Film: Eine ganz heiße Nummer 2.0

Frauenpower in Marienzell

Eine ganz heiße nummer 2In Marienzell, dem kleinen bayerischen 1000-Seelen-Kaff, sieht es wieder einmal mau aus. Junge Familien ziehen weg, Touristen wollen keine kommen, es gibt keine Kinder mehr, sogar der Pfarrer läuft ihnen davon. Woran liegt’s? Das Dorf ist abgeschnitten von der Außenwelt, isoliert sozusagen, denn es gibt kein Internet! Fast überall kein Netz! Das für die Region zuständige Kommunikationsunternehmen hat ihnen mitgeteilt, dass sich das Glasfaserkabelverlegen in Marienzell nicht rentiert, viel zu teuer ist. Was tun, um Himmelswillen? Waltraud (Gisela Schneeberger), Maria (Bettina Mittendorfer) und Lena (Rosalie Thomass) haben es ohnehin momentan nicht leicht. Waltrauds Mann nervt, Marias Ex-Mann heiratet erneut, was sie belastet, und Lenas Mann interessiert sich nicht mehr für sie. Finanziell sind sowieso alle nicht besonders gut aufgestellt. Und nun auch noch dieses teure Internet! Die wie immer überengagierte Bürgermeistersfrau hat die Idee, die Männer die paar lächerlichen Kilometer Kabel doch selbst verlegen zu lassen.

Das wird eine mühsame, schweißtreibende und langwierige Angelegenheit. Lena aber liest von einem Tanzwettbewerb im Nachbardorf. Mit dem Preisgeld für die Gewinner könnte man eine saftige Anzahlung für das Highspeed-Netz machen. Großes Interesse findet Lena nicht in der Gemeinde, nur die Freundinnen Waltraud und Maria sind bereit mitzumachen. Leider kann keine so richtig tanzen, eine gescheite Choreographie will ihnen auch nicht einfallen, und eigentlich sollten sie doch auch ein richtiges Lied dazu haben, „ihr Lied“ sozusagen. Das niedliche Schweinchen Paul zieht aus einem Stapel CDs „Lady Marmalade“ von Patti Labelle heraus. Als sie dann auch noch zufällig auf den Juror des Tanzwettbewerbs stoßen, Jorge González, den wohl jedes „Meeedchen“ aus „Germany’s Next Topmodel“ kennt), fassen alle frischen Mut. Er übt mit ihnen, und sie werden so mutig, dass sie sogar nach München fahren und die Zentrale des Kommunikationsunternehmens aufsuchen. Sie wollen den Chef persönlich von der Notwendigkeit einer Anbindung an das Internet überzeugen. Hier benehmen sie sich leider etwas daneben, und das Unterfangen misslingt erstmal gründlich. Das wird noch ein langer und steiniger Weg raus aus diesem finsteren Internet-Mittelalter, in dem sich alle derzeit befinden.

2011 war das, als die drei verzweifelten Freundinnen aus Marienzell mit ihrer Telefonsex-Hotline in Eine ganz heiße Nummer ihrem Dorf aus dem finanziellen Engpass halfen. Die Mundart-Komödie wurde ein Kinohit, überraschenderweise nicht nur in Bayern, sondern bundesweit. Die Leute lieben solche Filme, wenn sie gut gemacht sind mit authentischen Schauspielern. Warum hat es acht Jahre gedauert, bis die Geschichte weiterging? Eigentlich erkennt man alle wieder, und man will auch in die Geschichte eintauchen, aber die Ideen fehlen ein wenig. Es ist ein bisschen zäher als im ersten Teil, das machen aber die famosen Schauspieler allesamt wett. Ich sage nur der Busfahrer, der Ex-Mann, die zwei einfältigen Polizisten: großartig. Von Gisela Schneeberger, Rosalie Thomass, Bettina Mittendorfer und Günther Maria Halmer ganz zu schweigen. Ein bisschen mehr Ideenreichtum und Tempo, dann hätte das Ganze das Zeug zu einem „Eberhofer-Krimi“. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Ich habe gelacht, ich habe geweint, ich habe hingezittert, wie das ausgehen wird, was will man mehr. Höchstens noch Gisela Schneeberger als Bürgermeisterin!

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Eine ganz heiße Nummer 2.0
Genre: Komödie
Regie: Rainer Kaufmann
Produktionsland: Deutschland
Kinostart: 3.10.2019, 91 Min.
Cast: Gisela Schneeberger, Rosalie Thomass, Bettina Mittendorfe, Tristan Seith, Günther Maria Halmer u.v.m.

 

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