„Mit anderen Menschen Musik zu teilen und so gemeinsam in Resonanz zu gehen, finde ich einfach magisch“

Ellereve ist das Solo-Projekt von Elisa Giulia Teschner – eine vielseitige und faszinierende Künstlerin, die uns mit ihrer emotionalen Musik begeistert. In einigen Tagen erscheint ihr Debüt-Album Reminiscence bei Eisenwald Records (Vö. 31.03), auf dem Ellereve die Emotionen und Erfahrungen der letzten Jahre verarbeitet und auf ihre ganz eigene Art tiefgründige Texte und einhüllende Post Rock Klänge miteinander verbindet. 

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Foto 1 : © Laura Patricia

Wir (Yggdrasil & Anomena) hatten Gelegenheit vorab in das großartige Album reinzuhören (die Rezension erscheint am 30.03.)  und Elisa einige Fragen zu ihrer Musik und ihrem neuen Album zu stellen.

Herzlichen Dank Elisa, dass du dir Zeit für unsere Fragen nimmst! Dein neues Album steht in den Startlöchern – Wie geht es dir?
Vielen Dank für eure Nachfrage – in mir schlummert derzeit eine Mischung aus Glückseligkeit und Aufregung. Ich bin einfach unglaublich dankbar über die Wege, die ich in den letzten Monaten einschlagen durfte. Und momentan kurz vor Release bin ich natürlich einfach sehr gespannt, wie es weitergeht. Zumindest kann ich schon mal prophezeien, dass es ein Jahr mit vielen Live-Shows für Ellereve sein wird, und darauf freue ich mich total!

Dein Debüt-Album heißt „Reminiscence“. Worum geht es genau? Warum hast du „Reminiscence“  als Titel ausgewählt und was bedeutet er für dich?
Jeder Song aus meinem Album erzählt seine eigene von mir durchlebte Geschichte, dennoch formen sie gemeinsam eine sehr turbulente Lebenszeit, sowohl in positiver als auch negativer Hinsicht. Über eine Zeitspanne von ungefähr drei Jahren sind die Stücke von „Reminiscence“ entstanden. Sie stehen für Abschied, Loslassen und gleichzeitig aber auch für Transformation und Neuanfang.

Wie war der Weg von deiner ersten Idee bis zum fertigen Album? Wie haben sich die Songs während dieser Zeit entwickelt? Gab es besondere Momente, die dich und deine Kreativität herausgefordert haben?
Anfangs war ich mir noch gar nicht so sicher, ob es ein Album, eine EP oder – wie der Rat von vielen anderen lautete – mehrere Veröffentlichungen in Form von Singles sein sollte. Auch wenn es scheinbar in der heutigen digitalen Welt erfolgsversprechender ist, bin ich eher der Fan von einem „Gesamtwerk“ und tada: Hier stehe ich also mit meinem Debütalbum.

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Foto 2 (Album Cover): © Konstantin Alexandroff

Oh ja – es gab einige herausfordernde Momente, ich würde diese Prozesse im Songwriting als „zäh aber zärtlich“ betiteln (lacht). Ich hatte teilweise bei manchen Songs mehrere Versionen, da ich nie wirklich zufrieden mit dem Ergebnis war. Von „But nowhere“ gab es zum Beispiel irgendwann auf einmal vier unterschiedliche Versionen. Ich bin wirklich sehr froh, dass mein Produzent mich dann irgendwann in die richtige Richtung gelenkt und mich ermutigt hat, an dem heutigen Stück weiterzuarbeiten. Manchmal war aber auch einfach dieser „flow“ drin, und ein Song war nach kurzer Zeit schon so gut wie fertig.

Ich entschied mich dieses Mal im Vergleich zu meiner EP „Heart Murmurs“, die Songs auch in einer vollen Bandbesetzung auf dem Album zu arrangieren und dann natürlich auch zu performen. Das ist dann manchmal schon etwas aufwendiger, aber lohnenswert. Vor allem bei den Drums hat Patrick seine eigene persönliche Note mit reingebracht und auch beim Recording Vollgas gegeben! Ich hatte wirklich tolle Unterstützung, und dafür bin ich so dankbar!

