Like vandals did (when in Rome)“ sehr verheißungsvoll, ein typischer FtB-Ohrwurm, der von der EP und auch einigen Live-Auftritten schon bekannt ist. Ein sehr schöner Einstieg mit einer prägnanten Botschaft: „All is gone to hell, you can go as well, tell everyone I said hello!“ Der nächste Song „Textured messages“ – ebenfalls schon von der EP bekannt – beginnt geradezu sanft und lieblich, mit getragenem, einprägsamem Rhythmus, und gibt gegen Ende nochmal etwas Gas, während man beim Zuhören schon die ganze Zeit „kill your fate“ vor sich hin summt. Genauso anhänglich ist „Angry kids of jealous gods“ (ebenfalls ein EP-Titel), das erste richtig große Highlight von Road omen, das mit toller Dynamik, leidenschaftlichem Gesang und ungewöhnlichen Passagen punkten kann. Auf fast sechs Minuten kann die Band hier alle Stärken ausspielen: Franks Stimme (hier mit einer seiner besten Gesangsleistungen ever) mit den dazugehörigen Killermelodien, flächig-melancholischen Gitarren und dem bombenfestem Rhythmusgerüst aus Drums und Bass. Empfehlung!
Nach dieser Tour de Force von einem Song leitet der gesprochene Zwischenteil „The sweep“ auf den nächsten Höhepunkt des Albums über: „Till the day“. Ergreifender Gesang, krachende Gitarrenriffs, zurückgenommenes Tempo, brodelnde Emotionen – den Song will ich live hören und dazu dann sehr ergriffen mitsingen und -bangen. „Second Halloween (you better run)“ bietet das genaue Gegenteil zur gerade gehörten Krachorgie, hier wird wieder lässige Düsternis auf hochmelodiöse Weise zelebriert – die Ohrwürmer müssen sich langsam anstellen, so viele passen gar nicht in den Kopf. Einerseits eine typische FtB-Hymne, aber trotzdem etwas ganz Neues.
„Die, die my darling“ muss nicht groß vorgestellt werden, wer kennt den Misfits-Klassiker nicht. Doch in diesem Gewand hat man ihn (außer auf FtB-Konzerten) ganz sicher noch nicht gehört. Statt räudigem Punk regiert hier sinistre Zurückgenommenheit, was dem Song noch mal ganz andere Gänsehautdimensionen verleiht. Sehr gelungen! Das ruhige „Waltziffer“ bietet eine kleine Verschnaufpause, bevor es mit „Venomenon“ wieder intensiv und ein bisschen experimentell (die Gesangslinien) wird – erneut ein Song mit vielen Facetten und komplexem Aufbau, den man sich vielleicht ein wenig erarbeiten muss, der aber trotzdem punktgenau sitzt. Außerdem ist er ein gutes Aufwärmprogramm für den Königstrack des Albums: „The lotus“. Sieben Minuten, die ganz anders klingen als erwartet. Getragen, eindringlich, mit episch angelegten Soundteppichen, langen Instrumentalpassagen, bis im leidenschaftlichen Finale der Gesang einsetzt und einen aus dem Song hinausbegleitet.

Frank the Baptist ist wieder mal ein hervorragendes Album gelungen, voll mit bandtypischen Ohrwürmern, aber auch mit einigen experimentellen Ansätzen, die mir sehr gut gefallen. Man geht definitiv nicht auf Nummer Sicher und schüttelt einfach ein paar neue Mitsingnummern aus dem Ärmel (die natürlich auch großartig gewesen wären), sondern erweitert den typischen FtB-Sound um einige Klangfacetten. Und trotzdem ist jeder Song ganz eindeutig FtB. Das ist eine reife Leistung und das Album somit in der Dauerschleife.

Anspieltipps: Angry kids of jealous gods, Till the day, The lotus

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Frank the Baptist: Road omen
Alice in … (Broken Silence), 25. Januar 2019
Länge: 41 Minuten
Kaufen: € 15,95, z. B. bei POPoNAUT

Tracklist:
1. Road omen (intro)
2. Like vandals did (when in Rome)
3. Textured messages
4. Angry kids of jealous gods
5. The sweep
6. Till the day
7. Second Halloween (you better run)
8. Die, die my darling
9. Waltziffer
10. Venomenon
11. The lotus

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