Untitled-1

Fernöstliche Klänge aus Berlin

 

Necros Christos lassen natürlich zuerst an dieses düster-geheimnisvolle-schwere Schwarzmetall griechischer Provenienz denken, und damit liegt man gar nicht falsch, auch wenn dieUntitled-1 Herren Mors Dalos Ra (Gitarren, Vocals, Keyboards), Peter Habura (Bass), The Evil Reverend N. (Guitarre) und Iván Hernández (Drums) aus Berlin kommen: Nine Graves, der neuste Output der inzwischen zum Quartett angewachsenen okkulten Death-Doom-Formation, klingt nicht im Mindesten griechisch, ist aber düster, geheimnisvoll, drückend schwer und wartet mit einigen Überraschungen auf.

Fünf lange Akustikstücke (die „Temple“-Variationen und das leicht mittelalterlich angehauchte „Gate“) entführen in den Orient – so etwas habe ich zuletzt bei Melechesch gehört, die mich nur mäßig überzeugt haben. Necros Christos benutzt diese Parts allerdings weniger für ihren Death Metal, sondern als Brücken und Überleitungen zwischen den Stücken und schaffen eine gekonnte Synthese zwischen diesen Klangteppichen und ihrem langsamen, doomigen Metal, die mich sofort in ihren Bann schlägt und eine ganz eigene, okkult-traumartige Stimmung erzeugt. „Va Koram Do Rex Satan” und „Baptized by the black Urine of the Deceased” sind eigens für Nine Graves neu arrangiert worden und unterscheiden sich necroschristos3deutlich von älteren Aufnahmen (zu hören auf Triune Impurity Rites bzw. auf der Split-EP mit Teitanblood von 2006). Mit „Black Bone Crucifix“ und dem titelgebenden „Nine Graves“ sind auch zwei neue Stücke auf dieser EP enthalten, die zwar im Großen und Ganzen der Nekros-Christos-Linie treu bleiben, aber wesentlich roher und brutaler abgemischt sind und dem Sound dadurch diese abgrundtiefe Schwärze zurückgeben, die mir zuletzt ein bisschen gefehlt hat. Das sind zwei sehr kraftvolle Stücke, die weder inhaltlich noch in der Ausführung viel zu wünschen übrig lassen: Komplex, aber nicht überfrachtet, dunkle Growls und ein treibendes Schlagzeug, das sich im Hintergrund hält. Geschwindigkeit und Blastbeats sucht man hier vergebens, die Stärken von Necros Christos liegen in den extrem schleppenden Doom-Passagen, die sich gekonnt mit dem heftigeren Metall verbinden. Ein bisschen Zeit und Muße sollte man mitbringen, um sich auf Nine Graves zu konzentrieren: Hört man die Musik nur nebenbei, kann sie durch die eingangs angesprochene Kombination der Akustik- und Metalparts schnell zerfasert und unrund wirken.

 

Ich habe an der EP nichts zu meckern und freue mich aufs nächste Album!

 

:mosch: :mosch: :mosch: :mosch: :mosch:

 

Necros ChristosNine Graves
Sepulchral Voice Records, 03.07.2014
10,00 Euro
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Tracklist:
1. Temple I
2. Black Bone Crucifix
3. Temple II
4. Va Koram Do Rex Satan
5. Gate: Solh
6. Baptized by the Black Urine of the Deceased
7. Temple III
8. Nine Graves
9. Temple IV
Gesamtspielzeit: 40:16

Reinhören könnt ihr bei Soundcloud 
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