Deine Musik ist sehr emotional, deine Songs ergreifend. In welcher Gefühlslage musst du dich befinden, um solche melancholischen Songs zu schreiben?
Ich schreibe zu 90 Prozent fast immer nur, wenn ich etwas zu verarbeiten habe. Es ist so, als könnte ich mir mein Gefühlschaos „von der Seele singen bzw. spielen“. Die Musik hatte schon immer einen therapeutischen Effekt für mich: Geht es mir nicht gut, hocke ich mich an die Gitarre oder höre mir meine Lieblings-Playlist an und trällere bei jedem Song mit, manchmal sogar durch die Wohnung tanzend, und danach sieht die Welt schon wieder besser aus.
Ich würde schon sagen, die meisten meiner Songs entstehen eher aus einer nachdenklichen und melancholischen Stimmung, sind aber dennoch von Hoffnung getragen.

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Foto 3 : © Laura Patricia

Was sind deine thematischen Inspirationen, die sich auch in deinen eindringlichen Texten niederschlagen?
Wie gesagt bin ich da sehr von meiner eigenen Gefühlswelt und Erlebnissen inspiriert. Gleichzeitig hinterfrage ich auch viele meiner Gedanken, was wiederum manchmal in einem Songtext endet. Aber auch gesellschaftliche und zwischenmenschliche Themen fließen bei mir hin und wieder ein: Wie führen wir unser Leben? Worin liegt die Sinnhaftigkeit? Bei wem fühlst du dich wirklich „gesehen“?

Ist die Palette der Musik, die du gerne hörst, so vielfältig wie die Bandbreite deiner eigenen Musik? Was hörst du gerne, und gibt es Künstler*innen, die dich besonders inspirieren?
Oh je, ich versuche mich kurz zu fassen, denn ja, diese Palette schaut sehr vielfältig aus! Um jetzt vielleicht mal grob einen Überblick zu schaffen: Mein Musikgeschmack reicht von irisch/keltischen (Loreena McKennitt) Klängen bis hin zum Orientalischen (Die Saz und Oud sind einfach wahnsinnige Instrumente), aber auch härtere/gitarrenlastige Musik wie Black Metal, Shoegaze, Postrock sind Richtungen, die ich sehr viel höre. Auch Klassiker wie David Bowie und Freddie Mercury dürfen nicht fehlen. Außerdem mag ich elektronische und sphärische Klänge, wie Ambient, melancholischer Synth-Pop und auch Indie-Folk.
Wenn ich Künstler*innen / Bands aufzählen müsste, die mir sehr am Herzen liegen oder mich auch musikalisch inspiriert haben in den letzten 15 Jahren, dann wären es wohl: Fink, Radiohead, Emma Ruth Rundle, Bon Iver, Dornenreich, Daughter und David Bowie.

Dein Album erscheint bei Eisenwald Records. Wie ist die Zusammenarbeit mit dem eher für Metal bekannten Label entstanden?
Mit meiner EP „Heart Murmurs“ befand sich Ellereve noch etwas in der Findungsphase, sei es vom musikalischen, als auch der Frage „Wo ist eigentlich meine Zielgruppe an Zuhörer*innen?“. Natürlich würde ich die Songs von „Reminiscence“ auch nicht unter Metal einordnen, dennoch habe ich im Laufe der Zeit gemerkt, dass sowohl meine eigene Kreativität als auch meine Zuhörerschaft mehr in der atmosphärischen Metal-Ecke zu Hause ist, als in der Indie/Pop Szene.
„Metal“ ist ja ein Oberbegriff für so unendlich viele Subgenres. Ich persönlich kann da auch mit vielen Richtungen nichts anfangen, und sicherlich gibt es Fans aus diversen Metal-Sparten, die auch meine Musik nicht mögen. Und das ist völlig okay. Das Schöne ist aber, dass ich die Metal-Szene mittlerweile als viel offener empfinde, und deswegen ergeben sich auch so Kooperationen wie mit Eisenwald und Ellereve.

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Foto 4: Y seasons / Foto 5 & 6: © Laura Patricia

Planst du bei deinen nächsten Veröffentlichungen weitere Einflüsse in die Musik einfließen zu lassen?
Meine eigene Kreativität kann ich nie so wirklich planen. Ich glaube, ich lasse das einfach auf mich zukommen und freue mich auch jetzt schon sehr auf die Zeit, wenn ich mich wieder dem Songwriting widmen kann. Ich bin schon immer experimentierfreudig gewesen, aber jetzt steht erst mal die Veröffentlichung von „Reminiscence“ im Fokus und natürlich die Live-Präsenz.

Wie entstehen deine Ideen für die visuelle Umsetzung deiner Songs? Wie gehst du beim Dreh deiner Videos vor? Wer unterstützt dich dabei?
Manchmal wünschte ich, all meine Ideen wären auch realistisch umsetzbar. Das sind sie nämlich des Öfteren gar nicht (lacht)! Bei aufwendigen Videos kommt es immer darauf an, wieviel Mittel man zur Verfügung hat. Deshalb muss ich mich hier und da ein bisschen bremsen, aber dennoch liebe ich das kreative Arbeiten an Musikvideos sehr! Wenn ich an einem Song schreibe, kommt meistens auch gleichzeitig die Idee, wie ich ihn visuell umsetzen würde. Bei „In infinite light“ zum Beispiel, habe ich zusammen mit Laura Patricia gedreht. Wir haben zuvor schon oft gemeinsam Fotos und ein Video gemacht. Am liebsten arbeite ich mit Künstler*innen, die ich kenne und von denen ich weiß, dass wir uns auf einer gemeinsamen kreativen Wellenlänge befinden.

Erzähl uns mehr über deine Idee zu deinem Song und das Video zu „Empty chair“. Der Song lebt von Kontrasten und ist ein schönes Beispiel dafür, wie du scheinbar Gegensätzliches in deiner Musik miteinander verwebst.
„The empty chair“ beschreibt die Auseinandersetzung mit dem, was man nicht wahrhaben will. Die Gefühle, die aufkommen, die Hilflosigkeit und auch die Hoffnungslosigkeit, gleichzeitig im Wissen, dass es so kommen „muss“ und man lernen muss diese Wahrheit zu akzeptieren. Der einzige Weg in meinem Fall war es, diesen letzten Funken von Hoffnung zu ersticken, deshalb auch das relativ „brutale“ Ende vom Video.

Was beutet es für dich live auf der Bühne zu spielen / der Kontakt zum Publikum? Wann können wir dich mit deinen neuen Songs live erleben? Worauf freust du dich in den nächsten Wochen und Monaten am meisten?
Es gibt für mich eigentlich fast nichts Schöneres auf der Welt. Ich bin zwar sonst eher eine introvertierte Person, aber mit anderen Menschen Musik zu teilen und so gemeinsam in Resonanz zu gehen, finde ich einfach magisch. Ab dem 31. März geht es los – also Tour-Start ist direkt auch der Release vom Album.

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Ellereve Live

31.3.23 – Linz – KAPU
01.4.23 – Wien – Kramladen
05.4.23 – München – Feierwerk
07.4.23 – Salzburg – Rockhouse Salzburg
08.4.23 – Innsbruck – p.m.k
12.4.23 – Stuttgart – Juha West
21.4.23 – Bielefeld – Potemkin Bar
22.4.23 – Oldenburg – MTS Records
23.4.23 – Karlsruhe – P8
30.4.23 – Helmond (NL)
06.5.23 – Mannheim – peer23
25.5.23 – Jena – KuBa
27.5.23 – Leipzig – Wave Gotik Treffen
28.5.23 – Offenbach – Hafen 2
23.6.23 – Hennesee Festival / LIVE AM SEE

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